Die Wirtschaftsethikerin

101 Köpfe: Hanne Demel

101 Köpfe | 06.04.2018

101 Köpfe: Hanne Demel
Foto: Hanne Demel

Hanne Demel ist Inhaberin und Geschäftsführerin des Instituts Hanne Demel, einer Einrichtung, die sich zum Ziel gesetzt hat, mehr Menschlichkeit und Mitgefühl in die Unternehmenswelt zu bringen. Im Interview mit B4B WIRTSCHAFTSLEBEN MAINFRANKEN erzählt die praktizierende Buddhistin unter Anderem, wie gut sich Wirtschaftslichkeit und ethisches Handeln kombinieren lassen.

Frau Demel, was genau ist die Aufgabe Ihres Instituts?

Es ist die Aufgabe des Instituts, Unternehmer dabei zu unterstützen, ethische und menschliche Blickwinkel in die strategische Entwicklung einzubeziehen. Wir untersuchen auch die Zusammenhänge zwischen Mitarbeiterzufriedenheit und Unternehmenserfolg. Und das ganz besonders auf der Basis der gesetzlich vorgeschriebenen psychischen Gefährdungsbeurteilung.

Vielen Unternehmern ist es leider immer noch nicht wirklich klar, wie wichtig die emotionale Ebene für den Unternehmenserfolg ist. Mitarbeiter, die aufgrund von nicht gelösten Konflikten oder von ungünstigem Führungsstil innerlich gekündigt haben und nur noch Dienst nach Vorschrift machen, schmälern den wirtschaftlichen Erfolg. Schon aus unternehmerischen Gründen sollte es deshalb im Fokus stehen, für Klarheit und für gute Kommunikation auf ethischer Basis zu sorgen.

Mitarbeiter zum Beispiel, die ihrem Potenzial entsprechend beschäftigt werden, empfinden weniger Stress und bringen erheblich mehr Leistung als unzufriedene Mitarbeiter, die über- oder auch unterfordert sind. Emotionale und kommunikative Konflikte schlucken enorme Arbeitskraft und somit Gewinnpotenzial. Durch Führungskräftecoaching, Training, Meditation und andere Methoden zur Weiterentwicklung kommen die Kommunikationsprozesse wieder in Gang und bringen rasch ein sichtbar besseres Ergebnis. Es passieren weniger Fehler, weil die Bereitschaft zur Zusammenarbeit wächst und der Krankenstand sinkt. Die Arbeit macht den Leuten wieder mehr Freude und die Fluktuation sinkt.

Ich habe mir immer Frieden im Land und in der Welt gewünscht und ich glaube, dass eine florierende Wirtschaft, die auf ethisches Handeln vertraut und zufriedene Mitarbeiter beschäftigt, dazu beitragen wird. Menschliche Qualitäten wie Dankbarkeit, Wertschätzung und vor allem Mitgefühl sollten keine Fremdwörter sein.

Wer nimmt Ihre Dienstleistungen in Anspruch?

Ich arbeite für mittelständische Unternehmer genauso wie für Einzelunternehmer. Sie wünschen sich Entwicklung auf einer stabilen ethischen Basis, haben das Wohl anderer Menschen im Blick, übernehmen Verantwortung für ihr Handeln und sind offen für Methoden, die große Zusammenhänge sehr rasch aufzeigen.

Mir ist es wichtig, eine große Wirkung zu erzeugen. Je mehr Menschen einen positiven Effekt aus meiner Arbeit ziehen, umso mehr begeistert mich das. Deshalb entstehen im Institut auch zunehmend Online-Formate zur persönlichen Weiterentwicklung und zum Abbau von Stress, damit die persönliche Zufriedenheit wachsen und Lebensfreude entstehen kann.

