„Wirtschaftethik“ als Maxime unternehmerischen Handelns

Informations- und Diskussionsveranstaltung in der IHK

Würzburg | 29.07.2010


Wirtschaftsethik befasst sich mit der Frage, welchen moralischen Wertvorstellungen Unternehmen unterliegen sollten.

Begriffe wie Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility oder Compliance finden zunehmend Verwendung in der öffentlichen Kommunikation von Unternehmen. Insbesondere als Wettbewerbsvorteil stellen diese zunehmend ihr Verantwortungsbewusstsein den Mitarbeitern und der Gesamtgesellschaft gegenüber nach Außen dar. Die IHK Würzburg-Schweinfurt rückte diese Grundgedanken in den Mittelpunkt einer Informations- und Diskussionsveranstaltung, organisiert in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für christliche Sozialwissenschaft der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg. Nach einleitenden Worten von Prof. Dr. Dr. Gerhard Droesser, Universität Würzburg, referierte Dr. Stephan Wirz, Privatdozent für Theologische Ethik, Lehr- und Forschungsbeauftragter am Zentrum Religion-Wirtschaft-Politik der Universitäten Basel, Luzern und Zürich sowie Studienleiter der Paulus-Akademie, über das Thema „Unternehmerische Freiheiten und Verantwortung“ und verdeutlichte den Stellenwert der Unternehmensethik für die Reputation eines Unternehmens.

Dr. Wirz baute seinen Vortrag auf einem offensichtlich existierenden Widerspruch zwischen Wirtschaft und Moral auf: Es existiere ein Spannungsfeld zwischen diesen beiden Begriffen, ersichtlich zum Beispiel am Gewinnstreben der Unternehmen und der Orientierung an Renditekennzahlen einerseits und der Moral, d. h. sozial, human oder ökologisch anerkannten Handlungsregelungen und Werteprinzipien andererseits. Dieser Widerspruch ist jedoch nicht zwingend gegeben. Es gebe Beispiele, die diese Kluft zwischen Ökonomie und Ethik überwinden. Dr. Wirz verweist beispielsweise auf familienfreundliche Maßnahmen von Unternehmen, die eine moralische Qualität besitzen, zeitgleich jedoch einen positiven Einfluss auf die Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens haben. Weiterhin ist an umweltfreundliche Maßnahmen zu denken, deren Umsetzung noch vor einigen Jahren unvereinbar schienen mit wirtschaftlichem Erfolg: Der heutige Stellenwert von ökologiegeprägten Branchen wie derjenigen der erneuerbaren Energie für den Wirtschaftsstandort sind eindeutig. Energieeffizienz und Ressourcen schonende Segmente gehören zu den stärksten Wachstumstreibern der Industriestaaten. Fazit: Ökonomie und Ethik schließen sich nicht gegenseitig aus, vielmehr können beide Hand in Hand gehen und so den Unternehmen als Alleinstellungsmerkmal dienen.

Im zweiten Teil seines Vortrags nannte Dr. Wirz ausgewählte Impulse, die sowohl für das Anforderungsprofil von Führungskräften als auch für Produkt- und Dienstleistungsstrategien von Unternehmen erforderlich seien, um eine Symbiose aus ethischem und zeitgleich ökonomisch erfolgreichem Handeln zu erzeugen. Besonders wichtig sei hierbei ein Verzicht auf „window dressing“. Rein auf Schein angelegte Maßnahmen und bloße Marketinginitiativen durch die Zurschaustellung einer Unternehmensphilosophie bei zeitgleich nicht gelebter Philosophie seien zum Scheitern verurteilt. Zudem bedarf es einer offenen Kommunikation und einer ehrlichen Selbsteinschätzung. Langfristiges Ziel einer ethischen Unternehmensphilosophie sei es demnach, die Glaubwürdigkeit des Unternehmens und der Führungskräfte zu steigern und somit den Erhalt und den Ausbau einer freiheitlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung sicher zu stellen.

Information: Dr. Sascha Genders, IHK, Tel. 0931 4194-373, E-Mail: genders(at)wuerzburg.ihk.de oder im Internet unter http://www.wuerzburg.ihk.de/.
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