Gesundheit 2017
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Pflegereform

Die Pflegereform 2017

Gesundheit | 03.11.2016

Die Pflege eines Angehörigen ist eine große Herausforderung. Foto: AOK
Die Pflege eines Angehörigen ist eine große Herausforderung. Foto: AOK

Am 1. Januar 2017 tritt eine Pflegerefrom in Kraft. Auch wenn sich mit dem Thema Pflege niemand gerne auseinandersetzt, sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer dennoch nicht die Aufgen davor verschließen.

von Elisabeth Steiger

Nachdem das Thema Pflege jahrelang eher stiefmütterlich behandelt wurde, rückt es mittlerweile immer mehr in den Focus. Die steigende Lebenserwartung macht es für den Einzelnen fast unerlässlich, sich im Laufe seines Lebens irgendwann einmal damit zu befassen. Auch die Pflegegesetze passen sich den neuen Maßstäben an. Aus diesem Grund tritt zum 01. Januar 2017 eine Pflegereform in Kraft, die den Begriff der Pflegebedürftigkeit neu definiert: Das bisherige System der Pflegestufen wird abgelöst und der Pflegebedarf künftig nach fünf Pflegegraden bewertet.

Bisher gibt es drei verschiedene Pflegestufen, die den Grad der gesundheitlichen Einschränkung bei einem Menschen beurteilen. Dabei zählt pauschal der tägliche Hilfebedarf bei der Grundpflege und im Haushalt, individuelle Einschränkungen finden allerdings keine Beachtung.

Die vom Bundesgesundheitsministerium sogenannte eingeschränkte Alltagskompetenz soll zukünftig nun aber auch einen Teil der Begutachtung ausmachen, sodass der Grad der Pflegebedürftigkeit gleichermaßen nach körperlichen, geistigen und psychischen Aspekten bemessen wird. „Damit soll insbesondere pflegebedürftigen Demenzkranken geholfen werden“, erklärt Horst Keller, Direktor der AOK-Direktion Würzburg. Laut der Krankenkasse DAK Gesundheit sind für die Beurteilung des Pflegezustands sechs Bereiche relevant, die die Einordnung in einen Pflegegrad erleichtern:

• 1. Mobilität
• 2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
• 3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
• 4. Selbstversorgung
• 5. Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
• 6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Wie die AOK betont, besteht der Vorteil des neuen Systems darin, dass der individuelle Hilfebedarf eines Menschen besser eruiert werden kann, als bisher. Menschen mit Demenz können beispielsweise in der Regel eine höhere Einstufung und damit bessere Leistungsansprüche erhalten, als zuvor. Außerdem soll das neue Gesetz dem Grundsatz „Rehabilitation vor Pflege“ gerecht werden: Ältere Menschen sollen so lange und weitgehend wie möglich ihre Selbstständigkeit behalten. Daher ist es wichtig, Hilfe individuell und auf den Einzelnen abgestimmt zur Verfügung zu stellen. 

Diese Hilfe kann entweder durch spezielle Pflegedienste oder durch Angehörige erfolgen. Potenzielle Pflegepersonen stehen dabei vor wichtigen Überlegungen: Bin ich physisch und psychisch in der Lage, einen Menschen zu pflegen? Kann ich die Pflege mit der eigenen Lebenssituation vereinbaren? Und im Falle einer Berufstätigkeit: Lässt sich mein Beruf neben der Pflege überhaupt noch ausüben?

An dieser Stelle tritt ein weiterer positiver Aspekt der neuen Regelungen zutage: Die soziale Absicherung von pflegenden Angehörigen. Die Pflegekasse zahlt Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, wenn wegen der Pflege die Beschäftigung unterbrochen oder ganz aufgegeben werden muss. Für Arbeitnehmer, die die Pflege neben ihrer Arbeit leisten, übernimmt sie Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die Voraussetzung dafür ist ein wöchentlicher Pflegeaufwand von mindestens zehn Stunden, verteilt auf zwei Tage in der Woche. 

Wie Unternehmer pflegende Mitarbeiter unterstützen können

Berufstätige Pflegepersonen sind neben einer finanziellen Unterstützung meistens aber auch auf Unterstützung durch das Umfeld und vor allem den Arbeitgeber angewiesen, denn die Pflegetätigkeit erfordert nicht nur einen enormen Zeitaufwand, sondern auch große psychische und physische Ressourcen. Viele Arbeitgeber bieten pflegenden Mitarbeitern daher zusätzlich zu den gesetzlichen Vorgaben eigene Konditionen an, die sie in ihrer Pflegetätigkeit entlasten. So nutzen laut dem Creditreform-Magazin immer mehr Unternehmen die Möglichkeit, Kernarbeitszeiten abzuschaffen und kurzfristige Urlaubszeiten, auch über das übliche Maß hinaus, zu gewähren. Weitere Maßnahmen sind beispielsweise die Minderung der Arbeitszeit ohne Gehaltseinbu- ßen oder die Einrichtung eines Heimarbeitsplatzes. Außerdem bieten mittlerweile viele Firmen den Kontakt zu einem externen Familienservice an, der die Betroffenen durch maßgeschneiderte Angebote in ihrer Notsituation unterstützt. 

Um diese Maßnahmen weiter ausbauen zu können, ist es wichtig, das Thema Pflege in der Kommunikation eines Unternehmens fest zu verankern. Die Möglichkeiten hierfür sind vielfältig: Schulungen, Fortbildungen und regelmäßige Gespräche mit den Betroffenen selbst bieten die beste Basis für eine gute Zusammenarbeit, auch in Ausnahmesituationen. 

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