Landkreis Rhön Grabfeld

Umdenken und mutig ausprobieren

Rhön-Grabfeld | 19.07.2017

Umdenken und mutig ausprobieren
Foto: Tonya Schulz

Politiker, Bürger und Unternehmer diskutierten bei Regionalkonferenz im Kloster Wechterswinkel über Zukunfts-Chancen für ein glückliches Landleben in der Region.

Was brauchen wir, um glücklich auf dem Land zu leben? Was bringt junge Leute dazu, nach der Ausbildung in ihre Heimat zurückzukehren? Was bewahrt ältere Menschen vor dem Seniorenheim? Was hält junge Familien in der Region? Wichtige Fragen, denn der demografische Wandel und der Sog in die Ballungszentren lässt die Dorfgemeinschaften schrumpfen. Bei der Regionalkonferenz des Landkreises Rhön-Grabfeld unter dem Motto „Glückliches Landleben?“ erhielten rund 70 Politiker, Unternehmer und Akteure aus der Bürgerschaft inspirierende Impulse.

Der Landkreis Rhön-Grabfeld bietet alles, was das Leben attraktiv macht:

eine intakte Natur, günstiges Wohnen, zahlreiche Ausbildungs- und Arbeitsplätze, Krippen und Kindergärten sowie sämtliche Schularten. Nicht zu vergessen das rege Vereinsleben für das soziale Miteinander. Dennoch droht eine rückläufige Bevölkerungsentwicklung. Junge Leute kehren nach der Ausbildung nicht mehr in ihre Heimat zurück. Ältere Menschen verlassen ihre Dörfer und gehen in Seniorenheime. Doch es geht auch anders. Das zeigen sowohl Gemeinden in der Rhön als auch in benachbarten Landkreisen. Regionalmanagerin Ursula Schneider, die als Moderatorin durch die Veranstaltung führte, hatte spannende Beispiele zusammengestellt.

Elisabetha Machon aus Unsleben stellte das Bürgerprojekt Dorfladen vor. Seit über 20 Jahren erhalten die Einwohner hier von Montag bis Samstag wohlgeordnet Produkte für den täglichen Bedarf, auf vielfachen Wunsch meist Bio und aus der Region. Der Dorfladen ist ein Erfolgsmodell, das in den 1990er Jahren trotz vieler kritischer Stimmen gestartet wurde. Heute wird der Dorfladen von einer Geschäftsführerin und vier Mitarbeitern geführt. Lediglich mehr junge Kunden wünscht sich die engagierte ehemalige Bürgermeisterin, sieht aber insgesamt optimistisch in die Zukunft.

Projekt "Tüten packen"

Kurz vor dem Start befindet sich das Projekt „Tüten packen“ in Sulzdorf a.d. Lederhecke. Demnächst können Bürgerinnen und Bürger Einkaufszettel im Rathaus abgeben oder ihre Bestellung telefonisch durchgeben. Ein nahegelegener Lebensmittelmarkt liefert die Einkäufe in den sog. Dorftreffs ab. Meist sind das gastronomische Betriebe in den Ortsteilen. Ein halbes Jahr Probezeit hat sich die 1. Bürgermeisterin Angelika Götz gegeben. Dann wird man sehen, ob und wie die Vorstufe eines Dorfladens Fuß fassen wird.

Ganz der Jugend und ihren Wünschen hat sich Prof. Dr. Waldemar Stange von der Leuphana Universität Lüneburg verschrieben. Eine bundesweite Umfrage zeigte das massive Interesse junger Menschen, ihren Lebensraum aktiv mit innovativen Ideen zu gestalten. Dazu entwickelte ein Team in vier Landkreisen Mitwirkungsmöglichkeiten Jugendlicher an Politik und Verwaltung. Ganz in diesem Sinnen forderte Dr. Thorsten Kapperer, Jugendseelsorger Rhön-Grabfeld, mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten für die vielen jungen Menschen im Landkreis. In unserer Multi-Options-Gesellschaft sei es entscheidend, die Heimat weitblickend attraktiv zu halten.

