Der Bestands-Optimierer

101 Köpfe: Christian Kämmerer

101 Köpfe | 25.12.2016

Christian Kämmerer
Christian Kämmerer

Christian Kämmerer aus Kürnach bei Würzburg schrieb 2016 seine Doktorarbeit zum Thema „Fehlmengenkosten in der Distributionslogistik“. Das Ziel des Unternehmensberaters und Gründers lautet, Lösungen für Firmen bei zu hohen Lagerbeständen aufzuzeigen. Das geht mit ausgefeilten Analysen, jeder Menge Algorithmen und einer großen Portion gesunden Menschenverstand. Was der 47-Jährige gerne in seiner Freizeit macht und was ihn auf die sprichwörtliche Palme bringt, schildert er im Interview.

Herr Kämmerer, Sie beraten Unternehmen hinsichtlich der Optimierung der Lagerhaltung. Können Sie uns Ihren Beruf genauer erklären?

Ich komme dann ins Spiel, wenn das Fertigwarenlager sprichwörtlich überläuft, die Halbfertigwaren und Komponenten in der Produktion nicht ausreichen. Wenn etwa Kunden unzufrieden sind, weil das gewünschte Teil nicht vorrätig war oder die Lieferzeit für einen Zusatzauftrag nicht eingehalten werden kann. Und zu guter Letzt der Controller dem Vertriebs- oder Produktionsleiter ständig auf den Füßen steht, weil ihm die Kosten aus dem Ruder laufen. Das heißt: Ich ermittle zunächst, wie hoch der optimale Bestand zwischen Bestandskosten einerseits und sogenannter Fehlmengenkosten andererseits sein darf. Dabei sorge ich für Transparenz und Versachlichung, denn oft geht es bei solchen Diskussionen emotional zu!

Sie haben ab Frühjahr 2017 offiziell den Doktortitel (Dr. rer. oec. Anmerkung: doctor rerum oeconomicarum = Doktor der Wirtschaftswissenschaften) inne. Was war der Impuls für Ihre Arbeit?

Das Marketing könnte man als meine „alte Heimat“ bezeichnen. Ich habe in meiner über 20-jährigen Berufserfahrung in der Industrie gerne über den Tellerrand geblickt und mich gefragt, was es in diesem Umfeld für spannende Entwicklungen und Themen gibt? Mein Promotionsthema ist eng mit Marketing und Vertrieb verknüpft und greift gleichzeitig eine Problemstellung aus der Praxis auf, die viele Unternehmen haben.

Wie sind Sie darauf gekommen, ein eigenes Institut für Bestandsoptimierung zu gründen?

Ich wollte mich selbstständig machen, um meine Erkenntnisse aus der Doktorarbeit zu nutzen und diese für alltägliche Bestandsprobleme anwendbar zu machen. Ich glaube, es gibt viele Unternehmen, die bei dem Versuch, ihre Bestandsprobleme in den Griff zu bekommen, nicht systematisch genug vorgehen. Ich bin überzeugt, dass ich dafür eine gute Lösung gefunden habe. Wenn man eine vielversprechende Idee hat, ist das doch ein guter Grund, ein eigenes Institut zu gründen.

Der Schritt in die Selbstständigkeit birgt immer auch Risiken. Worin sehen Sie eines?

…dass eine neue wissenschaftliche Erkenntnis auf einen doch recht traditionellen Bereich trifft! Viele glauben, dass da sowieso alles erforscht und bewiesen ist. Das ist eine Fehleinschätzung! Manche erkennen nicht, dass dahinter ein besonderer Nutzen liegt. Und wenn dieses Potenzial nicht erkannt wird, birgt dies natürlich Risiken für mich als Selbstständigen.

Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg? Und wie äußert sich dieser im Job?

Persönlicher Erfolg zeigt sich für mich immer, wenn man große Etappen hinter sich gebracht hat. Am Ende blickt man zurück und erkennt, dass sich die Mühen gelohnt haben. Das äußert sich auch im Beruf. Wenn ich mir etwas vorgenommen habe und das auch erfolgreich umgesetzt habe, kann ich mich abends auch mal zufrieden mit einem Gläschen (Frankenwein) oder Wein aus meiner alten Pfälzer Heimat hinsetzen.

Was macht Ihnen im Beruf am meisten Freude?

Das hängt auch mit Thema Problemlösung zusammen. Im Berufsalltag tun sich immer neue Hürden auf, die es gilt zu überspringen. Wenn man diese Herausforderungen meistert und dabei sogar noch einen Nutzen stiftet – das bereitet mir Freude.

Wie bringen Sie Beruf und Familie unter einen Hut?

Indem man beides immer an erste Stelle stellt und andere Dinge eher in den Hintergrund. So habe ich meine Zeit für Hobbys zum Beispiel zurückgefahren, da Familie und Beruf einfach eine höhere Priorität haben.

Wie und wo verbringen Sie Ihren Urlaub am liebsten?

Durch meine Vertriebstätigkeit habe ich schon einiges von der Welt gesehen. Auf einen Ort festlegen kann ich mich nicht. Es steht für mich aber außer Frage, dass Urlaubstage sein müssen. Wer sich keinen Urlaub gönnt, verliert irgendwann die innere Ruhe und Konzentration und das geht auf lange Sicht nicht gut.

Nun noch 6 Fragen mit der Bitte um eine kurze Antwort…

So finde ich in meiner Freizeit einen Ausgleich zum beruflichen Alltag…
Ich schnüre fast jeden Morgen meine Laufschuhe und laufe durch die Kürnacher Felder

Das sind meine Ziele und Wünsche für die Zukunft…
Dass meine Selbstständigkeit erfolgreich anläuft.

Das macht mich glücklich…
Wenn ich mit meiner Frau am Sonntagabend in Ruhe eine „Schnulze“ anschauen kann.

Das bringt mich auf die sprichwörtliche Palme…
Autokraten, die momentan fast überall auf der Welt nach der Macht greifen oder schon an der Macht sind.

Das bringt mich zum Lachen…
Wenn mir meine Töchter die neusten Geschichten und coolen Sprüche aus der Schule erzählen.

Meine Liebe zum Sport…
Ich bin großer Fan der Rimparer Wölfe. Früher war ich selbst jahrelang Spieler, dann kam leider mit 28 Jahren ein Kreuzbandriss. Auch wenn meine Zeit für Hobbys wie erwähnt oft etwas spärlich ausfällt, ist die Verbundenheit zum Handball geblieben.

Red/b4b;EB

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