IHK-Konjunkturanalyse Herbst 2011

Konjunkturelle Abkühlung von hohem Niveau

Würzburg | 19.10.2011

Konjunkturaussichten
Konjunkturaussichten

Die robuste mainfränkische Realwirtschaft trotzt der gestiegenen Unsicherheit. Nachdem die mainfränkische Wirtschaft mit hoher Dynamik und vollen Auftragsbüchern ins Jahr 2011 gestartet war, hat sich die Konjunktur ab dem zweiten Quartal beruhigt. Dies geht aus den Ergebnissen der Konjunkturumfrage der IHK Würzburg-Schweinfurt im Herbst 2011 hervor.

Der Wert des Konjunkturklimaindikators für Mainfranken, der sich aus den Einschätzungen zur aktuellen Lage und den Erwartungen zusammensetzt, liegt aktuell bei einem Wert von 118,4 Punkten und ist damit im Vergleich zum Frühjahr 2011 deutlich gesunken (130,3). Dies ist der erste Rückgang nach sieben aufeinander folgenden Anstiegen.

Geschäftslage bleibt weiter stabil

Entgegen der Verunsicherung an den Finanzmärkten, beurteilt die mainfränkische Wirtschaft, über alle Branchen hinweg die momentane Geschäftslage als robust – neun von zehn befragten Unternehmen berichten von guten oder zufriedenstellenden Geschäften. Ebenfalls rund 90 Prozent der befragten Unternehmen melden derzeit volle Auftragsbücher und gut oder befriedigend ausgelastete Produktionskapazitäten. Die mainfränkische Realwirtschaft hat das hohe Niveau vom Frühjahr 2011 gehalten und zeigt sich weiter intakt.

Internationale Risiken dämpfen Geschäftserwartungen

Der aktuelle Rückgang des Konjunkturklimaindikators im Herbst liegt in der Eintrübung der Geschäftserwartungen begründet. Ausgehend von einem hohen Basisniveau sind die Zukunftserwartungen der Unternehmen weniger optimistisch als noch im Frühjahr. Der Anteil an Unternehmen, die von einer ungebremsten Fortsetzung des Aufschwungs ausgehen, ist gesunken. Zwei Drittel der befragten Unternehmen rechnen weiter mit einer stabilen konjunkturellen Entwicklung, 14 Prozent mit einer Verschlechterung. Dieser Trend spiegelt sich ebenfalls in den erwarteten Auftragseingängen der Unternehmen wider. Auch wenn der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen sinkt, gehen weiterhin 60 Prozent der Befragten von einer stabilen Auftragsentwicklung aus.

Die weitere konjunkturelle Entwicklung in Mainfranken ist aufgrund der hohen Exportquote im Industriegewerbe (44,3 Prozent) eng an die Leistungsfähigkeit wichtiger Handelspartner in der Euro-Zone und den USA gekoppelt. Die Finanzkrise aus den Jahren 2008 und 2009 hat weltweit zu einer starken Ausweitung der Staatsverschuldung geführt. In einigen Ländern der Eurozone sowie den USA ist die wachstumsschädliche Grenze der Staatsverschuldung von 90 Prozent, gemessen an der gesamten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, bereits deutlich überschritten. Die Konsolidierung der Staatshaushalte erfordert disziplinierte Sparmaßnahmen und strukturelle Reformen. Dies wirkt sich dämpfend auf die Konjunktur aus und verringert die zu erwartenden positiven Exportimpulse.

Angesichts der weiter überwiegend vollen Auftragsbücher und der hohen Kapazitätsauslastung ist die aktuelle konjunkturelle Eintrübung nicht als Einbruch, sondern als wirtschaftliche Beruhigungsphase zu werten. Die Realwirtschaft hat sich bislang, losgelöst von den Turbulenzen an den Finanzmärkten, positiv entwickelt. Die Verunsicherung der Finanzmärkte ist jedoch bereits spürbar.

Industrieunternehmen – aktuell hohe Kapazitätsauslastung

Die mainfränkischen Industrieunternehmen schätzen die derzeitige Geschäftslage weiter positiv ein. Rund 45 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einer guten und 50 Prozent von einer befriedigenden Geschäftslage. Insbesondere die mainfränkischen Maschinenbauunternehmen konnten die guten Geschäfte vom Frühjahr noch einmal verbessern. Die Auftragseingänge waren konstant auf hohem Niveau und die Produktionskapazitäten sind nahezu voll ausgelastet. Der Blick nach Vorne fällt insgesamt weniger optimistisch aus. Die Unternehmen rechnen vermehrt mit nachlassenden Auftragseingängen. Der Rückgang optimistischer Einschätzungen ist nicht als Einbruch zu werten. Dies zeigt sich daran, dass zwei Drittel der Industrieunternehmen von einer unveränderten Geschäftsentwicklung ausgehen.

