Landratsamt Haßberge

Adelinde Friedrich: Der Job hat unheimlich Spaß gemacht

Adelinde Friedrich: Der Job hat unheimlich Spaß gemacht

„Urgestein“ verlässt Landratsamt Haßberge: Abteilungsleiterin Adelinde Friedrich geht in den Ruhestand

Am Landratsamt Haßberge geht eine Ära zu Ende: Zum 1. Mai verabschiedet sich Oberregierungsrätin Adelinde Friedrich in den Ruhestand. Die Leiterin der Abteilung III „Bau und Umwelt“ kann dann auf fast ein halbes Jahrhundert im öffentlichen Dienst zurückblicken und kann viel erzählen. Fünf Chefs erlebte die 65-Jährige in dieser Zeit: Walter Keller, Rudolf Handwerker, Wilhelm Schneider sowie Georg Burkhard und Karl Beck in Schweinfurt.

Die gebürtige Zeilerin begann ihre berufliche Karriere 1970 im damaligen Landratsamt Haßfurt mit einem zweijährigen Praktikum, bevor sie die Ausbildung zur Regierungsinspektoranwärterin für den gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst absolvierte. Nach einem Zwischenspiel im Landratsamt Schweinfurt war sie seit 1979 wieder am Landratsamt Haßberge tätig. Im Bauamt konnte sie ihre Führungskompetenzen bereits als stellvertretende Sachgebietsleiterin unter Beweis stellen, bevor sie im Jahr 1988 die Leitung des Bauamtes übernahm.

Mut und das richtige Fingerspitzengefühl

Fast zur gleichen Zeit war Landrat Walter Keller auf der Suche nach einer geeigneten Mitarbeiterin, die die Funktion einer Frauenbeauftragten übernimmt. Seine Wahl fiel auf Adelinde Friedrich. „Mein Chef hat mir diese Aufgabe zugetraut. Er meinte, ich hätte den Mut und das richtige Fingerspitzengefühl dafür, mich für die Gleichberechtigung stark zu machen - ohne übertriebene Forderungen zu stellen“, erinnert sie sich. Und so wurde die Chefin der Bauverwaltung zusätzlich Frauenbeauftragte – eine Tätigkeit, die sich im „Nebenjob“ nicht ganz einfach herausstellte, weil gerade in der Anfangsphase viel Aufklärungsarbeit zu leisten war.

„Kommunalpolitik und Frauen“, das war ein Thema, das der Zeilerin sehr am Herzen lag. „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass mehr Frauen in der Kommunalpolitik mitmischen.“ Aus diesem Grund hielt sie Vorträge im ganzen Landkreis, die nicht nur gut ankamen, sondern auch den gewünschten Erfolg brachten: Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1990 konnte der Frauenanteil von 4 Prozent auf immerhin 20 Prozent gesteigert werden. In dieser Zeit wuchs auch ihr eigenes Interesse an der Politik – nunmehr redet sie seit 28 Jahren für die CSU am Zeiler Ratstisch mit. Diese Tätigkeit kommt ihr sehr zu Gute, weil sie die Themen oftmals von der anderen Seite kennt.

Auch im Bauamt durchbrach Adelinde Friedrich als erste weibliche Sachgebietsleiterin eine Männerdomäne, in der man als Frau eine extra Portion Durchsetzungsvermögen braucht. „Ich kann mich noch zu gut an meine erste Baueinstellung erinnern. Da rief mich völlig erbost der Bauherr an und wollte unbedingt den Herrn Friedrich sprechen“, schmunzelt die Oberregierungsrätin. „Nachdem ich aufgeklärt habe, dass ich sozusagen der Herr Friedrich bin,  war der Anrufer völlig verdutzt und fragte ungläubig: Machen das jetzt auch schon Frauen?“

Idealismus, Überzeugungskraft und neue Ideen

Eine weitere wichtige Station ihrer beruflichen Karriere war das Kreisjugendamt, das sie 18 Jahre lang - von 1996 bis 2014 leitete - und mit viel Idealismus, Überzeugungskraft und neuen Ideen zu einer modernen Dienstleistungsbehörde entwickelt hat. In der Zeit, als die Kosten für die Jugendhilfe aus dem Ruder gelaufen sind, hat Adelinde Friedrich erfolgreich Gegenstrategien entwickelt, indem sie Pflegefamilien angeworben und intensiv betreut hat. „Dies war auf alle Fälle für die Kinder eine sozial bessere Lösung und dadurch wurde auch die Kreiskasse entlastet.“

In ihre Amtszeit fällt der flächendeckende Aufbau der niederschwelligen Unterstützungs- und Beratungsangebote für Familien. Dadurch ist das Jugendamt in der Lage, möglichst frühzeitig Hilfe zu leisten und kann bei Problemen rechtzeitig gegensteuern. Unter ihrer Federführung wurde das Familienbüro eingerichtet, die koordinierende Kinderschutzstelle als nachhaltiges Kinderschutzsystem eingeführt, das Spektrum „Hilfe zur Erziehung“ durch die Einführung der ambulanten Hilfen nach dem SGB VII ausgebaut, das Bildungs- und Teilhabepaket umgesetzt, ein Netz von Jugendsozialarbeit an Schulen aufgebaut und der Rechtsanspruch an Krippenplätzen für unter Dreijährige über erfüllt.

