Rhön-Grabfeld | 19.07.2010

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Das „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ erlebt seit Jahren eine Renaissance. Dies konstatiert Dr. Manfred Wittenstein, Vorstandsvorsitzender der Wittenstein AG und Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), der anlässlich der IHK-Vollversammlungssitzung in Bad Neustadt / Saale über die „Zukunftsperspektiven der deutschen Industrie“ sprach.
Rund 90 Prozent der deutschen Exporte gehen auf das Konto des Verarbeitenden Gewerbes, 90 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung ebenso. Und mehr als jeder dritte Arbeitsplatz hänge unmittelbar von der Industrie ab. Ohne Zweifel habe auch diese die Krise massiv zu spüren bekommen: „Windstärke 11 auf offenem Meer“ habe geherrscht, so die anschauliche Darstellung des Redners. Die Maschinenbestellungen seien so drastisch gesunken wie nie zuvor, im Gesamtjahr wurde ein Einbruch um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet, die Kapazitätsauslastung sank auf die 70 Prozent-Marke, ein Negativrekord, so der VDMA-Präsident. Erfreulicher Weise habe das Schiff jedoch wieder Fahrt aufgenommen. Trotz bestehender Risiken, befinde sich die Crew beim „Ansegeln“. Von Vorteil sei hierbei, dass die Unternehmen auf eine gute und erfahrene Mannschaft zurückgreifen können. Nicht selten gegen betriebswirtschaftliche Vernunft handelnd, wurde die Stammbelegschaft gehalten. Dies sei auch das Ergebnis von Lernprozessen vergangener Krisen und zahle sich nun aus.
Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie sowie Innovationstätigkeit
Insbesondere zwei Aspekte würden laut Dr. Wittenstein für die Zukunft des Industriestandortes Deutschland von Bedeutung sein: Die Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie sowie die Innovationstätigkeit. Ökonomie und Ökologie seien kein Widerspruch. Zwar trage die Politik zur Förderung umwelt- und ressourcenschonender Investitionen bei, so etwa durch Vorgaben zum Klimaschutz, jedoch sei es die Chance der Unternehmen selbst, Weltmarktführerschaften in diesen Märkten zu erobern oder auszubauen. Darüber hinaus böten sich durch ressourcenschonende Konzepte große Einsparmaßnahmen. „Alleine in Deutschland sparen Unternehmen aus dem Produzierenden Gewerbe sowie den Verkehrs-, Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungssektoren bereits heute durch Effizienz- und Umwelttechnologien im Vergleich zum Jahr 2000 genug Energie, um den jährlichen Strombedarf aller Privathaushalte in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu decken. Und es bestehen weitere Potenziale.“, so der Redner.
Abschließend appellierte Wittenstein an die Politik – trotz der Sparnotwendigkeit der öffentlichen Hand – nicht das „Saatgut zukünftigen Wachstums, Bildung und Forschung“ anzugehen. Innovationen in allen Bereichen und eine daraus resultierende Produktion hierzulande sowie junge, gut ausgebildete Menschen seien der Schlüssel für zukünftigen Wohlstand. Zukunftsinvestitionen müssten tabu sein für jegliche Sparkonzepte.
Die Juli-Sitzung der IHK-Vollversammlung tagte bei der RHÖN-KLINIKUM AG in Bad Neustadt. Auf der Tagesordnung standen neben der Verabschiedung des Jahresabschlusses für das Wirtschaftsjahr 2009 unter anderem auch die Beschlussfassung, wonach sich die IHK als Gesellschafter an der geplanten Region Mainfranken GmbH beteiligen wird. Diese Standort-Initiative soll ab Anfang 2011 die bisherige Chancenregion Mainfranken ersetzen. Michael A. Hillenbrand, Mitglied des Vorstandes der Fa. dvvf Deutsche Verrechnungsstelle für Versicherungs- und Finanzdienstleistungen AG, Würzburg wurde als Nachrücker in die IHK-Vollversammlung verpflichtet. Ferner wurde Hans Dengel, IHK-Bereichsleiter Berufsausbildung, der im November 2010 in den Ruhestand treten wird, offiziell von der IHK-Vollversammlung verabschiedet.
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