Außerdem habe ich den Ethik-Stammtisch ins Leben gerufen, der einmal im Monat sowohl live in Würzburg stattfindet als auch einmal im Monat online. Hier nehmen Unternehmer aus ganz Deutschland bzw. dem deutschsprachigen Raum teil und diskutieren gemeinsam über ethische Themen. Dieser Stammtisch ist online kostenfrei, in Würzburg wird lediglich ein kleiner Unkostenbeitrag fürs Catering erhoben. Wenn jemand da Interesse hat, kann er sich gern in meinen Newsletter eintragen. Da veröffentliche ich die nächsten Termine und Abendthemen. Außerdem gibt’s dazu spannende Impulse zur persönlichen und unternehmerischen Entwicklung. Unter der Rubrik „Kostbarkeiten“ auf meiner Webseite hanne-demel.de kann man sich registrieren.

Sie werben mit dem Slogan "erfolgreich wirtschaften - ethisch handeln". Was konkret verstehen Sie unter "ethisch handeln"?

Ich verstehe unter „ethisch handeln“, nicht nur auf den eigenen Vorteil zu schauen, sondern sich für alle anderen genauso einzusetzen wie für sich selbst. Es geht dabei ums Dienen, und zwar dem großen Ganzen. Weg vom Konkurrenzdenken hin zu Kooperation und gegenseitiger Unterstützung. Wer sich zum Beispiel selbst auch mal zurücknehmen kann, gewinnt an Ausstrahlung und Charisma. Menschen mögen das und „belohnen“ es wiederum mit Aufmerksamkeit.

Stellen Sie sich vor, ich habe eine Tafel Schokolade. Ich kann sie alleine essen und andere zugucken lassen. Das wäre Gier. Ich kann sie mir aber auch verkneifen und komplett herschenken. Das wäre Aufopferung. Oder ich kann sie teilen, selbst ein Stück essen und den Rest verteilen. Das wäre der Mittelweg, der in der buddhistischen Ethik bevorzugt wird. Dabei gibt es keine Unterscheidungen zwischen ich und du. Kein Anhaften an irgendetwas. Maximale Flexibilität und innere Ruhe. Das bringt Erfolg.

Ich glaube, dieses Teilen ist es, was wir alle lernen dürfen. Es soll jedem gut gehen, uns selbst eingeschlossen.

Dienen braucht auch Klarheit. Es bedeutet eben nicht, sich zu verlieren, sondern sich als Werkzeug einzusetzen. Klarheit ist, wenn man nicht von eigenen Befürchtungen und Konzepten eingefangen wird sondern sich der Konsequenzen des eigenen Handelns sehr weitreichend bewusst ist. Ethisches Handeln ist das Gegenteil von „nach mir die Sintflut“ und „Hauptsache ich habe meine Schäflein im Trockenen“… Ethisch handeln bedeutet Verantwortung übernehmen.

Man könnte den Zusammenhang in meinem Slogan auch wie folgt beschreiben: Je erfolgreicher jemand wirtschaftet, umso ethischer kann er handeln und je ethischer jemand handelt, umso erfolgreicher ist er in seinem Unternehmen. Ich muss immer selbst etwas haben, um anderen etwas geben zu können.

Wie definieren Sie Erfolg?

Erfolg heißt, ein gutes betriebswirtschaftliches Ergebnis zu haben. Es bedeutet aber auch, zufriedene Mitarbeiter zu beschäftigen. Gute Produkte in die Welt zu geben, die den Menschen und der Natur dienen, nicht nur dem Geldbeutel. Erfolgreich ist aus meiner Sicht derjenige, der zum Wohlstand, zur Zufriedenheit der Menschen und zum Frieden in der Welt etwas beitragen kann.

Klarheit ist der Schlüssel zum Erfolg. Es bedeutet, die eigenen Konzepte und Vorstellungen loszulassen und sich zu öffnen für andere Blickwinkel und neue Erkenntnisse. Es bedeutet auch, den eigenen Geist und die eigenen Emotionen lenken zu können und Verantwortung zu übernehmen. Und zwar weitreichender als gewohnt.

Woran haben Sie in Ihrem Beruf die größte Freude?

Ich habe Freude daran, in großen Bögen zu denken und große Zusammenhänge zu sehen. Dadurch entsteht Verständnis und Mitgefühl. Und wenn sich dann dadurch auch noch innerer Friede und Erleichterung ausbreitet und Probleme sich lösen lassen, dann bin ich richtig glücklich. Ich liebe es, zum Seelenfrieden beitragen zu können.

