Netzwerk Bürgerengagement

Ungenutztes Engagementpotential ausschöpfen

Bild 1

Um Bürgerengagement drehte sich alles bei der Fachtagung des Netzwerk Bürgerengagement zur Förderung und Unterstützung des Ehrenamts im Landkreis Bad Kissingen.

In Bad Bocklet gaben Referenten aber auch Bürgerinnen und Bürger selbst einen Einblick in die Vielfalt der Angebote. Hinzu kamen Anregungen, selbständige Projekte in den Gemeinden auch umzusetzen. In den verschiedenen Gesprächsgruppen gab es Einblicke in bereits vorhandene Projekte, deren Umsetzung und Förderung. Dazu zählte zum Beispiel das Bürgerhaus der Dorfgemeinschaft Stralsbach, die Aktion "Bürger helfen Bürgern" in Oberaurach, aber auch "Senioren und Sport" oder "Kindertagesstätten."

Ehrenamt ist nicht mehr selbstverständlich

"Wir brauchen Menschen vor Ort", sagte Georg Schulz-Hertlein von der Servicestelle Bürgerengagement am Landratsamt Bad Kissingen und Projektmanagerin Aline Liebenberg vom Institut für soziale und kulturelle Arbeit (ISKA gGmbH/Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern) meinte, dass es heute gar nicht mehr so selbstverständlich sei sich in den Ortschaften ehrenamtlich zu engagieren. Die stellvertretende Landrätin Magdalena Dünisch (Bad Kissingen) stellte fest, dass Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen länger gesund bleiben und länger leben. Wichtig sei es den individuellen Bedarf vor Ort zu ermitteln. Dank sagte sie, auch im Namen von Landrat Thomas Bold, an Georg Schulz-Hertlein, den sie als Motor des Projektes im Landkreis Bad Kissingen bezeichnete. Bad Bocklets Bürgermeister Back stellte fest, dass in seiner Gemeinde die 64 Vereine aktiv sind und er ihnen freie Hand lässt. Etwas, das sehr gut funktioniere.

Nachbarschaftshilfen sind wichtig

Dr. Thomas Röbke vom Projektmanagement "Netzwerk Bürgerengagement" sagte, dass es oftmals unglaublich sei, was Menschen an bürgerschaftlichem Engagement zeigen. So seien zum Beispiel Nachbarschaftshilfen wichtig, um eine Vereinsamung zu verhindern. "Wir brauchen starke Kommunen, in die das Ehrenamt verankert ist," sagte der Referent und stellte das Bad Kissinger Modell als Vorbild heraus. Neue Ideen seien wichtig. Georg Schulz-Hertlein erinnerte an die Anfänge des Projekte, das schließlich 2010 über eine Leader Förderung "ins Laufen kam" und bis 2015 gefördert wird. Vier Regionalkonferenzen gab es zwischenzeitlich, bei denen es unter anderem um "Mein Recht im Ehrenamt" ging aber auch um die Bürokratie, die nach wie vor ein großes Problem darstellt. Geplant ist ein Veranstaltungskalender, der über eine Web-Seite öffentlich gemacht werden soll.

Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement

Nachbarschaftshilfen, Bürgerhilfen und Generationshilfen habe man angekurbelt und eine Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement geschaffen, in der acht Kommunen vertreten sind. "Ich dät amol helf", das sei ein Ausspruch von Bürgern, den man hören müsse. Er zeige, dass es ungenutztes Engagement gibt, das noch nicht ganz erschlossen ist. So ist im Landkreis Bad Kissingen eine Aktivbörse angedacht, um Mitbürger bei Projekten mit einzubinden. Koordination sei wichtig. "Mehr weniger, aber mehr gemeinsam!" Das ist das Motto von Georg Schulz-Hertlein, der dazu auch Beispiele, wie einen Begegnungsgarten oder die Dorflinde in Stralsbach parat hatte. Im Landkreis Bad Kissingen gibt es zu derartigen Projekten entsprechende Unterstützung. So ist als nächste der Aufbau einer Engagement- und Ehrenamtsbörse angedacht.

Thema ist keine Eintagsfliege

Professor  Dr. Paul-Stefan Roß (Duale Hochschule Baden-Württemberg) aus Stuttgart beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Thema und betonte, dass das Thema keine Eintagesfliege ist. Zum demografischen Wandel stellte er fest, dass gerade hier das bürgerschaftliche Engagement vorhanden ist. Man müsse neue Wege gehen und das Engagement auch fördern. In Baden Württemberg gibt es dazu bereits ein Landesnetzwerk, das sich sehr gut bewährt. Gerade der demographische Wandel bringe steigende Engagementquoten vor allem bei älteren Menschen. In den letzten zehn Jahren seien es gerade die 60 bis 69 Jährigen, die sich für ein Ehrenamt begeistern lassen. Bei den 14 bis 19-Jährigen wiederum sei ein leichter Rückgang zu verzeichnen. "Man kann aber keinesfalls sagen, dass sich die Jugend nicht einbringt." Der Referent nannte die kulturelle Vielfalt in den Dörfern draußen und nannte das bürgerschaftliche Engagement eine große Chance, die es zu nutzen gilt.

