Akademie 4.0

Mitarbeiter zu Botschaftern machen

Patrick Fischer (l.) und Andras Bachmann (r.) von der Akademie 4.0. Foto: simoarts.com

„Die Digitalisierung findet statt Und unternehmen müssen sich ihr stellen.“ wie, erklärt Berater, Trainer und Coach Andreas Bachmann im B4B-Interview.

Als „Fit- & Möglichmacher für Digitalisierung, digitale Führung und Kommunikation 4.0“ bezeichnet sich Andreas Bachmann, der nach drei Jahrzehnten im Marketing- und Vertriebsumfeld heute mit seiner Akademie 4.0 als Berater, Trainer und Coach Unternehmen und Mitarbeiter auf ihrem Weg in die Digitalisierung begleitet. Im Interview erläutert er die Bedeutung der Digitalisierung für die Arbeit mit den Menschen im Unternehmen.

Digitalisierung und Personalentwicklung: Kontrahenten oder natürliche Verbündete?

Andreas Bachmann: Hier handelt es sich eindeutig um Verbündete. Die Digitalisierung fordert von Mitarbeitern und Führungskräften eine veränderte Grundhaltung und neue Kompetenzen, die im Unternehmen vermittelt werden müssen. Dies kann auch im Zeitalter der Digitalisierung flächendeckend nur über die Personalentwicklung geschehen. Auch werden „analoge“ Mitarbeiter nicht durch einige Trainingstage zu digitalbereiten Mitarbeitern. Die hybride Zeit der Umstellung muss ­begleitet, koordiniert und immer wieder individuell optimiert werden.

Welchen veränderten Herausforderungen sehen sich Führungskräfte im Zuge der Digitalisierung besonders ausgesetzt, wenn es darum geht, ihre Teams auf die neuen Verhältnisse einzustellen?

Bachmann: Die Führungskraft selbst muss lernen loszulassen, Kompetenzen an Mitarbeiter abzugeben und Fachexperten im Team verstärkt zu nutzen. Als wären diese Herausforderungen noch nicht genug, gilt es Hierarchien und konservative Denkweise durch individuelle Projektteams und agile Innovationsentwicklung aufzulösen. Die Mitarbeiter müssen bei der Annahme neuer Kompetenzen begleitet und mit entsprechenden Arbeitsmethoden und Abläufen unterstützt werden. Auch die Akzeptanz von Fehlern als schnelle Entwicklungsmöglichkeit gehört hierzu.

Wo lässt sich der Hebel für Veränderung am ­besten ansetzen?

Bachmann: Die Zauberworte heißen „Hybrid“ und „vom Kleinen ins Große“. Es macht keinen Sinn nach Lösungen zu suchen, um ganze Unternehmen komplett in einem Anlauf von analog auf digital umzustellen, es braucht hybride Lösungen. Das Hybrid-Fahrzeug mit Verbrennungs- und Elektromotor ist ein plakatives Beispiel, wie so ein Übergang aussehen kann. Auch ist es ratsam, mit einzelnen Teams zu beginnen, an deren Grundhaltung und Methodenkenntnis zu arbeiten und auf den neuen Wegen in einzelnen Projekten und Prozessen erste Erfolge zu feiern. Diese Mitarbeiter dann zu Botschaftern zu machen, erzeugt die höchste Akzeptanz im Unternehmen, da sie beispielhaft aufzeigen können, dass und wie die Veränderung funktioniert.

Ist das Zusammenleben und Zusammenwirken von Digital Natives und Digital Immigrants auch eine Form von „Integration“?

Bachmann: Man könnte es so nennen, wobei wir solche Integrationsphasen schon häufiger hatten und es bisher immer gelungen ist. Egal ob es um die Entwicklung der Computer, den elektrischen Strom oder die Dampfmaschine ging, wir Menschen haben nach und nach alle diese Entwicklungssprünge akzeptiert und für uns adaptiert. Wenn man es also genau nimmt, geschieht hier nichts Neues oder Besonderes. Wie bei den anderen Phasen geht es aber sicher über die verschiedenen Generationen hinweg unterschiedlich schnell und mit einer unterschiedlichen Tiefe der Akzeptanz.

Folgefrage: Ist es dann so, wie bei der Integration auch, dass Strukturen und Prozesse ganz neu ­gedacht und aufgestellt werden müssen, um ­Digitalisierung wirksam in die Workforce einzubinden?

Bachmann: Hierzu gibt es ein schönes und deftiges Zitat des ehemaligen CEO der Telefónica­ Deutschland AG, Thorsten Dirks: „Wenn Sie einen Scheißprozess ­digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess.“ Dem kann ich mich nur anschließen, da es durch die neuen Möglichkeiten im Umfeld der Digitalisierung nicht damit getan ist, nur Prozesse und Strukturen zu übernehmen. Es gilt, die sich dabei ergebenen Chancen zu nutzen, Althergebrachtes zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. Also nicht einfach alles zu tun, was geht, sondern zu nutzen, was sinnvoll ist.

Was müssen Unternehmen tun, damit das auch geschieht?

Bachmann: Der wichtigste Schritt ist zu erkennen, dass sie sich nicht für oder gegen Digitalisierung entscheiden müssen. Die Digitalisierung findet statt und Unternehmen wie auch Individuen müssen sich ihr stellen, ihre Chancen erkennen und nutzen. Dabei gilt es aber nicht alles Mögliche zu tun, sondern zielgerichtet auszuwählen, welche Möglichkeiten das eigene Unternehmen voranbringen. Genauso wichtig ist es, die Mitarbeiter zu begleiten und zu entwickeln, denn Veränderung wird eben ausschließlich von Menschen gemacht. Zumindest noch heute!

Das Interview führte Ulrich Pfaffenberger.

IM PROFIL
Gemeinsam mit seinem Partner Patrick Fischer gründete Andreas Bachmann die Akademie 4.0 mit dem Ziel, Menschen und somit deren Unternehmen für das Zeitalter der Digitalisierung zu befähigen. Der Fokus liegt bei all der Technologie insbesondere auf den Mitarbeitern in ihrem neuen Arbeitsumfeld. So werden beispielsweise durch individuelle Trainings und Beratungen in Unternehmen oder durch Zertifikatslehrgänge wie die „Manager Digitalisierung (IHK)“ bei der IHK Würzburg-Schweinfurt Kompetenzen und Methoden vermittelt, um die Chancen der Digitalisierung individuell zu erkennen und zu nutzen.
Artikel teilen
nach oben