Frauensache

Eva Maria Roer

101 Köpfe | 22.03.2010

Eva Maria Roer
Eva Maria Roer

Geschäftsführerin und Gründerin der DT&SHOP GmbH, einem international führenden Versandhandel für Dentallaborbedarf in Bad Bocklet und Gründerin der Initiative Total E-Quality Deutschland e. V.

Seit vielen Jahren setzt sich die mit zahlreichen bayerischen und deutschen Titeln, Verdienstmedaillen und Orden ausgezeichnete Unternehmerin des Jahres 1990 aus Bad Bocklet mit dem Verein „Total E-Quality Deutschland e. V.“ für eine Selbstverständlichkeit ein, die noch lange keine ist: die Gleichbehandlung der Geschlechter in deutschen Unternehmen. Eva Maria Roer, Geschäftsführerin und Gründerin der DT&SHOP GmbH, einem international führenden Versandhandel für Dentallaborbedarf, begegnet der Ungleichbehandlung von Frauen nicht nur mit Worten: „Man muss selbst was tun“, sagt sie und erinnert an die Gründungsjahre ihrer in Deutschland bislang einmaligen Initiative.

Bereits Ende 1996 gründete sich der Verein Total E-Quality Deutschland e.V. in Frankfurt mit der Zielsetzung, Chancengleichheit in der Gesellschaft nachhaltig zu etablieren und zu verankern. Das Ziel ist ferner erreicht, wenn Begabungen, Potenziale in Kompetenzen beider Geschlechter gleichermaßen(an-)erkannt, einbezogen und gefördert werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Frauen in Führungspositionen. Neben der Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht es um eine chancengerechte Personalbeschaffung und -entwicklung, um die Förderung partnerschaftlichen Verhaltens am Arbeitsplatz und die Berücksichtigung von Chancengleichheit in den Unternehmensgrundsätzen.

Der Verein Total E-Quality Deutschland e. V. hat nach Ihren Worten noch „viel zu tun“. Wo sehen Sie die Hauptbrennpunkte, oder die größten Stolpersteine im Ringen um Gleichheit der Geschlechter?

Am auffälligsten spürt man eine Endgeldungleichheit bei Frauen. Im Durchschnitt verdienen Frauen in Deutschland rund 23 Prozent weniger als Männer.

In allen Branchen?

Nein, natürlich nicht. Hinter dieser Zahl stehen mehrere Phänomene. Genau genommen sind es drei. Zum einen gibt es Berufe, in denen traditionell viele Frauen arbeiten - mit traditionell niedrigen Löhnen. Zum anderen gibt es eindeutige Diskriminierungen, wie zum Beispiel, dass Frauen an ein und demselben Förderband weniger verdienen als Männer. Und dann gibt es noch die Chancenungleichheit in der Karriereplanung, wo Frauen bedingt durch Kinderpausen letztendlich auf einem niedrigeren Niveau arbeiten als ihre männlichen Kollegen.

Meinen Sie damit auch die Spitzenpositionen?

Ja. Denn gerade dort wird es am deutlichsten. Nehmen Sie mal das Beispiel von zwei Akademikern, einen Mann und eine Frau. Beide das haben gleiche Studium abgeschlossen, beide sind gleich intelligent und beide starten mit gleichen Voraussetzungen in das Berufsleben. Durch eine Kinderpause oder Kinderpausen befinden sich Frauen nach zehn oder 20 Jahren in der Regel auf einem niedrigeren Karriere-Niveau, was Stellung und die Bezahlung betrifft, als Männer.

Also liegt es an der Vereinbarkeit von Karriere und Familie?

Laut einer Studie der Hamburger Professorin Sonja Bischof liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen, die keine Kinder haben, heute noch knapp unter 50 Prozent. Laut Bischof sind seit 20 Jahren Vorurteile und nicht die Vereinbarkeit von Karriere und Familie das häufigste genannte Karrierehindernis aus der Sicht aufstiegsorientierter Frauen. Ferner war laut der Studie der Anteil der Frauen, der in Teilzeit strebt, im Jahr 2003 mit 45 Prozent so hoch wie nie zuvor.

Wie sehen Sie die Problematik bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, die nur wenige Mitarbeiter beschäftigen?

Eine Kinderpause ist ein genau überschaubarer Zeitraum. Und selbst in kleinen Unternehmen sollte gelten: ‚Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg‘. Zum Beispiel durch zeitlich begrenzte, optimierte Aufgabenverteilung auf andere Mitarbeiter. Ein Weg, den ich selbst sehr erfolgreich im eigenen Unternehmen praktiziere.

Wo sehen Sie weitere Lösungsansätze für die Zukunft?

In einem generellen Umdenken und in der Förderung von Krippenplätzen und Ganztagsschulen.

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