Steuern und Recht 2015
Die wichtigsten aktuellen Rechts- und Steuerthemen für die betriebliche Praxis.

Blickpunkt Lohnoptimierung

Lohnoptimierung Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Expertentipps | 23.10.2012

Blickpunkt Lohnoptimierung. Bildquelle: B4B MAINFRANKEN CMG
Blickpunkt Lohnoptimierung. Bildquelle: B4B MAINFRANKEN CMG

Unternehmen befinden sich täglich im Kräftemessen mit der Konkurrenz und Mitbewerbern. Im Tauziehen um Kunden und Aufträge müssen sie stets ihre Möglichkeiten zur Kostenminimierung ausloten.

Die klassische Kostenschraube durch Reduzierung der Personalkosten hat vielfach längst ausgedient. Wegen des Fachkräftemangels wird es für Arbeitgeber zunehmend schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Neben den Kampf um Kunden findet ein Konkurrenzkampf um gute Mitarbeiter statt, der sich zukünftig weiter ausweiten wird.

Fazit

Arbeitgeber müssen für ihre Mitarbeiter attraktiv bleiben, um gutes Personal an das Unternehmen binden zu können. Im Gegenzug halten ca. 80 Prozent aller Arbeitnehmer ihre Bezahlung für unfair oder unzureichend. Infolgedessen steigt die Unzufriedenheit und die Demotivation. Unzufriedene Mitarbeiter senken ihren Arbeitseinsatz soweit herunter, bis sie wieder das Gefühl der Gerechtigkeit empfinden, oder suchen sich gleich einen anderen Job.

Fakt

Neben den sozialen Aspekten (sozialkompetenter Chef, gutes Betriebsklima, nette Arbeitskollegen usw.) wird die Zufriedenheit mit dem eigenen Arbeitsplatz wesentlich über das Gehalt definiert. Ziel des Arbeitgebers ist es deshalb, trotz aller notwendigen Einsparmaßnahmen bei den Personalkosten, jeden einzelnen Arbeitnehmer in seiner Leistungsbereitschaft zu motivieren und langfristigan den Betrieb zu binden. Das Ziel des Arbeitnehmers ist es, das mit seiner Qualifikation erreichbare Lebenseinkommen zu maximieren, um ein finanziell sorgenfreies Leben in Wohlstand führen zu können.

Nettolohnoptimierung als Lösung

Durch eine Optimierung des Vergütungssystems können sowohl die Nettolöhne der Mitarbeiter erhöht, als auch die Lohnkosten des Arbeitgebers reduziert werden. Dies wird erreicht durch den gezielten Einsatz von steuerlich oder sozialversicherungsrechtlich begünstigten Entgeltbausteinen. Man kann dabei aus bis zu 36 verschiedenen Lohnkomponenten wählen. Der Arbeitgeber reduziert dabei die Personalkosten um bis zu 1.000 € pro Arbeitnehmer und Jahr, der Arbeitnehmer erhält gleichzeitig eine höheres Nettoentgelt.

Folgendes Zahlenbeispiel mag dies verdeutlichen: Ein lediger Arbeitnehmer (römisch-katholisch, kinderlos) soll ein Bruttogehalt von 2.000 € erhalten. Nach Abzug aller Sozialabgaben und der Lohnsteuer erhält er einen Nettolohn von 1.337 €. Die monatlichen Kosten des Arbeitgebers betragen dagegen 2.393 €. Bei einer optimierten Entlohnung beträgt das Bruttogehalt lediglich 1.700 €; zusätzlich erhält der Arbeitnehmer begünstigte Leistungen in Höhe von 202 €. Der Nettolohn dieses Mitarbeiters beträgt jetzt 1.380 € (ein Plus von 43 €), die monatlichen Kosten des Arbeitgebers nur noch 2.262 € (eine Ersparnis von 131 €).

Zusammenfassung der Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Vorteile Arbeitgeber

  • Einsparung von Lohnkosten
  • Sofortige Liquiditätswirkung
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
  • Verbessertes Bankenrating
  • Erhöhung der Mitarbeiterbindung

Vorteile Arbeitnehmer

  • Erhöhung des Nettolohns
  • Arbeitsplatzsicherung

Pflichten des Arbeitgebers

Bei der Nettolohnoptimierung muss der Arbeitgeber die rechtlichen Rahmenbedingungen beachten. Durch sozialversicherungsfreie Leistungen erwirbt der Arbeitnehmer keine Ansprüche gegenüber den Sozialversicherungsträgern. Dies kann sich bei eventueller Krankheit oder Arbeitslosigkeit sowie der Altersrente auswirken. Dem Arbeitnehmer sind diese Konsequenzen aufzuzeigen und die Belehrung sollte dokumentiert werden. Darüber hinaus sind arbeitsrechtliche und tarifrechtliche Vorschriften zu befolgen.

Umsetzung

Die Nettolohnoptimierung wird in einem mehrstufigen Prozess eingeführt. Zunächst erfolgt eine Kurzanalyse mittels derer das Einsparpotenzial prognostiziert wird. In der Optimierungsplanung (Schritt 2) werden die einsetzbaren Vergütungsbausteine analysiert und im Rahmen eines Strategiegesprächs mit dem Unternehmer abgestimmt. Anschließend werden die Arbeitnehmer im Rahmen einer Betriebsversammlung informiert und es werden Einzelgespräche mit ihnen geführt (Schritt 3). Mit Schritt 4 werden die Ergebnisse arbeitsrechtlich fixiert und in der Lohnbuchhaltung umgesetzt. Genauso wichtig wie die Einführung ist die laufende Überwachung der Nettolohnoptimierung. Im Schritt 5 erfolgen deshalb Anpassungen bei Gesetzesänderungen und Änderungen der Mitarbeiterdaten.

Fachbeitrag von Dr. Marcus Staub, Steuerberater

zurück drucken verlinken

Magazin bestellen

Für B4B MAINFRANKEN Leser kostenfrei!

Gebündeltes Expertenwissen als Print-Magazin:

  • Kompendium praxisbezogener und nützlicher Fachartikel
  • Hinweise und Impulse für den betrieblichen Alltag
  • Porträts von Top-Unternehmen und der Experten aus der Region