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Oliver Bierhoff begeistert vom Blindenfußball

Würzburg | 18.01.2012

Blindenfußballer Blindenfußballer

„Ein Erlebnis der ganz besonderen Art“, schwärmt der Würzburger Blindenfußball-Bundesligaspieler Marcel Heim von den Eindrücken. Vor rund 3000 Zuschauern konnte die Spielgemeinschaft (SG) Würzburg/Mainz im Sindelfinger Glaspalast zeigen, was sie fußballerisch leisten kann.

Im Rahmen des 22. Mercedes Benz Junior Cups trafen die Würzburger und Mainzer Kicker in einem Demonstrationsspiel auf den amtierenden Deutschen Blindenfußballmeister MTV Stuttgart. Unmittelbar vor dem Hallenfinale der U19-Teams des Hamburger SV und des FSV Mainz 05 verblüfften die Blindenfußballer beider Mannschaften das Publikum mit schnellen Spielszenen und zwei sehenswerten Toren.

„Das Ergebnis von 0:2 steht heute absolut im Hintergrund. Entscheidend ist, dass wir vor einem solch großen Publikum unsere Sportart Blindenfußball demonstrieren und die Zuschauer derart begeistern konnten“, betonte Würzburgs Trainer Ansgar Lipecki kurz nach Abpfiff unter großem Beifall der Zuschauer. Der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, begrüßte die Würzburger und Mainzer Spieler per Handschlag. Im Gespräch mit dem Team zeigte er sich erstaunt über die flüssige Spielweise, die spannenden Torraumszenen und den Mut der Spieler, sich völlig blind aber dennoch zielsicher auf dem Platz zu bewegen.

Blindenfußball in Deutschland seit 2006

Blindenfußball gibt es in Deutschland seit 2006, die Blindenfußball-Bundesliga startete im März 2008 und das Würzburger Team ist von Beginn an dabei. Seither steigert sich die einzige bayerische Blindenfußballmannschaft, die dem Vitalsport-Verein (VSV) Würzburg angegliedert ist, von Jahr zu Jahr. In der vergangenen Saison erreichte das Team mit Platz 4 die beste Platzierung der Vereinsgeschichte.

In die Mitte der Gesellschaft rücken

Neben vier blinden Feldspielern gehört ein sehender Torwart zum Blindenfußball-Team. Enrico Göbel, Torhüter des Bundesligisten, sieht den Blindenfußball nicht nur als tollen Sport an: „Tage wie dieser sind wichtig, um den Blindenfußball in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Zu diesem Zweck gehen Spieler wie Marcel Heim oder mein Torwartkollege Bernd Bergmann im Rahmen der Initiative ‚Telekom - Neue Sporterfahrung’ bundesweit an Schulen, um Jugendlichen diese großartige Sportart näherzubringen.“

Handicaps abbauen

Der Bekanntheitsgrad könne so erhöht und Berührungsängste zu Menschen mit Handicap „spielerisch“ abgebaut werden, ist Göbel überzeugt. Überhaupt gehe es bei blinden und sehbehinderten Sportlern nicht um Menschen zweiter Klasse, wie zu oft der Eindruck vermittelt werde. Das Würzburg-Mainzer Team sei ein tolles Beispiel für gelebte Inklusion. „Ich habe als sehender Torwart nicht das Gefühl, mit behinderten, sondern mit gleichgesinnten Sportlern gemeinsame Ziele zu verfolgen“, betont Göbel und ergänzt: „Wir haben alle Spaß am Fußball und möchten zusammen erfolgreich sein.“

Alltag und Liga

Der Diplom-Informatiker Enrico Göbel ist Fachlehrer am Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg, dessen Absolventen einen Teil der Mannschaft stellen. Im Bereich Informationstechnologie bildet der 29-Jährige blinde und sehbehinderte Menschen aus, die in Veitshöchheim ihre Qualifizierung zum Fachinformatiker oder Informatikkaufmann absolvieren. Ihm ist wichtig, ein gesundes Maß zwischen schulischem Alltag und den sportlichen Anforderungen der Liga zu finden: „Für mich ist Blindenfußball ein toller inklusiver Sport, der Blinde, Sehbehinderte und Sehende in einem Team zusammenbringt. Gemeinsam engagieren wir uns dafür, dass Menschen mit Handicap und der Blindenfußball in Deutschland mehr Akzeptanz erfahren.“

Die Saison 2012 beginnt für die SG Würzburg/Mainz am 14. und 15. April mit dem 1. Spieltag in Stuttgart.


Bild:

Das Team der SG Würzburg/Mainz konnte in Sindelfingen vor rund 3000 Zuschauern Blindenfußball demonstrieren.