Akademie Heiligenfeld

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Rund 700 Ärzte, Therapeuten, Coaches, Wissenschaftler, Menschen in helfenden und sozialen Berufen sowie Psychologen und Wirtschaftsvertreter haben vom 19. bis 22. Mai 2011 am Kongress "Seelen-Heil-Kunst" der Akademie Heiligenfeld in Bad Kissingen teilgenommen.

Während seiner Eröffnungsrede forderte der Ärztliche Direktor der Heiligenfeld Kliniken Dr. Joachim Galuska eine mehrperspektivische und menschlichere Medizin und Psychotherapie. "Die gegenwärtige Technologisierung und Ökonomisierung der Medizin sieht den Menschen nur noch als Kostenfaktor und Krankheitsträger. Dies bewirkt einen inhumanen Umgang mit von Leiden und Krankheit betroffenen Menschen", so Joachim Galuska.

Ganzheitliches Denken erforderlich

Er forderte angesichts der erschreckenden psychosozialen Lage in Deutschland, in der laut aktuellen Zahlen jährlich rund zwanzig bis dreißig Prozent der Bevölkerung eine psychische Störung erleiden, die Mediziner und Therapeuten auf, sich von der ideologischen Enge der wissenschaftlichen Psychotherapie zu befreien. "Nur durch ganzheitliches Denken, eine intuitive Medizin und die Anwendung integrativer Modelle können wir unsere Patienten als das sehen, was sie sind: Menschen, eingebunden in ihre persönlichen Lebensumfelder, die ihr eigenes Leben leben sollten und nicht ein Leben, das von anderen aufgezwungen wurde."

Psychosoziale Lage in Deutschland

Dem Eröffnungsvortrag von Joachim Galuska folgte eine Podiumsdiskussion zur psychosozialen Lage in Deutschland. Die drei Erstunterzeichner des von Joachim Galuska initiierten Aufrufs zur psychosozialen Lage Prof. Thomas Loew, Dr. Jochen von Wahlert und Klaus Buch diskutierten zusammen mit Joachim Galuska über die Frage "Wie krank sind wir wirklich?". Thomas Loew forderte in der Medizin ein Umdenken von der "Wertschöpfung zur Wertschätzung."

Glaube und Gesundheit 

Zu den weiteren Hauptreferenten des Kongresses zählte der Arzt und Geschäftsführer des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften Prof. Eckhard Nagel. Als ehemaliger Vorstand des evangelischen Kirchentages und Präsident des 2. Ökumenischen Kirchentages in München sprach er über den Zusammenhang von Glaube und Gesundheit. "Den Menschen nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Mitmensch zu betrachten, geht auf die christliche Tradition des Heilens zurück", so Prof. Nagel in seiner Rede. Für Patienten, die verzweifelt sind, sei es von unschätzbarem Wert, wenn ihr Arzt mit seinen Gedanken gegenwärtig sei und ihnen achtsam Zuwendung und Hoffnung schenke, erklärte Nagel. Ergänzt wurden die Vorträge mit moderierten Dialogen zu den Themen "Pluralismus in der Medizin", "Burn-out in Gesundheitsberufen" und "Leadership in Gesundheitseinrichtungen".

Workshops und Vorträge

Zahlreiche Workshops luden die Teilnehmer an den Nachmittagen dazu ein, die Impulse aus den Vorträgen aktiv anzuwenden und durch Selbsterfahrungs-Sequenzen die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Einen Blick in die eigene Seele ermöglichte zum Beispiel der Workshop "SoulCollage", in dem die Teilnehmer mit verschiedenen Bildern Kollagen erstellten, die Dinge aus ihrer eigenen Seele widerspiegeln. "Für mich war es eine große Herausforderung, mich unter den vielen Bildern für eine Kollage zu entscheiden. So lernt man aber, sich auf das wirklich Wesentliche zu konzentrieren", resümierte eine Teilnehmerin.