Baugewerbe – gutes erstes Halbjahr

Das mainfränkische Baugewerbe beurteilt die aktuelle Geschäftslage weiter sehr positiv. Neun von zehn befragten Bauunternehmen beurteilen die Lage als gut oder befriedigend. Die positive Entwicklung ist auf ein gestiegenes Auftragsvolumen im Bereich Wohnungs- und Wirtschaftsbau zurückzuführen. Das Volumen öffentlicher Bauaufträge ist infolge auslaufender Fördermaßnahmen spürbar zurückgegangen. In den kommenden Monaten erwarten 83 Prozent eine konstante Geschäftsentwicklung. Der dynamische Aufschwung aus den ersten beiden Quartalen schwächt sich vor dem Hintergrund saisonaler Schwankungen und ausgelaufener Konjunkturpakte ab. Gleichzeitig nehmen die unternehmerischen Risiken zu. Insbesondere der Fachkräftemangel sowie steigende Energie und Rohstoffpreise werden als potenziellen Konjunkturrisiken angesehen.

Einzelhandel – Lage gut, Erwartungen verhalten

Die aktuelle Geschäftslage im mainfränkischen Einzelhandel wird weiter mehrheitlich als gut eingeschätzt. Sowohl der Einzelhandel mit Kraftfahrzeugen als auch mit Haushaltsgeräten, Textilien und Heimwerkerbedarf meldet positive Zahlen. Obwohl die Mehrheit der Befragten von einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung ausgeht (59 Prozent), hat sich der Blick nach vorne eingetrübt. Turbulenzen an den Börsen und Diskussionen über die Stabilität des Euro könnten die Verbraucher zunehmend verunsichern und die Konsumlaune reduzieren.

Großhandel – Geschäftslage noch stabil

Der Großhandel fungiert als Drehscheibe für die mainfränkische Wirtschaft. Die konjunkturelle Entwicklung der Branche ist eng an die wirtschaftliche Entwicklung im Einzelhandel und der Industrie gekoppelt. Die Geschäftslage der Großhändler hat sich, begünstigt durch die positive Entwicklung im Industriegewerbe und im Einzelhandel, noch einmal verbessert. Derzeit berichten 54 Prozent der mainfränkischen Großhändler von einer guten und 43 Prozent von einer zufriedenstellenden Geschäftslage. Die Erwartungen fallen jedoch pessimistischer aus. Die Umsatzerwartungen sind deutlich gesunken.

Dienstleistungsgewerbe – Fachkräfteengpässe spürbar

Die Beurteilung der mainfränkischen Dienstleistungsunternehmen zur aktuellen Geschäftslage im Herbst 2011 bleibt auf hohem Niveau stabil. Besonders die Bereiche Verkehr, Lagerwirtschaft und Logistik haben von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Monate profitiert. Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate haben sich im Vergleich zum Frühjahr eingetrübt. Die Entwicklung wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen sowie der zunehmende Fachkräftemangel stellen zukünftig die wichtigsten Herausforderungen für die mainfränkischen Dienstleistungsunternehmen dar. Gerade in der mainfränkischen Gesundheitswirtschaft, eine der Zukunftsbranchen der Region, wird die Deckung des Fachkräftebedarfs vom Facharzt bis zum Altenpfleger zunehmend zu einer großen Herausforderung.

Fachkräftesicherung – Herausforderung der Zukunft

Um das Produktionsniveau und die Innovationsfähigkeit stetig steigern zu können, benötigt die mainfränkische Wirtschaft eine ausreichende Anzahl an gut ausgebildeten Fachkräften, die die Produkte verstehen, produzieren, weiterentwickeln und vertreiben können. Die Arbeitslosenquote in Mainfranken beträgt derzeit 3,2 Prozent, in einzelnen Landkreisen wie beispielsweise Main-Spessart (2,3 Prozent) oder Schweinfurt (2,6 Prozent) ist die theoretische Vollbeschäftigungsgrenze von 3 Prozent schon unterschritten, das heißt, das verfügbare Arbeitskräftepotential ist bereits stark eingeschränkt. Im Hinblick auf die demographische Entwicklung und die zunehmende Nachfrage nach Fachpersonal wird die Deckung des Fachkräftebedarfs verstärkt zu einer unternehmerischen Herausforderung werden. Es gelte daher laut IHK, jetzt den Bedarf zu erkennen, um daraus Strategien für zukunftsorientiertes Handeln ableiten zu können. „Nur wenn der mainfränkischen Wirtschaft ein ausreichendes Fachkräftepotential zur Verfügung steht, kann die regionale Wettbewerbsfähigkeit zukünftig gehalten und ausgebaut werden.“, so IHK-Bereichsleiter Standort Dr. Alexander Zöller.

Die vollständigen Ergebnisse können im Internet unter http://www.wuerzburg.ihk.de/standort/konjunktur.html abgerufen werden.

Weitere Informationen: Lukas Kagerbauer, IHK, Tel. 0931 4194-361, E-Mail: lukas.kagerbauer(at)wuerzburg.ihk.de
Foto pixelio / Gerd Altmann

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