"Die Kunst des Wirtschaftens"
Rund 600 Besucher bei Kongress der Akademie Heiligenfeld
Vom 10. bis 13. Juni 2010 hatte die Akademie Heiligenfeld dazu eingeladen, zusammen mit namhaften Referenten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kunst nach einer neuen Kunst im Prozess des Wirtschaftens zu suchen.
Dr. Joachim Galuska, Ärztlicher Direktor der Heiligenfeld GmbH und Veranstalter des Kongresses, erklärte in seiner Eröffnungsrede, dass die Krise in Deutschland wohl noch nicht groß genug sei, um bei der Wirtschaft einen Bewusstseinswandel hin zu einer werteorientierten und menschengerechten Unternehmensführung zu erreichen. Dabei wolle der Kongress "Die Kunst des Wirtschaftens" helfen, so Galuska weiter. "Die Wirtschaft kann einiges von der Kunst lernen, so zum Beispiel von einem Orchester: Alle Musiker tragen durch ihre Leistung zu einem harmonischen Konzert bei. Sie stellen sich als Individuen voll in den Dienst des Orchesters und lassen sich vom Dirigenten leiten. Diese Fähigkeiten sollten wir in die Wirtschaft übertragen", erläutert Galuska das Kongressthema.
Neben dem Oberbürgermeister von Bad Kissingen Kay Blankenburg sprach bei der Eröffnung Josef Riegler. Der ÖVP-Politiker, der von 1987 bis 1991 in Österreich Landwirtschaftsminister und Vizekanzler war, hat Mitte der Achtziger Jahre den Begriff der „Ökosozialen Marktwirtschaft“ geprägt. Ein Konzept, das den Umweltschutz als politische Kategorie in die Soziale Marktwirtschaft mit einbezieht und das Riegler heute in der „Global Marshall Plan Initiative“ weiterverfolgt. Riegler forderte in seiner Rede eine Balance zwischen den Faktoren Natur, Menschen, Wirschaft und Kultur, denn momentan sei die Ökonomie ausschließlich durch Egoismus gestaltet.
Zu den weiteren Hauptreferenten des Kongresses gehörten unter anderem der Leiter des Arbeitsbereiches Entrepreneurship an der Universität Berlin Günter Faltin, der von der Wirtschaft statt ständiger "Bilanzanalyse lieber die Entwicklung neuer und guter Ideen" forderte sowie der Gründer der umsatzstärksten PR-Agentur in Europa Paul Kohtes. Auch Teegut-Chef Wolfgang Gutberlet sprach davon, dass jeder Mensch ein Künstler, Forscher oder Unternehmer sei. Sie müssten ihre Ideen nur zulassen und erkennen.
Ideen erkennen in Workshops
An den Nachmittagen waren die Kongressteilnehmer dazu eingeladen, in verschiedenen Workshops nach eigenen Ideen zu suchen und Impulse für eine werteorientierte Wirtschaftsweise von den Referenten aufzunehmen. Die Harfinistin des WDR-Rundfunkorchesters Ulla van Daelen zeigte beispielsweise, wie man anhand von Musikinstrumenten Führung lernen kann. "Ein Begleitinstrument wie die Harfe aus ihrem orchestralen Kontext herauszuholen und damit in Führung zu gehen ist eine große Herausforderung. Dafür braucht man nicht nur eine starke Persönlichkeit, sondern muss auch das "Schlubladendenken" des Publikums auflösen. Hiervon können Manager noch einiges lernen", erklärte van Daelen.
Kunst am Kongress
Auch künstlerisch wurde das Kongressthema umgesetzt. 13 Studenten der Hochschule für Kunsttherapie Nürtingen hatten den Regentenbau in Bad Kissingen mit ihren Projekten bestückt. Vor dem Regentenbau stellten sie zum Beispiel die "Verschwenderische Fülle" aus: Honigtöpfe, Dollarscheine und Bierkrüge baumelten zwischen den Bäumen und symbolisierten die Konsumfülle. Sogar auf den Toiletten regte das "Stille Örtchen der Ideen" zum Nachdenken an, indem es fragte: "Heute schon ein gutes Geschäft gemacht?".
Topmanager zum Abschluss
Den Abschlussvortrag hielt am Sonntag der Topmanager Daniel Goeudevert. Der frühere Konzernvorstand von Citroen, Renault, Ford und VW sprach über das Verhältnis von Macht, Moral und Wirtschaft. Für ihn sei zentral, dass sich die Politk aus den Unternehmen heraushält. "Wenn ich zwei Berufsstände abschaffen könnte, dann wären dies die Lobbyisten in den Ministerien und die Analysten in den Beratungen", so Goeudevert. "Durch die vielen restriktiven Gesetze wird den Unternehmen das Leben unnötig schwer gemacht. Ideen zu verfolgen wird zunehmend schwerer."
Zufriedene Teilnehmer
"Der Kongress hat sehr viele Impulse für eine andere Art des Wirtschaftens gegeben. Ich kann nicht mehr stillsitzen, wir sollten hinausgehen und die Ideen verwirklichen", resümiert einer der Teilnehmer. "Wir haben uns sehr wohl und willkommen gefühlt. Die Stimmung auf dem Kongress und die beseelte Atmosphäre haben mich dabei besonders beeindruckt", so der Teilnehmer weiter.
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