Pflanzung eines Seelen-Baums

Im Rahmen des Kongresses haben die Heiligenfeld Kliniken einen sogenannten „Seelen-Baum“ im Kurpark von Bad Kissingen gestiftet. Der Gingko-Baum wurde von den Kongressteilnehmern, Dr. Joachim Galuska und Fritz Lang am Freitagnachmittag im Kurpark gepflanzt. „Dieser ‚Seelen-Baum‘ soll uns immer daran erinnern, uns auf unsere Seele als Menschen zu besinnen, uns Zeit und Raum für unsere Seele zu geben“, erklärte Dr. Joachim Galuska bei der Pflanzung. Außerdem sei er Teil des Aufrufs zum Dialog über die psychosoziale Lage unserer Gesellschaft, den Galuska mit 21 leitenden Ärzten aus ganz  Deutschland initiiert hat. Insgesamt standen über 500 kleine Bäumchen am Regentenbau zur Verfügung. Jeder Teilnehmer konnte sich einen Baum mit nach Hause nehmen, um ihn an einer beliebigen Stelle zu pflanzen. "So entstehen deutschlandweit verschiedene Baum-Stationen, die uns innehalten lassen", erklärte Joachim Galuska.

Dr. Wolf Büntig zum Abschluss: „Leben lernen“

Den Abschluss des Kongresses bildete der Arzt und Psychotherapeut Dr. Wolf Büntig mit dem Thema "Persönlich leben – Leben als Heil-Kunst-Werk". Büntig zeigte auf, dass die Menschen schon das "Leben lernen", bevor sie überhaupt bewusst denken können: "Zwischen der Hälfte der Schwangerschaft und dem 18. Lebensmonat ist unser Gehirn komplett ausgebildet. Wir haben also schon im Kopf, wie das Leben funktioniert. Deshalb ist der Satz 'Erst denken, dann reden' das Unsinnigste, was man jemandem sagen kann." Zudem ging er darauf ein, dass in der heutigen Zeit viele Kinder "überfordert, aber unterfördert sind". "Im Grunde brauchen wir Menschen einfach nur Beachtung, als die, die wir sind. Sonst werden wir als Original geboren und sterben als Kopie, weil wir immer versuchen, die Vorstellungen anderer zu befriedigen."

Der Kongress "Seelen-Heil-Kunst" war der sechste Kongress zu den Themen "Psychotherapie und Medizin". Im nächsten Jahr findet wieder ein großer Wirtschaftskongress statt. Mit dem Titel "Wirtschaft und Gesundheit" sollen vom 16. bis 19. Mai 2012 Impulse für eine gesunde Arbeit in Unternehmen gegeben werden.

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Während seiner Eröffnungsrede forderte der Ärztliche Direktor der Heiligenfeld Kliniken Dr. Joachim Galuska eine mehrperspektivische und menschlichere Medizin und Psychotherapie. "Die gegenwärtige Technologisierung und Ökonomisierung der Medizin sieht den Menschen nur noch als Kostenfaktor und Krankheitsträger. Dies bewirkt einen inhumanen Umgang mit von Leiden und Krankheit betroffenen Menschen", so Joachim Galuska.

Ganzheitliches Denken erforderlich

Er forderte angesichts der erschreckenden psychosozialen Lage in Deutschland, in der laut aktuellen Zahlen jährlich rund zwanzig bis dreißig Prozent der Bevölkerung eine psychische Störung erleiden, die Mediziner und Therapeuten auf, sich von der ideologischen Enge der wissenschaftlichen Psychotherapie zu befreien. "Nur durch ganzheitliches Denken, eine intuitive Medizin und die Anwendung integrativer Modelle können wir unsere Patienten als das sehen, was sie sind: Menschen, eingebunden in ihre persönlichen Lebensumfelder, die ihr eigenes Leben leben sollten und nicht ein Leben, das von anderen aufgezwungen wurde."

Psychosoziale Lage in Deutschland

Dem Eröffnungsvortrag von Joachim Galuska folgte eine Podiumsdiskussion zur psychosozialen Lage in Deutschland. Die drei Erstunterzeichner des von Joachim Galuska initiierten Aufrufs zur psychosozialen Lage Prof. Thomas Loew, Dr. Jochen von Wahlert und Klaus Buch diskutierten zusammen mit Joachim Galuska über die Frage "Wie krank sind wir wirklich?". Thomas Loew forderte in der Medizin ein Umdenken von der "Wertschöpfung zur Wertschätzung."