Was wäre eine berufliche Herausforderung für Sie?

Einen ganzen Konzern zu „entstressen“ und die Mitarbeiter zu entlasten, so dass sie wieder Freude an der Arbeit haben, indem ich die Konzernleitung davon überzeuge, nicht nur den eigenen Gewinn im Fokus zu haben, sondern die psychische Gesundheit der Mitarbeiter in den Vordergrund zu stellen. Schon dieser Satz allein ist eine Herausforderung… ;-)

Haben Sie ein berufliches / privates Lebensmotto, an dem Sie sich orientieren?

Na klar, mein Motto ist abhaften und klar werden. Ich möchte meinen Geist und meine Psyche immer besser lenken können. Und dabei möglichst hilfreich sein für viele Menschen. Ich will meine Zeit nicht verschwenden. Und ich will noch viel mehr Mitgefühl in mir entwickeln. Denn das schenkt wirklich echte innere Ruhe. Und ich will anderen zeigen, wie das geht.

Wie finden Sie zur Ruhe?

Naja, wie ich gerade sagte. Mitgefühl entwickeln schenkt innere Ruhe. Vor allem aber stabilisiert mich meine tägliche buddhistische Meditationspraxis. Sie besteht aus Bewegungs- und Sitzmeditation, Schreibpraxis, Mantra. Daraus ziehe ich viel innere Ruhe und Kraft und letztendlich Freude.

Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Oh, ich habe viele Lieblingsbücher. Meistens lese ich spannende Fachbücher. Zurzeit faszinieren mich Bücher, die die Zukunft in ihrer positiven Entwicklung beschreiben wie z. B. von Matthias Horx. Negative Schreibe gibt’s schon mehr als genug in der Welt. Horx aber beschreibt eine positive Zukunft und belegt diese Sichtweise mit Zahlen. Ich suche solche Blickwinkel auf die Welt, sie schenken mir Ruhe und Zuversicht.

Gibt es einen Ort, den Sie schon immer einmal besuchen wollten? Wenn ja, wo ist das?

Ich bin immer wieder auf Hawaii, das ist mein Lieblingsort. Dort auf Big Island ist mein „Heimatkloster“, der buddhistische Haupttempel der Yun Hwa Denomination of World Social Buddhism. Supreme Matriarch Ji Kwang Dae Poep Sa Nim lehrt dort den Sozialen Buddhismus, dem ich angehöre.

Gibt es eine prominente Person, die Sie immer einmal treffen wollten? Wenn ja, wen und warum?

Oh das ist eine schwierige Frage. Ich bin immer sehr neugierig und lerne gern Menschen kennen mit all ihren Strukturen und ihrem Hintergrund. Da mache ich gar keine große Unterscheidung. Spannend finde ich erfolgreiche Menschen, denn ich beobachte gern, wie sie „ticken“ und welche Züge in ihrem Geist sie so erfolgreich haben werden lassen. Was ich dabei immer wieder entdecke ist die Großzügigkeit, die sehr viele dauerhaft erfolgreiche Menschen in sich tragen.

Naja, ich hätte auch gern mal Buddha und Jesus persönlich getroffen, aber das geht sich zeitlich wohl leider nicht aus.

Was wünschen Sie sich für die berufliche und private Zukunft?

Ich wünsche mir, dass Frieden herrscht auf der Welt. Ich möchte, dass die Menschen inneren Frieden haben und zusammenarbeiten, über alle Grenzen hinweg. Wenn Menschen innere Ruhe und Gelassenheit finden, können sie sich auch friedlicher verhalten. Das Entwicklungspotenzial, das in dieser Hinsicht noch in mir und in meinem Institut steckt, will ich in diesem Leben, wenn möglich, verwirklichen. Dazu gehören noch einige Ideen, die Unternehmern helfen können, das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter sehr einfach im Blick zu behalten. Oder einige Bücher, die ich noch schreiben will. Und ich möchte, dass das Institut groß wird, sich weiterentwickelt und mehrere Standorte und viele Mitarbeiter bekommt.

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