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Diese Woche: Kapitalmärkte 2011 – Ein Blick in die „Glaskugel“

Michael Reuss, Huber Reuss & Kollegen

Kommt jetzt die große Deflation?

Expertentipps | 28.07.2010

Kommt jetzt die Deflation?
Kommt jetzt die Deflation?

Das erste Halbjahr 2010 ist vorüber. Die starken Schwankungen in dieser Zeit haben Investoren weltweit mächtig unter Stress gesetzt. Eine gute Gelegenheit, sich die Entwicklung der verschiedenen Anlageklassen genauer anzuschauen, um daraus Schlüsse zu ziehen – auch für das eigene Vermögen.

Fangen wir mit den Verlierern an: Der Euro Stoxx 50 als Maßstab der 50 Unternehmens-Schwergewichte im Euro-Raum notierte in der Spitze 15 Prozent unter Startniveau (aktuell -7 Prozent); die Rohstoffe waren ebenfalls so tief unter Wasser, wie der Rogers Commodity Tracker Index zeigt (derzeit -10 Prozent). Der größte Verlierer des ersten Halbjahrs ist jedoch der Euro: Er verlor gegenüber dem US-Dollar zeitweise ein gutes Fünftel an Wert – für eine Währung mit dieser Bedeutung eine extrem starke Schwankung (aktuell -15 Prozent).

Anleihen und Gold sind 2010 bislang Gewinner
Auf der Gewinnerseite stehen der Rentenindex Bund Future, der sich umgekehrt entwickelt wie die Zinsen für 10-jährige deutsche Staatsanleihen: Er stieg – angesichts der hohen Volumen für die Terminkontrakte am Rentenmarkt beachtlich – um fast 7 Prozent an und drückte die Zinsen für 10-jährige Bundesanleihen dadurch auf bis zu 2,5 Prozent. Mit ihm auf Gipfelsturm: Gold. Gemessen in Euro, legte das Edelmetall um bis zu einem Drittel an Wert zu (aktuell +26 Prozent).

Kommen Ihnen diese Tendenzen bekannt vor? Gold in Euro stieg schon einmal um über 40 Prozent an; der Bund Future schoss zur selben Zeit um 15 Prozent nach oben. Das war zwischen Herbst und Frühjahr 2008/09, in jener Phase also, als die Immobilienkrise in der Bankenkrise gipfelte und das Ende des Finanzsystems nahe schien. Damals brachen über Monate sämtliche Anlageklassen ein, die vom späteren sogenannten Quantitative Easing durch die Notenbanken profitierten sollten: Aktien, Rohstoffe und der Euro. Kommt es jetzt wieder so?

Sparzwänge lassen deflationäre Kräfte erstarken
Ehrlich gesagt: Wir wissen es nicht, denn auch wir können nicht in die Zukunft blicken. Doch die Performance der Anlageklassen im ersten Halbjahr 2010 deutet darauf hin, dass die deflationären Kräfte erstarken und die Inflationierung der Notenbanken und Politiker weniger gute Ergebnisse erzielt als bisher – zumal Zentralbanken wie auch erste Staaten monetär wie auch fiskalpolitisch die Zügel anziehen.

Hinzu kommen Gründe abseits der Entwicklung an den Finanzmärkten. So wollen viele Menschen in der EU und den USA wegen der unsicheren Zukunft sparen oder müssen sich entschulden, so gut sie können. Das wirkt deflationär. Deflationär wirken auch die Sparmaßnahmen der Staaten, zu denen die Krise der Staatsschulden einzelne Länder innerhalb der EU, aber auch manch hoch verschuldeten US-Bundesstaat zwingt.

Flexibilität bei der Geldanlage ist oberstes Gebot
Wird es damit zwangsläufig zu einer Deflation kommen? Nein. Denn falls die Staaten jede Haushaltsdisziplin ablegen und die Notenbanken erneut größere Geldmengen in die Märkte pumpen sollten, ist eine rasche Inflationierung wahrscheinlich. In diesem Fall werden die Anleihekurse abstürzen und Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Gold gefragt sein.

Als Fazit für das eigene Vermögen bleibt daher: Setzen Sie auf möglichst hohe Flexibilität, streuen Sie breit, gehen Sie keine zu langen Bindungen ein und kaufen Sie ausschließlich Qualitätstitel. Auf diese Weise halten Sie Ihr Vermögen offen für beide Szenarien, um sich dann zu gegebener Zeit eindeutig zu positionieren. Ein kompetenter und unabhängiger Vermögensverwalter kann dabei helfen.

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