Gesundheit 2017
Die Gesundheit liegt in der Region Mainfranken vielen engagierten Unternehmen, Kliniken und Therapieeinrichtungen am Herzen.

Gefährdungsbeurteilung

Psyche gut - alles gut

Gesundheit | 03.11.2016

Psyche gut - alles gut. Foto: Bild: iStock/demaerre
Psyche gut - alles gut. Foto: Bild: iStock/demaerre

Wie Unternehmer die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung am Arbeitsplatz als Instrument des Innovationsmanagements nutzen können.

von Martin Simmel & Prof. Dr. Erich Wühr*

Die ruhigen alten Zeiten sind vorbei, da sind sich eigentlich alle einig. Globalisierung, Fachkräftemangel, die neuen Medien und viele andere Einflüsse zwingen Mittelständler, ihre Unternehmensstrukturen flexibel und dynamisch anzupassen. Nur so können sie den Erfordernissen einer zunehmend unberechenbar werdenden Wirtschaft gerecht werden. Seit Jahrzehnten, nicht selten über mehrere Eigentümergenerationen hinweg langsam, stetig und stabil gewachsene Firmen sind heutzutage einem massiven und andauernden Veränderungsdruck ausgesetzt. Unter diesem Druck droht das verloren zu gehen, was den deutschen Mittelstand bislang so erfolgreich macht: Die Leidenschaft für umsetzbare Lösungen unter Beachtung technischer Präzision und Wahrung höchster Qualitätsansprüche. 

Dieser Erfindergeist, häufig verbunden mit einer guten Portion Pragmatismus und Menschenkenntnis durch die Gründerpersönlichkeit verkörpert, erhielt in früheren Zeiten quasi nebenbei genügend Zeit und Raum, sich im Unternehmen zu entfalten. Heutzutage verengen die durch die erhöhte Schlagzahl notwendigen professionalisierten Strukturen mit klar definierten Zuständigkeiten, standardisierten Abläufen, erhöhtem Dokumentationsaufwand 

usw. die Freiräume für Kreativität, Austausch und Tüftelei immer mehr. Dieser Missstand und die dahinterstehende, geradezu existenzielle Bedrohung wurden mittlerweile aber vielfach erkannt und entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen. Paradoxer-, oder womöglich gar, konsequenterweise wieder durch die Schaffung und Anpassung von Strukturen: Dort wo früher der Erfindergeist frei und ungesteuert waberte, wird heute systematisches Innovationsmanagement betrieben.

Beschäftigte leiden unter Termin- und Leistungsdruck

Doch der Erfindergeist ist nicht der einzige, der unter der wachsenden Dynamik leidet. Auch die Beschäftigten selbst werden durch steigenden Terminund Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit, Informationsüberschuss et cetera zunehmenden überfordert. Das zeigt sich unter anderem in gestiegenen Burnout-Zahlen und erhöhten Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen. An dieser Stelle hat der Gesetzgeber neue Strukturen geschaffen, indem er 2013 psychische Belastung bei der Arbeit ausdrücklich in das Arbeitsschutzgesetz aufgenommen hat. In der Folge sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, eine regelmäßige Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungsfaktoren vorzunehmen und entsprechende Maßnahmen des Arbeitsschutzes daraus abzuleiten. Bewährte Methoden der Gefährdungsbeurteilung greifen hier nicht mehr. 

Physische Gefahrenquellen wie das Bedienen von Maschinen, der Umgang mit gefährlichen Substanzen, belastende Körperhaltung oder schweres Heben und Tragen können durch Arbeitssicherheitsbeauftragte anhand objektiver Checklisten zuverlässig erfasst und beurteilt werden. Psychisch reagieren Beschäftigte jedoch sehr unterschiedlich auf ähnliche Belastungssituationen: wo die eine Mitarbeiterin zur Hochform aufläuft, ist die andere bereits maximal gestresst. Zudem mildern persönliche und soziale Ressourcen wie Gelassenheit oder ein gut funktionierendes Team die subjektiven Reaktionen auf psychische Belastung ab. Darüber hinaus können Belastungsreaktionen am Arbeitsplatz (der berüchtigte „Stress“) auch durch Faktoren au- ßerhalb der Arbeit herbeigeführt werden, etwa durch die Pflege eines Familienangehörigen oder Beziehungsprobleme. Letztlich führt für eine ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungsfaktoren inklusive subjektiver Aspekte kein Weg an der Einbindung und Befragung der Belegschaft vorbei. Auch wenn dies zunächst auf viele Unternehmen wie eine weitere Beeinträchtigung durch lästige gesetzliche Auflagen wirkt, eröffnen sich daraus doch Chancen der Organisationsentwicklung, die schließlich auch der Innovationsfähigkeit zugutekommen.

Praktische Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung

Die Professor Wühr und Simmel Gesundheits MANAGEMENT Systeme GbR, kurz GMS Institut, (www.gms-institut.de) hat seit 2013 eine Reihe von Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastung für mittelständische Unternehmen durchgeführt. Dabei wurden mittels des theoretisch fundierten und empirisch erprobten Instruments PsyBELA folgende Daten in definierten Beschäftigtengruppen erhoben und miteinander in Beziehung gesetzt:

• Allgemeine und tätigkeitsspezifische Belastungsfaktoren (Termin-und Leistungsdruck, fehlende Informationen, Lärmbelästigung etc.)
• Individuelle Belastungsreaktionen (Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Magen-/Darmbeschwerden etc.)
• Ressourcen (Selbstwirksamkeit, klarer Auftrag, Anerkennung etc.)
• Ursachenzuschreibungen (Belastung aufgrund von Tätigkeit, Führungskraft, privater Ursachen etc.)

Diplom-Psychologe Martin Simmel und Prof. Dr. Erich Wühr, Simmel Gesundheits MANAGEMENT Systeme GbR

›› den vollständige Beitrag lesen Sie in unserem Digitalmagazin

zurück drucken verlinken

Mehr zum Thema

Anzeige

Neuestes Video

IHK-TV präsentiert Ausbildungsberufe.

Fit for JOB!

FFJ Mainfranken 2017

Karrierestart in Mainfranken: fit for JOB!, die Broschüre der IHK für Schulabgänger und Berufseinsteiger liefert alle Antworten zu Karrierefragen.

Anzeige

Magazin bestellen

Für B4B MAINFRANKEN.de-Leser kostenfrei!

Gebündeltes Expertenwissen als Print-Magazin:

  • Kompendium praxisbezogener und nützlicher Fachartikel
  • Hinweise und Impulse für den betrieblichen Alltag
  • Porträts von Top-Unternehmen und der Experten aus der Region