IHK-Vollversammlung

IHK: Fachkräftemangel ist nicht das einzige Thema

Hassberge | 08.07.2011

IHK-Vollversammlung 2011
IHK-Vollversammlung 2011

Zu einer umfangreichen Arbeitssitzung kam die Vollversammlung der IHK Würzburg-Schweinfurt im Landratsamt Haßberge zusammen.

„Fachkräftesicherung ist aktuell ein zentrales Thema, aber bei weitem nicht das einzige, das uns bewegt.“, begrüßte der IHK-Präsident rund 50 mainfränkische Unternehmer in Haßfurt. Nach Grußworten durch den Gastgeber Landrat Rudolf Handwerker standen zunächst zwei Kurzvorträge im Mittelpunkt, bevor die Wirtschaftsvertreter eine breite Agenda an Resolutionen formulierten und Ehrungen verdienter Mitglieder vornahmen.

Projekt IHK-Sommercamp

In einem ersten Vortrag informierte Professor Dr. Kurt Czerwenka, Seniorprofessor der Leuphana Universität Lüneburg, über das Projekt „IHK-Sommercamp“. Ziel ist es hier, auch in Mainfranken alle verfügbaren Potenziale für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu nutzen. Dazu zählen auch benachteiligte und leistungsschwache Jugendliche, die die Wirtschaft fördern will, um sie in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu integrieren. Hierzu gibt es bereits erfolgreiche Modellprojekte, die Professor Czerwenka vorstellte.

Social Media und die Wirtschaft

Im zweiten Vortrag erläuterte Stefan Rühling, Geschäftsführer der Firma Vogel Business Media GmbH & Co. KG, Würzburg, was Social Media jetzt und zukünftig für unsere Unternehmen für eine Bedeutung haben oder haben können. Nach seiner Auffassung haben die sozialen Netzwerke eine völlig neue Qualität der Kommunikation zur Folge, auf die sich die Unternehmen einstellen müssten, um deren Chancen zu nutzen.

IHK-Vollversammlung verabschiedet zahlreiche Resolutionen

Die Vollversammlung der IHK Würzburg-Schweinfurt folgte den Empfehlungen des Präsidiums, stellte den Jahresabschluss 2010 fest und beschloss, die regionale Wissenschaft weiter zu fördern. Im Anschluss wurden der frühere IHK-Präsident Claus Bolza-Schünemann und der IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Ralf Jahn entlastet.

Vier Kernziele stehen im Mittelpunkt

Ferner beschloss die Vollversammlung das Arbeitsprogramm der IHK Würzburg-Schweinfurt für die Amtsperiode 2011 bis 2014. Im Mittelpunkt stehen hier die vier Kernziele „Technologischer Wandel“, „Demografischer und gesellschaftlicher Wandel“, „Märktewandel“ sowie „Veränderte Rahmenbedingungen für die Wirtschaft“, die in dieser Legislaturperiode operativ verfolgt werden sollen.

Projektausschreibung für "E-Bussiness für den Mittelstand"

Darüber hinaus beschloss die IHK die Teilnahme an der Projektausschreibung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie für das Projekt „E-Business für den Mittelstand“. Hier geht es um die Zukunft des Mainfränkischen Electronic Commerce Kompetenzzentrums „MECK“, dem regionalen Ansprechpartner bei Fragen zu Online-Marketing, IT-Sicherheit oder Betriebssoftware. MECK ist seit 13 Jahren ein Gemeinschaftsprojekt von IHK, Handwerkskammer (HWK) für Unterfranken und Universität Würzburg, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), dessen Förderung jedoch endet. Wenn das BMWi das Folgeprojekt „E-Business für den Mittelstand“ ausschreibt, ist die IHK nun legitimiert, sich zu bewerben und inhaltlich an die Aufgaben des MECK anzuknüpfen.

Bundeswehr, E-Bilanz, Energie, Wirtschafts- und Europapolitik

Darüber hinaus beschloss die Vollversammlung fünf Resolutionen. Die „Resolution zur Erhaltung von Bundeswehrstandorten in Mainfranken“ bündelt die zentralen Forderungen der IHK zum Erhalt und zur Stärkung der mainfränkischen Standorte. Die Bundeswehrstandpunkte haben eine enorme wirtschaftliche Bedeutung, schaffen Arbeitsplätze und beeinflussen die regionale Bevölkerungsentwicklung. Nach der Bundeswehrreform mit dem Ziel einer Freiwilligenarmee und einer Reduzierung der Truppenstärke sollten gemäß dem Stationierungskonzept von 2004 in Bayern 68 Bundeswehrstandorte erhalten bleiben – noch ist jedoch nicht bekannt, ob und wenn ja welche Standorte in Mainfranken konkret betroffen sind.

