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Hören

Viel Lärm um die Ohren

Gesundheit | 03.11.2016

Hören? Foto: iStock Photoprofi30
Hören? Foto: iStock Photoprofi30

Lärm geht auf die Nerven - und belastet vor allem das Gehör. Durch gezieltes schonen lässt sich das Hörvermögen lange erhalten. Und wenn das Gehör nachlässt, helfen innovative Therapien udn Technik.

Lärm geht nicht nur auf die Nerven, er belastet vor allem auch das Gehör – unabhängig davon, ob das Geräusch als angenehm oder unangenehm empfunden wird. Für das Gehör zählt nur der Druck, den Lärm ausübt.

Schon ab einer Lautstärke von 75 Dezibel wird das Herz-Kreislaufsystem vom Lärm gestresst. Diese Lautstärke erreichen zum Beispiel ein Staubsauger oder eine normal befahrene Straße. Ab 85 Dezibel ist bei einer Dauerbelastung ein Hörschaden kaum noch zu vermeiden. Darum ist ab diesem Wert im Arbeitsleben ein Gehörschutz vorgeschrieben. 

Je lauter das Geräusch, desto schneller tritt ein Hörschaden auf. Bei einer Belastung von über 100 Dezibel reichen schon wenige Minuten aus, um das Gehör nachhaltig zu schädigen. Doch das Gehör ist ein leistungsfähiges Organ. Deswegen, darüber informiert Geers Hörgeräteakustik, gibt es trotz der beschriebenen Gefahren auch eine gute Nachricht: Das Gehör kann sich nach zu viel Lärm wieder erholen. Doch dafür braucht es vor allem eines: Ruhe. Am Tag ist es deswegen empfehlenswert nach Ruheinseln zu suchen, um dem Gehör einen Ausgleich zu bieten. Das kann ein ausgiebiger Spaziergang in der Mittagspause im benachbarten Park oder das kleine Cafe um die Ecke sein, wo der Lärm draußen bleibt.

Eine wichtige Ruheinsel nach einem stressigen Arbeitstag in der Fabrik ist die eigene Wohnung. Damit es hier keine unnötigen Lärmquellen gibt, sollte man für einen erholsamen Feierabend ein paar Haushaltsgeräte einfach mal ausgeschalten lassen. Die Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA) hat hier einmal genau nachgemessen: Eine schleudernde Waschmaschine oder ein Handmixer erreichen mindestens 71 Dezibel, ein Laubbläser schafft rund 80 Dezibel und ein elektrischer Rasenmäher kommt auf stolze 85 Dezibel. Für sich allein betrachtet sind derartige Belastungen zwar unproblematisch. Aber das über den Tag gestresste Organ kann sich nicht erholen.

Die richtige Hörhilfe

Wenn das Gehör dann Unterstützung braucht, stellt sich für viele Betroffene die Frage: Bis zu welchem Zeitpunkt können Menschen mit einer Hörminderung durch klassische Hörhilfen in Form von Hörgeräten versorgt werden? Und ab wann sollten Hörprothesen wie Cochleaimplantate (CI) eingesetzt werden? Brigitte Weitkamp-Moog, Hörakustikmeisterin sowie Audiotherapeutin im terzo-Zentrum Schweinfurt, und Dr. Andreas Radeloff, Oberarzt und Leiter des Bereichs Implantierbare Hörsysteme des Universitätsklinikums Würzburg, informierten in einem Fachvortrag in Schweinfurt über die Grenzen und Chancen beider Therapien, wie die IHK Zeitschrift „Wirtschaft in Mainfranken“ berichtete.

Das gesunde Gehör besteht aus dem Ohr, das den Schall aufnimmt, und dem Gehirn, das ihn verarbeitet. Natürliche Hörfilter lassen dabei Nebengeräusche in den Hintergrund treten. Eine zunehmende Schwerhörigkeit entsteht zunächst aufgrund eines Funktionsverlustes durch die Beschädigung der Motorzellen im Innenohr. Dadurch erreichen immer weniger Hörsignale das Gehirn, was den Abbau des Nervenzellnetzwerks im Hörfilter zur Folge hat und die Hörwahrnehmung im Gehirn vermindert.

Um dieser Hörentwöhnung entgegenzuwirken, wurde die „terzo-Gehörtherapie“ entwickelt, die seit 2006 über 20.000 Patienten erfolgreich absolviert haben. Die ganzheitliche Therapie kombiniert die klassische Hörgeräteanpassung mit einem speziellen Gehörtraining, das die natürlichen Hörfilter im Gehirn reaktiviert. Eine Gehörverbesserung kann bei täglichen Übungseinheiten zwischen 30 und 60 Minuten bereits nach zwei Wochen eintreten.

Hörprothesen können eine Lösung sein


Doch was passiert, wenn selbst eine Hörgeräteversorgung mit spezieller frequenzabsenkender Technik sowie zusätzliches Hörtraining nicht mehr funktionieren? Dazu Dr. Andreas Radeloff: „Ziel von am Ohr getragenen oder implantierten Hörgeräten ist es, den Schall verstärkt an das Innenohr weiterzuleiten. Sind allerdings, zusätzlich zum oben geschilderten Verlust von Motorzellen, auch die Hörzellen geschädigt, ist das Innenohr nicht mehr funktionsfä- hig. Dann reicht die akustische Verstärkung durch eine Hörhilfe nicht mehr aus, da der Betroffene zwar hören, aber nicht mehr verstehen kann. In diesem Fall muss auf die elektrische Stimulation durch eine Hörprothese ausgewichen werden.“ 

Ein Cochleaimplantat (CI) ist eine implantierte Hörprothese, die durch elektrische Reize unter Umgehung des Ohres direkt den Hörnerv reizt und somit einen Ersatz für ein nicht mehr ausreichend funktionierendes Hörorgan darstellt. Es ermöglicht eine Wiederherstellung des Sprachhörvermögens selbst bei vollständiger Ertaubung. Grundvoraussetzung für den Einsatz eines CIs ist ein funktionierender Hörnerv.

Im Verlauf der letzten Jahre hat sich eine vertrauensvolle und zielführende Zusammenarbeit zwischen der HNO-Klinik der Universität Würzburg und dem terzoZentrum Weitkamp Hörgeräte in Schweinfurt entwickelt. Wird durch ein Audiogramm beim Hörakustiker festgestellt, dass der Hörnerv so stark geschädigt ist, dass auch technisch hochwertigste Hörsysteme nicht mehr helfen können, werden die Kunden an das „Comprehensive Hearing Center“ des Universitätsklinikums WürzBilder: Fotolia/Piotr Marcinski, Kurhan,, iStock Photoprofi30 burg vermittelt.

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