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Arbeitsschutz

Zeigt her eure Füße

Gesundheit | 12.10.2016

Passgenaue Einlagen sind mindestens so wichtig wie der richtige Schuh. Foto: Bauerfeind AG
Passgenaue Einlagen sind mindestens so wichtig wie der richtige Schuh. Foto: Bauerfeind AG

Arbeitsschutz beginnt bei den Füßen. Doch nicht nur der sichere Schuh, vor allem auch die richtigen und baumustergeprüften Einlagen sind für viele Mitarbeiter wichtig, um leistungsfähig und gesund zu bleiben.

von Christian Weyer*

Zeigt her eure Füße: Dieser Aufforderung wird man in jedem Unternehmen nachkommen müssen, dessen Geschäftsleitung den Arbeitsschutz ernst nimmt. Bereits seit 2007 gelten mit der Richtlinie BGR 191 beim Einsatz von Arbeitssicherheitsschuhen verbindliche Regelungen, deren Umsetzung im Betrieb aber allzu selten den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Je nach Einsatzgebiet und Arbeitsbedingungen des Mitarbeiters sind funktionale Anforderungen und unterschiedliche Schutzklassen zu beachten: Ist der Schuh wasserdicht, durchtrittssicher, antistatisch, wärme- oder kälteisolierend? Aufschluss gibt die Kennzeichnung des Schuhs mit entsprechenden Kürzeln, die der Einkäufer kennen muss. Innerbetrieblich beraten können ihn hierbei die Fachkräfte für Arbeitssicherheit.

Sie achten auch darauf, dass das Schuhmodell das Zeichen BGR 191 oder nach aktueller Nomenklatur DGUV 112-191 trägt: Damit wird belegt, dass überhaupt eine Baumusterprüfung als Grundvoraussetzung für den Einsatz gegeben ist. Arbeitssicherheitsschuhe zählen nämlich nicht zur Berufskleidung, sondern unterliegen als persönliche Schutzausrüstung (PSA) den gleichen Qualitätsund Sicherheitsanforderungen wie technisches Gerät.

Auf gutes Design muss deswegen niemand verzichten: Moderne Materialien und modische Farbgebung sorgen auch in der Fabrikhalle, in der Logistik oder auf dem Bau für optisch gefälliges Schuhwerk, das angenehm zu tragen ist und zuverlässig schützt.

Sicherheit geht vor Komfort

Besondere Achtsamkeit ist allerdings geboten, wenn Einlagen in die Sicherheitsschuhe kommen sollen. Immerhin lassen sich bei 70% der Allgemeinbevölkerung Fußfehlstellungen diagnostizieren, die häufig auch Auswirkungen haben auf die Körperstatik und Rückenschmerzen verursachen. Gute Einlagen stellen daher einen wertvollen Beitrag zur betrieblichen Gesundheitsförderung dar.

Thermo- oder Gel-Einlagen, wie sie beispielsweise bei Discountern angeboten werden, scheiden aufgrund unklarer Spezifikationen prinzipiell aus. Aber auch individuell angepasste orthopädische
Einlagen können nicht ohne weiteres verwendet werden: Die Vorschriften im Arbeitsschutz gestatten ausschließlich den Einsatz standardisierter Einlagen, die mit den jeweiligen Schuhmodellen nachweislich baumustergeprüft sind.

Was als bürokratische Hürde erscheinen mag, hat dabei durchaus seine Berechtigung. Fällt zum Beispiel die Höhe der Stahlkappe bei verschiedenen Schuhmodellen unterschiedlich aus, kann der Sicherheitsabstand zu den Zehen durch eine ungeeignete Einlage gefährlich verringert werden. Es drohen Verletzungen, deren Behandlungskosten die Berufsgenossenschaft dann aufgrund Regelwidrigkeit nicht ohne weiteres übernimmt. Es können sogar Bußgelder fällig werden. Gleiches gilt für die elektrische Leitfähigkeit von Schuhen, die durch eine nicht ausreichend abgestimmte Einlage beeinträchtigt wird und Schäden an empfindlichen Bauteilen verursachen kann.

Mehrkosten vermeiden

Anders als im privaten Bereich werden die Kosten für spezielle Einlagen im betrieblichen Einsatz nicht von den Krankenkassen übernommen. Gängige Praxis ist hier ein Antrag auf Erstattung bei der Rentenversicherung, sofern der Mitarbeiter mindestens 15 Jahre beitragspflichtig versichert ist. Das genaue Vorgehen ist nachzulesen auf den entsprechenden Internetseiten oder im handlichen „Leitfaden zur Einlagenversorgung“, erhältlich bei Bauerfeind und qualifizierten Sanitätshäusern oder OrthopädieSchuhtechnikern.

Der administrative wie zeitliche Aufwand für einen Erstantrag ist allerdings hoch: Mehrere, bis zu sieben Seiten starke Formulare müssen ausgefüllt und ärztliche Nachweise erbracht werden. Gerade bei größeren Volumina kann es sich daher lohnen, mit dem örtlichen Orthopädie-Schuhtechniker feste Konditionen für einen Direktbezug zu vereinbaren.

Diese bieten oft auch kostenfreie Fuß-Sprechstunden in den Betrieben an, bei denen der genaue Einlagenbedarf vor Ort schnell ermittelt wird und die Kombinationsmöglichkeiten mit Schuhmodellen verschiedener Hersteller abgeklärt werden – eine wertvolle Unterstützung für Sicherheitsfachkräfte, Betriebsärzte und Einkäufer. Letztere haben oft nur Kontakt zu den Anbietern von Schuhen, also den PSA-Händlern, welche meist nur begrenzt beraten können bei Fragen zu geeigneten, baumustergeprüften Einlagen.

Drum prüfe, wer sich bindet

Als Faustformel gilt: Je exotischer und vermeintlich preisgünstiger ein Sicherheitsschuh ist, umso unwahrscheinlicher ist die Verfügbarkeit entsprechend baumustergeprüfter Einlagen. Schon aus Kostengründen konzentrieren sich Anbieter von Einlagen bei den zu erbringenden Baumusterprü- fungen auf ausgewählte Markenhersteller.

So können mit dem weit verbreiteten Einlagensystem ErgoPad work:h von Bauerfeind zahlreiche Schuhmodelle von Atlas, Elten, Steitz-Secura, Wohlfarth und anderer Hersteller kombiniert werden. Mit dem „Schuhfinder“ bietet Bauerfeind auch einen kostenlosen Internet-Katalog, um sich schnell und umfassend über verfügbare Modelle, Größen und Ausführungen verschiedener Sicherheitsschuhe zu informieren. Sie haben sich in der Praxis bewährt und bieten langfristige Sortimentspolitik sowie hohe Qualitätsstandards.

Wird die Beschaffung von Schuhen gegen Übernahme einer Kostenpauschale dem Arbeitnehmer überlassen, ist die Einhaltung auch grundlegender Anforderungen in der Regel nicht gesichert. Wie bei allen Maßnahmen im Arbeitsschutz empfiehlt sich ein zentral organisiertes Vorgehen, bei dem die Prü- fung des Einlagenbedarfs dem Einkauf von Sicherheitsschuhen vorangehen sollte – sonst muss der Arbeitgeber am Ende womöglich doppelt bezahlen oder riskiert Gesundheit und Leistungsfähigkeit seiner wichtigsten Ressource: Der Mitarbeiter.

Christian Weyer ist Bereichsleiter Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der Bauerfeind AG

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