Die elektronische Steuererklärung

Eine weitere Resolution fasst die Meinung der mainfränkischen Wirtschaft zur Elektronischen Bilanz (E-Bilanz) im Steuerrecht zusammen. Viele Unternehmen müssen dem Finanzamt neben ihrer Steuererklärung auch ihre Bilanz übersenden. Im Jahr 2011 geschieht dies letztmals auf Papier, zukünftig soll dies auf elektronischem Weg mit der so genannten „E-Bilanz“ erfolgen. Ziel der IHK ist es, den Bürokratieaufwand zu verringern.

Tatsächlich sieht es aber so aus, als würde die Finanzverwaltung durch die konkrete Ausgestaltung mehr Belastungen als Vereinfachungen schaffen. Die in Haßfurt verabschiedete Resolution schafft die Grundlage, um die Interessen der mainfränkischen Wirtschaft nach einem eindeutigen Bürokratieabbau kommunizieren zu können.

Energiepolitik und die IHK

Die IHK-Position zur aktuellen Energiepolitik ist in einem Papier zusammengefasst, das die Vollversammlung ebenfalls verabschiedete. Die mainfränkische Wirtschaft sieht sich durch den geplanten Umbau der Energieversorgung in ihrer Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig betroffen. Die Ziele „Senkung klimarelevanter Emissionen“, „schrittweiser Ausstieg aus der Kernenergie“, „stärkere Nutzung erneuerbarer Energien“ seien laut IHK wichtig, müssten aber mit Bedacht verfolgt werden. Dass das Thema Energie für die IHK einen besonderen Stellenwert hat, zeigt die Tatsache, dass die IHK-Organisation sich bereits heute für 2012 das Jahresthema „Energie/Rohstoffe“ als Schwerpunkt gesetzt hat. Ferner verabschiedete die Vollversammlung noch umfangreiche wirtschaftspolitische und europapolitische Positionen.

Baldwin Knauf neuer Ehrenpräsident

Eine besondere Würdigung erfuhren die ehemaligen Mitglieder des IHK-Präsidiums Dr. Albert Hieronimus und Eugen Münch sowie der frühere IHK-Präsident Baldwin Knauf. „Eine IHK lebt vom ehrenamtlichen Engagement.

Aus diesem Grund ist es gute Tradition, langjährig in verschiedenen Ausschüssen und Gremien aktive Unternehmer für ihre besonderen Verdienste zu ehren.“, betonte der amtierende Präsident Dieter Pfister. Eine ganz besondere Auszeichnung sei dabei die Ernennung zum Ehrenmitglied der IHK-Vollversammlung, die Dr. Albert Hieronimus und Eugen Münch zuteil wurde. Mit ihnen hat die 80-köpfige IHK-Vollversammlung nun zusätzlich neun Ehrenmitglieder.

Ein einzigartiges Amt

Ist die Auszeichnung als Ehrenmitglied schon etwas Seltenes, so ist das Amt des IHK-Ehrenpräsidenten sogar etwas Einzigartiges. Gemäß IHK-Satzung kann durch Beschluss der Vollversammlung jeweils ein verdienter IHK-Präsident nach seinem Ausscheiden aus der Vollversammlung zum Ehrenpräsident berufen werden. Nachdem der bisherige IHK-Ehrenpräsident Dr. Hans B. Bolza-Schünemann vor einem Jahr verstorben war, wählte die Vollversammlung nun den Unternehmer Baldwin Knauf zum Ehrenpräsidenten der IHK Würzburg-Schweinfurt. Knauf engagiert sich seit 1975 in zahlreichen ehrenamtlichen Funktionen für die IHK, war von 2003 bis 2006 Präsident und ist seitdem Ehrenmitglied der Vollversammlung.

„Gehen uns die Fachkräfte aus?“

Im anschließenden öffentlichen Teil referierte Dr. Ulrich Walwei, Vizepräsident des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), zum Thema „Der Arbeitsmarkt im Aufschwung: Gehen uns die Fachkräfte aus?“ und diskutierte mit den mainfränkischen Unternehmern (vgl. hierzu separater Bericht).

www.wuerzburg.ihk.de

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