Der Planer aus der Rhön

Ralf Gundelach

101 Köpfe | 30.10.2013

Ralf Gundelach / Foto privat Ralf Gundelach / Foto privat

Ralf Gundelach gründete 2001 sein Ingenieurbüro in Wildflecken. Mit zwei Mitarbeitern bewegt der 46-Jährige vieles – auf und neben dem Reißbrett. Der waschechte Rhöner und Naturfreund hat sich auf die Planung von energiesparenden Anlagen spezialisiert. Grenzen im Leben? Die ziehen sich viele Menschen oft selbst und unnötig, sagt Gundelach. Im Interview äußert er sich über „Hirnschmalz“, über Denkmuster im Alltag und was er tun würde, wenn er für einen Tag Umweltminister in Bayern wäre.

Herr Gundelach, was ist das Besondere an Ihrem Unternehmen?

Ich glaube, dass es in dieser Form in Deutschland kein zweites geben dürfte! Wir sind ein Planungsbüro, das aus zwei TU-Ingenieuren und nach Bedarf freien Mitarbeitern besteht. Unsere Mission ist die Vision: Festgelegte Betrachtungsgrenzen existieren für uns nicht, wichtig ist vor allem der Blick über den Tellerrand. Die technischen Anschlussbedingungen wurden schon festgelegt? – Wir fragen warum! Der Kunde hat das Grundstück schon gekauft? – Na und? Vielleicht ist ein anderes besser geeignet. Wir sprengen Grenzen, von denen andere nicht mal wissen, dass sie da sind.

Was hat Sie dazu bewegt ihr eigenes Unternehmen zu gründen?

Nach  zehn Jahren beim ersten Arbeitgeber stand ich vor der Wahl: Bleiben oder wechseln. Schließlich hat die Vision von einem selbständigen Unternehmen in der „Heimat“ gesiegt. Es war mir wichtig zu beweisen, dass man auch in der Rhön ein Ingenieurbüro für hochwertige Energietechnik aufbauen und betreiben kann. Das widerspricht dem Trend, wonach viele Fachkräfte vom Land weg in die Städte ziehen. Solchem Trend will ich mich nicht anschließen. Zur Entscheidung beigetragen hat auch der Umstand, dass sowohl meine Frau als auch ich aus der Rhön stammen und hier verwurzelt sind. Auch wollte ich meinen Kindern eine Jugend bei Ministranten, Feuerwehr, Musikgruppen und vielem mehr ermöglichen, wie wir sie damals erlebt haben.

Energietechnik ist ihr Spezialgebiet. Warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?

Für mich ist mein Job das beste Beispiel, dass man es im Leben oft eher mit dem Zufall als mit bewussten Entscheidungen zu tun hat. Als Kind hatte ich den Traum Erfinder zu werden. Darum habe ich Maschinenbau mit Schwerpunkt Theorie und Forschung an der TU München studiert. Meine erste Arbeitsstelle hatte ich dagegen in einem Planungsbüro für Energietechnik. Anfangs habe ich es bedauert, dass Planung ja nichts mit Forschung zu tun hat, sondern immer nur mit dem „Stand der Technik. Heute bearbeiten wir viele Projekte, die eine Schnittstelle zwischen Praxis und Theorie darstellen. Erfinder kommen zu uns mit den tollsten Ideen, und wir helfen, diese in die Praxis umzusetzen. Das Thema Energietechnik ist unglaublich vielseitig und wir sind mitten drin!

Sie betreuen Kommunen, Industrie und Privatleute. Welchen Rat geben Sie „Häuslebauern“ mit auf den Weg?

Sapere aude! Es heißt etwa: Habe den Mut, deinen eigenen Verstand zu benutzen (Anm.d.Red: Das Zitat stammt vom lateinischen Dichter Horaz). Man sollte also nicht alles glauben, was die Werbung verspricht. Mein Tipp: Erst eine eigene Meinung bilden, alle Informationsquellen nutzen. Es geht um die  teuerste Anschaffung unseres Lebens. Einsteigern in die „Verstandbenutzung“ empfehle ich das Buch „Schöner bauen, richtig heizen, besser Wohnen!“ von Alfred Eisenschink.

Was war bisher Ihr spannendstes Projekt?

Natürlich immer das zuletzt bearbeitete, denn wir geben immer alles und lernen bei jeden Projekt neu dazu. So machen wir jedes unserer aktuellen Projekte zum jeweils spannendsten!

Worüber ärgern Sie sich bei der täglichen Arbeit am meisten?

Über den Satz: „Hab ich doch gleich gesagt“. Seit 20 Jahren bemühe ich mich darum, dass ich diesen Satz nicht mehr zu einem Kunden sagen muss. Aber Kunden sind manchmal wie Kinder, sie glauben nicht, dass die Herdplatte heiß ist. Aber ich bin zuversichtlich, auch das irgendwann hinzubekommen.

Auf Ihrer Webseite schreiben Sie: Hirnschmalz ist die wichtigste Energieform. Wie erzeugen Sie Ihre Geistesblitze?

Leider weiß man nie, wann und wo einer einschlägt. Newton zum Beispiel fiel ein Apfel auf den Kopf und er hatte die Idee zur Schwerkraft. Archimedes entdeckte während des Planschens in der Badewanne den Auftrieb. Ich befasse mich mit einem Thema intensiv, dann wird es erst mal weggelegt. In einer anschließenden Phase der Entspannung kommt meistens eine Idee. Manchmal ist ein echter Geistesblitz dabei.

Wie würden sie die Hirnschmalzenergie in den Behörden Mainfrankens effektiver nutzen?

Dazu müsste ich schon Umweltminister von Bayern werden.

Angenommen Sie wären für einen Tag Umweltminister.  Was würden Sie als erstes ändern?

Ich würde die EnEV (Energie-Einspar-Verordnung) in Bayern abschaffen.

Wie viele Solarzellen und Energiesparlampen findet man bei Ihnen zu Hause?

Solarzellen? Null! Die sehe ich eher als Sparbüchse auf dem Dach. Energiesparlampen? Auch keine! Die Lichtqualität ist einfach furchtbar. LEDs habe ich inzwischen einige, so langsam stimmen Preis und Lichtqualität.

Wie tanken Sie am besten Energie?

Beim Musik spielen in kleiner Besetzung auf der Kirchweih. Ansonsten beim Wandern durch die Rhön mit meinem Hund.

Einer Ihrer Unternehmensgrundsätze lautet: Einfache Lösungen! Gibt es so einen Grundsatz auch für ihr Privatleben?

Ja, da gibt es zwei einfache Regeln: Billiges ist zu teuer und Schwartenmagen ist die dickste Wurscht.

Welche Projekte packen Sie in ihrer Freizeit an?

Die Blaskapelle, die ich dirigiere, vom Niveau der Unterstufe auf das der Mittelstufe zu bringen: Am 12. Juli 2014 errang der Musikzug Wildflecken beim Wertungsspiel in Wildflecken in der Mittelstufe einen "sehr guten Erfolg".

Wo findet man Sie an einem schönen Sonnentag?

Natürlich auf dem Kreuzberg!

Worüber können Sie herzhaft lachen?

Über dummes Gerede bei den Musikproben und dem Musikspielen, wie das nun mal so ist auf dem Land.

Welche Persönlichkeit aus Mainfranken würden Sie gern mal auf einen Schoppen einladen?

Erwin Pelzig!

Herr Gundelach, vielen Dank für das Gespräch.

Siehe auch B4B-Artikel "Moderne Energieerzeugung mit langfristiger Kostenersparnis"

www.ingenieurbuero-gundelach.de