101 Köpfe | 10.12.2010
Er ist Gründer des Bio-Lieferservices Grashüpfer. Der 45-jährige beliefert heute von Dienstag bis Freitag Kunden mit über 1000 ökologischen Produkten aus dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb und ergänzt sie mit Produkten aus anderen Bio-Betrieben.
Herr Schäbler, wie kamen Sie auf die Idee einen Lieferservice für Produkte aus Bio-Anbau zu gründen?
Schäbler: Als ich 1989 mit dem Bio-Landbau anfing waren Bio-Bauern noch echte Außenseiter. Damals habe ich aus Überzeugung und mit jugendlichem Elan den Entschluss gefasst unsere Landwirtschaft nach Bio-Richtlinien zu führen. Der Lieferservice entstand als logische Folge. Es geht natürlich auch darum eine gute Idee an die Frau bzw. an den Mann zu bringen.
Wie sind Sie eigentlich zur Landwirtschaft gekommen?
Schäbler: Als ich 1984 nach dem Tod meines Vaters den elterlichen Betrieb übernommen habe war ich 19 Jahre alt und sozusagen noch grün hinter den Ohren. Daher habe ich den Hof konventionell bestellt, also mit chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. 1989 habe ich die Meisterprüfung als Landwirt abgelegt. Im Zuge dessen habe ich auf Bio-Landbau nach Demeter-Richtlinien umgestellt. 2003 habe ich noch eine Gärtnerausbildung erfolgreich abgeschlossen.
Die Umweltorientierung wird oft aus Marketingzwecken wie eine Monstranz vorgehalten. Was versichert den Verbraucher, dass Sie tatsächlich und nachweislich nachhaltig arbeiten?
Schäbler: Alle Produkte, die wir unseren Kunden liefern, stammen aus zertifiziertem Bio-Anbau. Das bedeutet, dass alle Erzeuger und Vermarkter nach den Bestimmungen der Europäischen Gemeinschaft kontrolliert werden. Zusätzlich werden die Betriebe, abhängig von den verschiedenen Anbauverbänden auch noch von deren Organisationen kontrolliert. Wir versuchen unsere Touren so zu optimieren, dass pro Kunde möglichst wenig Fahrstrecke anfällt. Es kann deshalb vorkommen, dass wir manchen interessierten Kunden aus Gründen der Ökologie eine Belieferung durch uns verwehren müssen.
Sie haben neben Gemüse und Obst auch viele Artikel im Angebot, die Sie nicht selbst herstellen. So zum Beispiel Brotaufstriche, Käse oder Limonaden - wie geht das?
Schäbler: Es gibt viele verschiedene Hersteller von Bio-Produkten. Die meisten werden von Großhändlern, die ausschließlich mit Bio-Produkten handeln, mehrmals in der Woche zu Einzelhändlern wie uns geliefert. Durch die logistische Meisterleistung gelangen die Produkte mit einem möglichst geringen Energieaufwand zu uns, weil mit den Auslieferungen auch Waren von Erzeugern transportiert werden.
Wer sind heute Ihre Kunden?
Schäbler: Wir haben viele Firmenkunden, die Ihren Mitarbeitern etwas Gutes tun und frisches Obst als gesunden Snack anbieten. Darüber hinaus haben wir vom Student über die Großfamilie bis zur allein stehenden Seniorin wirklich einen repräsentativen Querschnitt der Gesellschaft als Stammkunden.
Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?
Schäbler: Meine Lebensgefährtin, Marion Reinhart und ich sind die tragenden Säulen im Betrieb. Wir haben noch neun Mitarbeiter, die im Büro, beim Packen oder beim Ausliefern der Waren eingesetzt sind.
Wie groß ist Ihr Liefergebiet und wie oft liefern Sie aus?
Schäbler: Wir haben Kunden von Miltenberg bis Bad Kissingen und von Schweinfurt über Würzburg bis Bad Mergentheim. Jeden Kunden können wir einmal pro Woche an einem bestimmten Wochentag beliefern. Es gibt aber auch Ortschaften, in denen sich die Touren kreuzen. Dort haben die Kunden die Möglichkeit zweimal in der Woche beliefert zu werden.
Stichwort Biolandbau: Können Sie Literatur oder Websites empfehlen, wo man sich zusätzlich informieren kann?
Schäbler: Gute Internetseiten sind oekolandbau.de, naturland.de, bioland.de oder www.demeter.de. Als Literatur würde ich „Naturschutz durch ökologischen Landbau“ von Weiger und Willer empfehlen und „Geheimnisse der fruchtbaren Böden“ von Hennig Erhard.
Gibt es ein Zitat, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Schäbler: „Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. Das ist von Leonardo da Vinci.
Wo würden Sie gerne leben?
Schäbler: In Franken gefällt es mir sehr gut. Vorstellen könnte ich mir auch, in Nähe der Alpen zu leben.
Und was macht ein Biolandwirt in seiner Freizeit?
Schäbler: Gerne Beschauliches. Lesen oder ganz einfach die Natur beim Wandern und Fahrradfahren bewundern und genießen.

Lernen Sie Persönlichkeiten aus Mainfranken kennen!
Aktuell: Susanna Khoury. Seit zehn Jahren gestaltet sie als eine der Chefredakteurinnen Monat für Monat das Kulturmagazin Leporello unter dem Dach des eigenen kunstvoll Verlages in Würzburg. Leporello ist heute das regionale Kulturmagazin, das mit Charme und jeder Menge Kultur-Know-how das Kulturgeschehen in einer bislang einzigartigen Mixtur bündelt.