Im Februar 2014 übernahm Adelinde Friedrich dann am Landratsamt Haßberge die Leitung der Abteilung Bau und Umwelt – ein Amt, das jede Menge spannende Themen hatte: angefangen vom Genehmigungsverfahren Bürger-Windpark Sailershausen über Betriebserweiterungen und -neuansiedlungen bis hin zum Wasserrecht, Naturschutz und Immissionsschutz. Ein herausragendes Thema war natürlich auch der viel diskutierte Nationalpark Steigerwald. „Da hatte ich an meinem Geburtstag einmal die Ehre zusammen mit Landrat Wilhelm Schneider bei unserem Ministerpräsidenten Horst Seehofer mit am Kabinettstisch zu sitzen“, erzählt die Abteilungsleiterin. „Statt einer Feier wurde diskutiert, aber das war es wert.“  Gerade beim Thema Nationalpark war ihr immer der offene Austausch von Befürwortern und Gegnern wichtig. „Da lernt man viel dabei.“

Doch es gab natürlich auch negative Erlebnisse. Die Vorfälle in der Seniorenresidenz Gleusdorf haben nicht nur die Heimaufsicht in besonderem Maße gefordert, sondern auch Adelinde Friedrich, die vertretungsweise die Leitung der Abteilung Soziales und Gesundheit übernommen hat. „Die im Raum stehenden Vorwürfe, sowie der Druck durch die Öffentlichkeit waren für alle Beteiligten sehr belastend“, so die Abteilungsleiterin. Gemeinsam getroffene und von allen Beteiligten -  vom Landrat bis zu den Mitarbeitern in der Heimaufsicht - vertretene Entscheidungen hätten hier für ein vertretbares Maß an Belastungen gesorgt.

Ihre Berufswahl hat Adelinde Friedrich nie bereut. Ihre 48-jährige Tätigkeit im öffentlichen Dienst war immer spannend, voller Herausforderung und Verantwortung, gerade auch weil die Arbeit in der Verwaltung in den vergangenen Jahren einen unglaublichen Wandel und Umbruch erlebt habe.  „Die Vielfalt des Jobs ist beeindruckend. Ich habe immer gern gearbeitet. Gefallen hat mir besonders, dass ich mit vielen Menschen zu tun habe. Das bringt einen auch persönlich weiter.“

Auch wenn sich die Zeilerin jetzt auf ihren Ruhestand freut, ein bisschen Wehmut ist auch dabei. „Die Arbeit mit meinem Super-Team hat bis zum Schluss Riesenspaß gemacht. Wir hatten immer ein gutes Arbeitsverhältnis.“

Angst vor dem berühmten Loch, das Pensionisten und Rentnern oftmals droht hat sie nicht. „Ich bin mir sicher, ich werde auch das meistern.“ Das Mehr an Zeit will Adelinde Friedrich für Familie, ihren Enkel, Haus, Garten und zum Verreisen nutzen. Und ein paar Jahre wird sie noch Kommunalpolitik machen und sich einmischen, zumindest bis zur nächsten Kommunalwahl 2020.

Bei der offiziellen Verabschiedung im Landratsamt bedankte sich Landrat Wilhelm Schneider bei Adelinde Friedrich für die treue, verantwortungsvolle und zuverlässige Arbeit. „Sie waren eine erfahrene Führungskraft und eine versierte Verwaltungsfachfrau, die in der Kreisverwaltung in den vergangenen Jahrzehnten eine tragende Säule war.“ Der Landrat lobte vor allem die hohe Fachkenntnis, die gepaart mit einer ausgesprochenen menschlichen Art, Abteilungsleiterin Adelinde Friedrich zu einer vielseitig geachteten und nachgefragten Persönlichkeit im Landkreis werden ließ.

Bildunterschrift:

Landrat Wilhelm Schneider (links) und Personalratsvorsitzender Edwin Oppelt (rechts) dankten Adelinde Friedrich für die verlässliche Zusammenarbeit und wünschten ihr für den neuen Lebensabschnitt alles Gute, vor allem Gesundheit, Muße sowie genügend Zeit für ihre Familie und Hobbys.