„Bei uns geht die Post ab“

Ideen für Jung und Alt lieferte Christian Wittmann vom Verein „Besser gemeinsam leben Haßberge“. Der engagierte Macher füllt Leerstände mutig mit neuem Leben. Hochinteressiert informierten sich die Zuhörer über die Fülle an Fördermöglichkeiten. Der Bogen spannt sich von „Landkultur“ und „Selbstbestimmt leben im Alter“ bis zum Dorferneuerungsverfahren. „Bei uns geht die Post ab“, versicherte Wittmann glaubhaft. „Aktiv sein, Bürger integrieren und einfach machen“, rät der Vereinsvorsitzende allen, die ihr Dorfleben attraktiver gestalten möchten.

Welche Visionen Vertreter aus Wirtschaft, Kirche und Politik vom Landkreis der Zukunft haben verriet eine Podiumsdiskussion, moderiert von BR-Redakteur Norbert Steiche. Deutlich kristallisierte sich die Forderung nach optimaler Mobilität für alle Generationen heraus. Das können Busse im Halbstundentakt zwischen allen Gemeinden (Landrat Thomas Habermann) oder ein Führerschein für Elektrofahrzeuge ab 16 Jahren sein (Unternehmer Stephan Ullmer-Kadierka).

Mut zur Neugestaltung von bezahlbaren Wohnformen

Zeitgemäße Kanäle müssen die Gemeinden nach Vorstellung von Landrat Habermann bei der Kommunikation einsetzen. Warum nicht zentral einsehbare Flachbildschirme als Nachrichtenübermittler statt der veralteten Anschlagtafeln einsetzen, fragte er. Wege für den intensiven Austausch mit ehemaligen Schülern sucht auch OStD und Schuldirektor Ralf Kaminski. Ziel dabei ist für ihn, die Rückkehrer-Quote zu erhöhen.

Hinterfragt wurden auch die kleinteiligen Siedlungsstrukturen der Rhöner Gemeinden und die vielen Leerstände. Mut zur Neugestaltung von bezahlbaren Wohnformen für Jung und Alt können Anreiz sein, dem Landleben treu zu bleiben, kristallisierte sich heraus. Ein zeitgemäßes Umfeld für Familien mit Kindern für den Azubi-Nachwuchs wünschte sich z.B. die Bad Königshöfer Unternehmerin Karin Erhard.

Was ist das Fazit der Regionalkonferenz?

Einerseits, dass der Landkreis ein Paradies mit hoher Lebensqualität ist. Andererseits Bedarf für ein Umdenken, für das Auflösen verkrusteter Strukturen und Mut für den Neubeginn. Das fällt Zugereisten oft leichter als den Alteingesessenen, zeigt die Erfahrung. „Was wir brauchen, ist vor allem Mut zur echten Veränderung im eigenen Denken und der Wille, die Zukunft aktiv zu gestalten“, glaubt Landrat Thomas Habermann fest. „Wir müssen neue Strukturen für ein neues Lebensgefühl aufbauen“. Und sein Stellvertreter Josef Demar forderte die Rhöner eindringlich auf, sich von den guten Beispielen inspirieren zu lassen. Hocherfreut zeigte sich am Ende auch Regionalmanagerin Ursula Schneider über die gut besuchte und gelungene Veranstaltung. Die Referentenauswahl und rege Diskussionen hätten Einblicke über den eigenen Tellerrand hinaus ermöglicht. Sie rechne nun in der Folge mit zahlreichen Ideen und Anfragen regionaler Akteure, die das Gehörte hier in die Praxis umsetzen möchten.

 

Bildunterschrift:

Viele inspirierende Impulse vermittelten die Referenten der Regionalkonferenz „Glückliches Landleben?“ im Kloster Wechterswinkel. Von links (hinten): Prof. Dr. Waldemar Stange, Leuphana Universität Lüneburg, Landrat Thomas Habermann, Regionalmanagerin Ursula Schneider; (vorne) Elisabetha Machon (Dorfladen Unsleben), Angelika Götz, 1. Bürgermeisterin Sulzdorf a.d.L. („Tüten packen“) und Christian Wittmann (Verein „Besser gemeinsam leben – Haßberge e.V) (Foto: Tonya Schulz).

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