Glaube und Gesundheit 

Zu den weiteren Hauptreferenten des Kongresses zählte der Arzt und Geschäftsführer des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften Prof. Eckhard Nagel. Als ehemaliger Vorstand des evangelischen Kirchentages und Präsident des 2. Ökumenischen Kirchentages in München sprach er über den Zusammenhang von Glaube und Gesundheit. "Den Menschen nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Mitmensch zu betrachten, geht auf die christliche Tradition des Heilens zurück", so Prof. Nagel in seiner Rede. Für Patienten, die verzweifelt sind, sei es von unschätzbarem Wert, wenn ihr Arzt mit seinen Gedanken gegenwärtig sei und ihnen achtsam Zuwendung und Hoffnung schenke, erklärte Nagel. Ergänzt wurden die Vorträge mit moderierten Dialogen zu den Themen "Pluralismus in der Medizin", "Burn-out in Gesundheitsberufen" und "Leadership in Gesundheitseinrichtungen".

Workshops und Vorträge

Zahlreiche Workshops luden die Teilnehmer an den Nachmittagen dazu ein, die Impulse aus den Vorträgen aktiv anzuwenden und durch Selbsterfahrungs-Sequenzen die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Einen Blick in die eigene Seele ermöglichte zum Beispiel der Workshop "SoulCollage", in dem die Teilnehmer mit verschiedenen Bildern Kollagen erstellten, die Dinge aus ihrer eigenen Seele widerspiegeln. "Für mich war es eine große Herausforderung, mich unter den vielen Bildern für eine Kollage zu entscheiden. So lernt man aber, sich auf das wirklich Wesentliche zu konzentrieren", resümierte eine Teilnehmerin.

Pflanzung eines Seelen-Baums

Im Rahmen des Kongresses haben die Heiligenfeld Kliniken einen sogenannten „Seelen-Baum“ im Kurpark von Bad Kissingen gestiftet. Der Gingko-Baum wurde von den Kongressteilnehmern, Dr. Joachim Galuska und Fritz Lang am Freitagnachmittag im Kurpark gepflanzt. „Dieser ‚Seelen-Baum‘ soll uns immer daran erinnern, uns auf unsere Seele als Menschen zu besinnen, uns Zeit und Raum für unsere Seele zu geben“, erklärte Dr. Joachim Galuska bei der Pflanzung. Außerdem sei er Teil des Aufrufs zum Dialog über die psychosoziale Lage unserer Gesellschaft, den Galuska mit 21 leitenden Ärzten aus ganz  Deutschland initiiert hat. Insgesamt standen über 500 kleine Bäumchen am Regentenbau zur Verfügung. Jeder Teilnehmer konnte sich einen Baum mit nach Hause nehmen, um ihn an einer beliebigen Stelle zu pflanzen. "So entstehen deutschlandweit verschiedene Baum-Stationen, die uns innehalten lassen", erklärte Joachim Galuska.

Dr. Wolf Büntig zum Abschluss: „Leben lernen“

Den Abschluss des Kongresses bildete der Arzt und Psychotherapeut Dr. Wolf Büntig mit dem Thema "Persönlich leben – Leben als Heil-Kunst-Werk". Büntig zeigte auf, dass die Menschen schon das "Leben lernen", bevor sie überhaupt bewusst denken können: "Zwischen der Hälfte der Schwangerschaft und dem 18. Lebensmonat ist unser Gehirn komplett ausgebildet. Wir haben also schon im Kopf, wie das Leben funktioniert. Deshalb ist der Satz 'Erst denken, dann reden' das Unsinnigste, was man jemandem sagen kann." Zudem ging er darauf ein, dass in der heutigen Zeit viele Kinder "überfordert, aber unterfördert sind". "Im Grunde brauchen wir Menschen einfach nur Beachtung, als die, die wir sind. Sonst werden wir als Original geboren und sterben als Kopie, weil wir immer versuchen, die Vorstellungen anderer zu befriedigen."

Der Kongress "Seelen-Heil-Kunst" war der sechste Kongress zu den Themen "Psychotherapie und Medizin". Im nächsten Jahr findet wieder ein großer Wirtschaftskongress statt. Mit dem Titel "Wirtschaft und Gesundheit" sollen vom 16. bis 19. Mai 2012 Impulse für eine gesunde Arbeit in Unternehmen gegeben werden.

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