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Betriebliches Gesundheitsmanagement

Gesundheit im Betrieb richtig fördern

Gesundheit | 12.10.2016

Gesundheit im Betrieb richtig fördern. Foto: iStock/Sebastian Gauert
Gesundheit im Betrieb richtig fördern. Foto: iStock/Sebastian Gauert

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist in aller Munde. Richtig umgesetzt, kann es den Mitarbeitern und dem Unternehmen tatsächlich einen Mehrwert bieten. Doch bei falschen Anreizen können die Bemühungen des Chefs auch im Sand verlaufen.

von Christian Weyer*

Veggie-Day, bewegte Pause oder Rückenschule: Es gibt viele Ansätze, mit denen heutzutage Unternehmen die Gesundheit und Leistungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter zu fördern versuchen. Damit verbunden sind oft hochgesteckte Erwartungen: Senkung des Krankenstandes, höhere Motivation und Produktivität von Mitarbeitern sowie positive Imagewirkung auf das Unternehmen stehen hier an erster Stelle. 

Seit fünf Jahren werben immer mehr Dienstleister mit Angeboten zur Gesundheitsförderung. Studien prognostizieren eine hohe Rentabilität entsprechender Maßnahmen, welche mitunter auch steuerlich geltend gemacht werden können. Tatsächlich bietet das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) zahlreiche Chancen, birgt aber auch Risiken: Die Erfahrung des Scheiterns ist bei Personal- und Gesundheitsverantwortlichen mittlerweile durchaus verbreitet.

Zeit und Interesse der Beschäftigten an gesundheitsfördernden Angeboten werden oft falsch eingeschätzt. Wer auf einen gesunden Lebensstil Wert legt, kann und wird sich bereits entsprechend verhalten – unabhängig von Maßnahmen seines Arbeitgebers. Sportmuffel und Workaholics hingegen werden Gesundheitsangebote nicht wahrnehmen, nur weil ihr Betrieb die Kosten dafür trägt.

Die Sicherung von Arbeitskräften angesichts demographischer Entwicklung und des beginnenden „Kriegs um Talente“ erfordert daher intelligentere Lösungen. Höhere Kosten sind damit nicht immer verbunden – im Gegenteil: Gesundheitsfördernde Maßnahmen können gleichzeitig auch gesetzliche Anforderungen im Arbeitsschutz erfüllen und Mitarbeitern wie Unternehmern einen echten Mehrwert bieten durch vereinfachten Zugang zu medizinischen Leistungen.

Die Kunst der klaren Ziele

Wer über Gesundheit sprechen will, muss Krankheiten kennen und verstehen. Schlagwörter wie wachsendes Burnout-Risiko, Bewegungsmangel und gesunde Ernährung bestimmen die öffentliche Diskussion, eignen sich aber nicht als Grundlage für zeit- und kosteneffektive Vorsorgemaßnahmen.

Zielführender sind auf Anfrage bereitgestellte, anonymisierte Berichte der Krankenkassen: Die Hauptursachen für Ausfalltage und den betrieblichen Krankenstand sind so schnell ermittelt. Am Beispiel der psychischen Erkrankungen lässt sich etwa in vielen Unternehmen ein deutlicher Anstieg während der letzten Jahre beobachten. Mit durchschnittlich 15% stehen diese vorrangig als Erschöpfungszustände und leichte Depressionen diagnostizierten Erkrankungen aber nur an dritter oder vierter Stelle. Als eine Erscheinungsform stellt der sogenannte Burnout ein mit ein bis zwei Prozent Anteil am Krankenstand marginales Phänomen dar. 

Gravierender und auch leichter durch Gesundheitsförderung zu beeinflussen sind Erkrankungen der Atemwege sowie des Muskel-Skelett-Systems. Letztere nehmen im Zuge der demographischen Entwicklung auch verschleißbedingt kontinuierlich zu: Nicht ohne Grund führen Rücken- und Gelenkschmerzen seit Jahren die Statistik an. Da sie zugleich hauptverantwortlich sind für Berufsunfähigkeit und vorzeitigen Renteneintritt, gilt Ihnen in Zeiten des wachsenden Arbeitskräftemangels besondere Aufmerksamkeit.

Risiken bei den Mitarbeitern Messen und bewerten

Gesundheitstage können ein erster Schritt sein, das Gesundheitsinteresse und den Präventionsbedarf von Mitarbeitern besser einzuschätzen. Die angebotenen Untersuchungen sollten dann jedoch auch attraktiv sein und einen echten Mehrwert bieten: Blutzucker- und BMI-Messungen werden meist von mahnenden Worten begleitet, das eigene Ernährungs- und Bewegungsverhalten zu ändern. Für die Betroffenen sind dies in der Regel jedoch keine neuen Erkenntnisse, der „innere Schweinehund“ wird weiterhin Widerstand leisten und der Gang zum Arzt genauso häufig oder selten erfolgen wie zuvor. Soll die Wahrnehmung eines solchen Angebots zudem noch außerhalb der Arbeitszeit erfolgen, wird die Zahl der Teilnehmer überschaubar bleiben.

Deutlich größere Resonanz finden Aktionen, die häufig bestehende Versorgungsdefizite aufgreifen: Lange Wartezeiten beim Augenarzt oder Orthopäden sind nicht ungewöhnlich. Innerbetriebliche Screening-Angebote decken hier einen persönlichen Bedarf und können entscheidend dazu beitragen, dass Symptome frühzeitig erkannt, erfolgreich behandelt und drohende Folgerisiken verringert werden.

Unerlässlich ist die Durchführung der Messungen durch nachweislich medizinisch qualifiziertes Personal: Dies können neben Ärzten auch Therapeuten oder Fachkräfte aus der Gesundheitsbranche sein. Beim Einsatz von studentischen Hilfskräften oder Promotern sind dagegen keine weiterführenden Beratungsleistungen zu erwarten, und eine steuerliche Geltendmachung der Maßnahme ist nicht mehr zulässig. Nur aus objektiven und ordentlich dokumentierten Messdaten lassen sich schließlich weitere Schritte ableiten. Zum Beispiel sind Muskel-SkelettErkrankungen individuell meist unterschiedlich ausgeprägt: Während die Sekretärin über einen Tennis- bzw. Mausarm oder Sehnenscheidenentzündung klagt, macht dem Kollegen im Versand vor allem das Knie zu schaffen. Viele gesundheitliche Beschwerden äußern sich zudem in einer Form, die nicht immer direkte Rückschlüsse auf die eigentliche Ursache ermöglicht. „Rücken“ haben fast alle, die möglichen Gründe dafür reichen aber von Fuß- fehlstellungen über Verspannungen bis hin zu psychischen Wechselwirkungen.

* Christian Weyer ist Bereichsleiter Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der Bauerfeind AG

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