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Adelinde Friedrich: Der Job hat unheimlich Spaß gemacht

Adelinde Friedrich: Der Job hat unheimlich Spaß gemacht

„Urgestein“ verlässt Landratsamt Haßberge: Abteilungsleiterin Adelinde Friedrich geht in den Ruhestand

Am Landratsamt Haßberge geht eine Ära zu Ende: Zum 1. Mai verabschiedet sich Oberregierungsrätin Adelinde Friedrich in den Ruhestand. Die Leiterin der Abteilung III „Bau und Umwelt“ kann dann auf fast ein halbes Jahrhundert im öffentlichen Dienst zurückblicken und kann viel erzählen. Fünf Chefs erlebte die 65-Jährige in dieser Zeit: Walter Keller, Rudolf Handwerker, Wilhelm Schneider sowie Georg Burkhard und Karl Beck in Schweinfurt.

Die gebürtige Zeilerin begann ihre berufliche Karriere 1970 im damaligen Landratsamt Haßfurt mit einem zweijährigen Praktikum, bevor sie die Ausbildung zur Regierungsinspektoranwärterin für den gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst absolvierte. Nach einem Zwischenspiel im Landratsamt Schweinfurt war sie seit 1979 wieder am Landratsamt Haßberge tätig. Im Bauamt konnte sie ihre Führungskompetenzen bereits als stellvertretende Sachgebietsleiterin unter Beweis stellen, bevor sie im Jahr 1988 die Leitung des Bauamtes übernahm.

Mut und das richtige Fingerspitzengefühl

Fast zur gleichen Zeit war Landrat Walter Keller auf der Suche nach einer geeigneten Mitarbeiterin, die die Funktion einer Frauenbeauftragten übernimmt. Seine Wahl fiel auf Adelinde Friedrich. „Mein Chef hat mir diese Aufgabe zugetraut. Er meinte, ich hätte den Mut und das richtige Fingerspitzengefühl dafür, mich für die Gleichberechtigung stark zu machen - ohne übertriebene Forderungen zu stellen“, erinnert sie sich. Und so wurde die Chefin der Bauverwaltung zusätzlich Frauenbeauftragte – eine Tätigkeit, die sich im „Nebenjob“ nicht ganz einfach herausstellte, weil gerade in der Anfangsphase viel Aufklärungsarbeit zu leisten war.

„Kommunalpolitik und Frauen“, das war ein Thema, das der Zeilerin sehr am Herzen lag. „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass mehr Frauen in der Kommunalpolitik mitmischen.“ Aus diesem Grund hielt sie Vorträge im ganzen Landkreis, die nicht nur gut ankamen, sondern auch den gewünschten Erfolg brachten: Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1990 konnte der Frauenanteil von 4 Prozent auf immerhin 20 Prozent gesteigert werden. In dieser Zeit wuchs auch ihr eigenes Interesse an der Politik – nunmehr redet sie seit 28 Jahren für die CSU am Zeiler Ratstisch mit. Diese Tätigkeit kommt ihr sehr zu Gute, weil sie die Themen oftmals von der anderen Seite kennt.

Auch im Bauamt durchbrach Adelinde Friedrich als erste weibliche Sachgebietsleiterin eine Männerdomäne, in der man als Frau eine extra Portion Durchsetzungsvermögen braucht. „Ich kann mich noch zu gut an meine erste Baueinstellung erinnern. Da rief mich völlig erbost der Bauherr an und wollte unbedingt den Herrn Friedrich sprechen“, schmunzelt die Oberregierungsrätin. „Nachdem ich aufgeklärt habe, dass ich sozusagen der Herr Friedrich bin,  war der Anrufer völlig verdutzt und fragte ungläubig: Machen das jetzt auch schon Frauen?“

Idealismus, Überzeugungskraft und neue Ideen

Eine weitere wichtige Station ihrer beruflichen Karriere war das Kreisjugendamt, das sie 18 Jahre lang - von 1996 bis 2014 leitete - und mit viel Idealismus, Überzeugungskraft und neuen Ideen zu einer modernen Dienstleistungsbehörde entwickelt hat. In der Zeit, als die Kosten für die Jugendhilfe aus dem Ruder gelaufen sind, hat Adelinde Friedrich erfolgreich Gegenstrategien entwickelt, indem sie Pflegefamilien angeworben und intensiv betreut hat. „Dies war auf alle Fälle für die Kinder eine sozial bessere Lösung und dadurch wurde auch die Kreiskasse entlastet.“

In ihre Amtszeit fällt der flächendeckende Aufbau der niederschwelligen Unterstützungs- und Beratungsangebote für Familien. Dadurch ist das Jugendamt in der Lage, möglichst frühzeitig Hilfe zu leisten und kann bei Problemen rechtzeitig gegensteuern. Unter ihrer Federführung wurde das Familienbüro eingerichtet, die koordinierende Kinderschutzstelle als nachhaltiges Kinderschutzsystem eingeführt, das Spektrum „Hilfe zur Erziehung“ durch die Einführung der ambulanten Hilfen nach dem SGB VII ausgebaut, das Bildungs- und Teilhabepaket umgesetzt, ein Netz von Jugendsozialarbeit an Schulen aufgebaut und der Rechtsanspruch an Krippenplätzen für unter Dreijährige über erfüllt.

