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Büroschlaf – warum denn eigentlich nicht nicht ?

Das alles mach‘ ich im Schlaf

Würzburg, 22.12.09
Schlafen im Büro – wenn das jemand sieht? In deutschen Landen erweist sich die Umsetzung des mittäglichen Nickerchens im Büro noch etwas schwierig.
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Was in Japan unter dem Begriff „gezielte Regeneration“ bereits salonfähig geworden, ist dem deutschen Michel meist noch ein Fremdwort. Doch Schlafforscher wie der Regensburger Professor Jürgen Zulley halten dagegen: "Der Mittagsschlaf gehört zu unserem biologischen Rhythmus. Wir haben zwischen 13 und 14 Uhr ein Tief, eine labile Phase".

Warum dann eigentlich nicht die mittägliche Müdigkeit und Kantinenkoma mit wertvollem Minutenschlaf vertreiben - und nicht etwa mit Kaffee oder koffeinhaltigen Getränken. Laut einschlägiger Umfrage würde doch jeder dritte Deutsche gern am Arbeitsplatz ein Mittagschläfchen halten. Tatsächlich aber erlauben sich nur sechs Prozent eine dösige Auszeit. Denn ein Nickerchen oder auch Powernapping genannt macht wieder fit, sollte aber nicht länger als eine halbe Stunde dauern, weil dann die Tiefschlafphase beginnt und das Erwachen schwer fällt. Zulley: „Es ist auch gar nicht zwingend, dass man einschläft, um sich zu erholen. Dösen reicht". Denn dass steigert nach einem Mittagessen nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Leistungsbereitschaft und entgegnet somit auch jeglicher Form von Unkonzentriertheit und senkt letztendlich auch die Unfallgefahren im Unternehmen.

Abnehmende Motivation und Effizienz, Unfälle und krankheitsbedingte Produktionsausfälle seien laut einem Zeitungsinterview mit Ingo Fietze, Schlafforscher an der Berliner Universitätsklinik Charité, die Folgen der Übermüdung, die in deutschen Büros zunehmend grassiere. All dies belaste die Volkswirtschaft jährlich mit Kosten in Milliardenhöhe. Jürgen Zulley vom schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg pflichtet dem bei. Beim diesjährigen Schlafevent der Würzburger Internet-Community „fiftiesnet.de“ im Würzburger Luisengarten schaute der Schlaf-Spezialist deutschen Schlafmützen einmal genauer unter die Haube.

Deutsche verschlafen ein Drittel ihres Lebens

Und so ist es laut Zulley wissenschaftlich erwiesen, das der deutsche Michel etwas ein Drittel seines Lebens verschläft – statistisch gesehen sind das rund 25 Jahre. Der Durchschnittsdeutsche geht etwa um 23.04 Uhr ins Bett und steht um 6.18 Uhr wieder auf. Zum Einschlafen benötigt er in der Regel 15 Minuten.

Für Zulley ist das „Durchschlafen können“ nur eine relative Umschreibung. Denn nachts ist der Körper aktiver als man glaubt. So verbrauchen wir im Schlaf nahezu genauso viel Energie wie im Wachzustand. Knapp eine halbe Stunde nach dem Einschlafen gleitet man in die erste Tiefschlafphase. Danach beginnt ein Wechsel im 90-Minuten-Takt von Tiefschlaf und leicht unruhigen Schlafphasen, dem sogenannten REM-Schlaf. Dabei sind wir bis zu fünf Mal wach. Insgesamt sind das im Durchschnitt 28 Aufwachreaktionen in der Nacht. Doch daran erinnern sich die wenigsten. „Denn die Wachphasen dauern nicht länger als drei Minuten“, sagt Zulley. Von Phase zu Phase – unser nächtliches Mittel liegt etwa zwischen drei und vier Uhr morgens - wird dann der Schlaf weniger tief.

Übrigens, die Dauer des Schlafens sei nicht ausschlaggebend. Auf die Intensität komme es an. Dennoch bezeichnet Zulley er eine gesunde Schlafdauer mit sieben Stunden - „aber auch plus minus zwei Stunden fällt noch ins Normale.“ Im europäischen Vergleich seien die deutschen Michel dennoch Kurzschläfer – Engländer oder Finnen schlafen eindeutig länger.

Wichtig ist für Zulley allerdings: Ein „guter Schlaf“, egal wie lange er dauert, ist daran zu erkennen, ob man sich am nächsten Mittag, abgesehen vom mittäglichen Kantinen-Tief, fit und ausgeschlafen fühlt. Für Ultrakurz oder -langschläfer hat Zulley allerdings noch eine US-amerikanische Statistik auf Lager. Diese hat bestätigt, dass sowohl zu langes wie auch zu kurzes Schlafen Menschen nicht so alt werden lässt und das Risiko für Erkrankungen erhöht. Schlaferforscher wie auch Zulley schätzen, dass 42 Prozent der Deutschen einen gestörten Schlaf haben. Allerdings: Wer nachts ein paar Mal länger als drei Minuten wach liegt, tagsüber aber munter ist, hat kein Schlafproblem, so der Experte.

Zuwenig Schlaf macht krank, dumm, dick und hässlich

Beim Schlafen ist unser Körper aktiver als man glaubt – ja mehr noch sagt Zulley: „Zu wenig Schlaf macht krank, dumm, dick und hässlich“. Studien haben belegt, dass Schlafstörungen zu Übergewicht führen können. Der Grund ist das Hormon Leptin, das im Schlaf produziert wird und uns ein Sättigungsgefühl vermittelt. So hält man es nachts leicht acht Stunden aus, ohne vom Hunger überwältigt zu werden. „Und wer zu wenig Tiefschlaf bekommt, verringert seine Gedächtnisleistung und vergisst deutlich leichter. Deshalb macht weniger Schlaf weniger schlau“, sagt Zulley. Ebenso verhalte es sich mit dem Immunsystem, das beim Schlafen seine Reparaturwerkstätten öffnet. Beim Schlafen ausgeschüttete Hormone beeinflussen Fetthaushalt, Haare und Haut, sorgen für eine bessere Durchblutung und gleichen Zellschäden aus. Ganz nebenbei laufen Verdauung und Immunabwehr auf Hochtouren.

Text: Elmar Behringer


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