Würzburg | 29.09.2011
Einen Rundgang der anderen Art erlebt Würzburgs Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder im Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg. In dem Bildungszentrum für sehbehinderte Erwachsene absolviert er die ersten Besuchsstationen unter der Schwarzbrille.
BFW macht fürs Berufsleben fit
BFW-Geschäftsführer Alfred Schulz kann dem gelernten Augenoptiker so einen vagen Eindruck verschaffen, was es bedeutet, sich als Betroffener blind zu orientieren und mit täglichem Training selbstständig von A nach B zu kommen. Schwerpunkt der BFW-Arbeit ist es jedoch, blinde und sehbehinderte Erwachsene in möglichst kurzer Zeit wieder fit für das Berufsleben zu machen.
70 Prozent finden langfristig wieder Arbeit
Die Orientierung ohne Sehrest erfordert viel Konzentration. „Darf ich die Schwarzbrille jetzt wieder abnehmen?“, erkundigt sich Paul Lehrieder nach einiger Zeit und ist erleichtert, als er seine Augen zum Besuch des IT-Kurses wieder nutzen kann. „Über 70 Prozent unserer rund 200 sehbehinderten und blinden Absolventen finden langfristig wieder einen Arbeitsplatz“, betont BFW-Geschäftsführer Alfred Schulz gegenüber dem Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Würzburg.
Vorbehalte abbauen
Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet werden in Veitshöchheim vorwiegend in Büro-, Verwaltungs-, Metall- und IT-Berufen ausgebildet und erhalten anschließend Unterstützung beim Bewerben auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Viele Arbeitgeber haben immer noch Vorbehalte, blinde oder sehbehinderte Mitarbeiter einzustellen“, erklärt Schulz und ergänzt: „Mit den auf ihre Bedürfnisse maßgeschneiderten Hilfsmitteln, wie Bildschirm-Lesegeräten oder Braillezeilen, sind Mitarbeiter mit Seh-Handicap genauso leistungsfähig wie ihre sehenden Kollegen.“
Fotos mit Begleittext
Dass dem so ist, erfährt Paul Lehrieder im Kurs der angehenden Informatikkaufleute und Fachinformatiker des Bildungszentrums. BFW-Teilnehmer Martin Spernau erläutert dem CSU-Abgeordneten, wie sich blinde Menschen mittels der unterhalb der Tastatur angebrachten Braillezeile den Bildschirminhalt ertasten und sogar im Internet surfen können. „Wie sieht es mit Bildern aus?“, fragt der Bundestagsabgeordnete in die Runde. „Fotos sind für uns dann kein Problem, wenn sie in einem Begleittext beschrieben werden“, klären ihn die Teilnehmer des IT-Kurses auf.
eLearning wir großgeschrieben
Auch das Thema eLearning wird am BFW Würzburg großgeschrieben. Über 1000 Absolventen haben sich in den letzten Jahren am BFW ergänzend zum Unterricht über das Internet fortgebildet. Das Angebot auf der für blinde Menschen maßgeschneiderten Lernplattform umfasst über 20 verschiedene Kurse aus den Bereichen EDV, Kommunikation und Wirtschaft.
Weniger Teilnehmer
„Die Zahl unserer Teilnehmer geht seit 2010 merklich zurück“, betont BFW-Geschäftsführer Alfred Schulz beim Abschlussgespräch gegenüber Lehrieder, der im Bundestag stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales ist. Verantwortlich für den Rückgang und den damit fehlenden Einnahmen sei der rigide Sparkurs der Rehabilitationsträger, die die BFW-Leistungen finanzieren. „Der Sparkurs geht zu Lasten der blinden und sehbehinderten Menschen, die zurück in den Beruf möchten“, macht Schulz klar. Lehrrieder sagt zu, sich der Thematik anzunehmen und sich in weiteren Gesprächen für die Interessen der Betroffenen einzusetzen.
Bildunterschrift Tastmodell: MdB Paul Lehrieder (links) erfühlt beim Rundgang mit Geschäftsführer Alfred Schulz am Tastmodell des BFW Würzburg, an welcher Station des Bildungszentrums er sich gerade befindet.

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