Im Februar 2014 übernahm Adelinde Friedrich dann am Landratsamt Haßberge die Leitung der Abteilung Bau und Umwelt – ein Amt, das jede Menge spannende Themen hatte: angefangen vom Genehmigungsverfahren Bürger-Windpark Sailershausen über Betriebserweiterungen und -neuansiedlungen bis hin zum Wasserrecht, Naturschutz und Immissionsschutz. Ein herausragendes Thema war natürlich auch der viel diskutierte Nationalpark Steigerwald. „Da hatte ich an meinem Geburtstag einmal die Ehre zusammen mit Landrat Wilhelm Schneider bei unserem Ministerpräsidenten Horst Seehofer mit am Kabinettstisch zu sitzen“, erzählt die Abteilungsleiterin. „Statt einer Feier wurde diskutiert, aber das war es wert.“  Gerade beim Thema Nationalpark war ihr immer der offene Austausch von Befürwortern und Gegnern wichtig. „Da lernt man viel dabei.“

Doch es gab natürlich auch negative Erlebnisse. Die Vorfälle in der Seniorenresidenz Gleusdorf haben nicht nur die Heimaufsicht in besonderem Maße gefordert, sondern auch Adelinde Friedrich, die vertretungsweise die Leitung der Abteilung Soziales und Gesundheit übernommen hat. „Die im Raum stehenden Vorwürfe, sowie der Druck durch die Öffentlichkeit waren für alle Beteiligten sehr belastend“, so die Abteilungsleiterin. Gemeinsam getroffene und von allen Beteiligten -  vom Landrat bis zu den Mitarbeitern in der Heimaufsicht - vertretene Entscheidungen hätten hier für ein vertretbares Maß an Belastungen gesorgt.

Ihre Berufswahl hat Adelinde Friedrich nie bereut. Ihre 48-jährige Tätigkeit im öffentlichen Dienst war immer spannend, voller Herausforderung und Verantwortung, gerade auch weil die Arbeit in der Verwaltung in den vergangenen Jahren einen unglaublichen Wandel und Umbruch erlebt habe.  „Die Vielfalt des Jobs ist beeindruckend. Ich habe immer gern gearbeitet. Gefallen hat mir besonders, dass ich mit vielen Menschen zu tun habe. Das bringt einen auch persönlich weiter.“

Auch wenn sich die Zeilerin jetzt auf ihren Ruhestand freut, ein bisschen Wehmut ist auch dabei. „Die Arbeit mit meinem Super-Team hat bis zum Schluss Riesenspaß gemacht. Wir hatten immer ein gutes Arbeitsverhältnis.“

Angst vor dem berühmten Loch, das Pensionisten und Rentnern oftmals droht hat sie nicht. „Ich bin mir sicher, ich werde auch das meistern.“ Das Mehr an Zeit will Adelinde Friedrich für Familie, ihren Enkel, Haus, Garten und zum Verreisen nutzen. Und ein paar Jahre wird sie noch Kommunalpolitik machen und sich einmischen, zumindest bis zur nächsten Kommunalwahl 2020.

Bei der offiziellen Verabschiedung im Landratsamt bedankte sich Landrat Wilhelm Schneider bei Adelinde Friedrich für die treue, verantwortungsvolle und zuverlässige Arbeit. „Sie waren eine erfahrene Führungskraft und eine versierte Verwaltungsfachfrau, die in der Kreisverwaltung in den vergangenen Jahrzehnten eine tragende Säule war.“ Der Landrat lobte vor allem die hohe Fachkenntnis, die gepaart mit einer ausgesprochenen menschlichen Art, Abteilungsleiterin Adelinde Friedrich zu einer vielseitig geachteten und nachgefragten Persönlichkeit im Landkreis werden ließ.

Bildunterschrift:

Landrat Wilhelm Schneider (links) und Personalratsvorsitzender Edwin Oppelt (rechts) dankten Adelinde Friedrich für die verlässliche Zusammenarbeit und wünschten ihr für den neuen Lebensabschnitt alles Gute, vor allem Gesundheit, Muße sowie genügend Zeit für ihre Familie und Hobbys.

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