Kein Allheilmittel gegen den demographischen Wandel 

Das sei natürlich kein Allheilmittel zur Bewältigung des demographischen Wandels und man dürfe die Erwartungslatte für ehrenamtliches Engagement nicht zu hoch legen. Freiwilliges Engagement bedeute letztendlich auch menschliche Nähe. Wichtig für ältere Menschen sei es gerade im ländlichen Raum mobil zu bleiben. "Wir müssen offen sein für den Wandel und auch einmal das Dorf neu erfinden." Es gelte, so Professor Dr. Paul-Stefan Roß etwas zu akzeptieren und nach neuen Lösungen zu suchen. Wichtig sei es, dass die engagierten Bürger nicht als Lückenbüßer oder gar Störfaktor gesehen werden. Klar sei, dass, wer mitmachen will oftmals auch mitbestimmen will. Gerade hier gelte es beim bürgerschaftlichen Engagement eine Lösung zu finden: Gemeinsam nachdenken und entscheiden, sei das Lösungswort.

Gesprächsgruppen und Projekte

In den Gesprächsgruppen wurden am Nachmittag die einzelnen Projekte vorgestellt. "Eine Stunde Zeit füreinander" ist eine Initiative der Pfarreiengemeinschaft Bad Kissingen. Angeboten werden diese Dienste in der Stadt und den umliegenden Ortschaften. "Bürger helfen Bürgern", ist eine einfache und unkomplizierte Nachbarschaftshilfe  in Oberaurach. Hier hat man sogar ein Logo und eine Plakette entwickelt. Die Initiative will Generationen zusammen bringen. Die "Dorflinde Langenfeld" war ein Thema. Dabei geht es um ein Mehrgenerationenhaus im Ort. In Stralsbach entstand ein Dorfgemeinschaftshaus, um die Vereine, die Freizeitaktivitäten und die Geselligkeit zu fördern und es gibt den Vereinsring Riedenberg, der sogar ein eigenes Vereinsblatt "das Vereinsmeierle" herausgibt. Schließlich wurden Strukturen zur Förderung des Engagements im Landkreis Bad Kissingen vorgestellt. Hier war die Servicestelle Bürgerengagement gefragt.

Bildunterschrift

Professor Dr. Paul-Stefan Roß, Duale Hochschule Baden-Württemberg (Stuttgart), Georg Schulz-Hertlein (Netzwerk Bürgerengagement Bad Kissingen) im Gespräch mit der stellvertretenden Landrätin Magdalena Dünisch und Aline Liebenberg vom Institut für soziale und kulturelle Arbeit Bayern. Foto: Hanns Friedrich

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Ungenutztes Engagementpotential ausschöpfen

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Um Bürgerengagement drehte sich alles bei der Fachtagung des Netzwerk Bürgerengagement zur Förderung und Unterstützung des Ehrenamts im Landkreis Bad Kissingen.

In Bad Bocklet gaben Referenten aber auch Bürgerinnen und Bürger selbst einen Einblick in die Vielfalt der Angebote. Hinzu kamen Anregungen, selbständige Projekte in den Gemeinden auch umzusetzen. In den verschiedenen Gesprächsgruppen gab es Einblicke in bereits vorhandene Projekte, deren Umsetzung und Förderung. Dazu zählte zum Beispiel das Bürgerhaus der Dorfgemeinschaft Stralsbach, die Aktion "Bürger helfen Bürgern" in Oberaurach, aber auch "Senioren und Sport" oder "Kindertagesstätten."

Ehrenamt ist nicht mehr selbstverständlich

"Wir brauchen Menschen vor Ort", sagte Georg Schulz-Hertlein von der Servicestelle Bürgerengagement am Landratsamt Bad Kissingen und Projektmanagerin Aline Liebenberg vom Institut für soziale und kulturelle Arbeit (ISKA gGmbH/Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern) meinte, dass es heute gar nicht mehr so selbstverständlich sei sich in den Ortschaften ehrenamtlich zu engagieren. Die stellvertretende Landrätin Magdalena Dünisch (Bad Kissingen) stellte fest, dass Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen länger gesund bleiben und länger leben. Wichtig sei es den individuellen Bedarf vor Ort zu ermitteln. Dank sagte sie, auch im Namen von Landrat Thomas Bold, an Georg Schulz-Hertlein, den sie als Motor des Projektes im Landkreis Bad Kissingen bezeichnete. Bad Bocklets Bürgermeister Back stellte fest, dass in seiner Gemeinde die 64 Vereine aktiv sind und er ihnen freie Hand lässt. Etwas, das sehr gut funktioniere.

Nachbarschaftshilfen sind wichtig

Dr. Thomas Röbke vom Projektmanagement "Netzwerk Bürgerengagement" sagte, dass es oftmals unglaublich sei, was Menschen an bürgerschaftlichem Engagement zeigen. So seien zum Beispiel Nachbarschaftshilfen wichtig, um eine Vereinsamung zu verhindern. "Wir brauchen starke Kommunen, in die das Ehrenamt verankert ist," sagte der Referent und stellte das Bad Kissinger Modell als Vorbild heraus. Neue Ideen seien wichtig. Georg Schulz-Hertlein erinnerte an die Anfänge des Projekte, das schließlich 2010 über eine Leader Förderung "ins Laufen kam" und bis 2015 gefördert wird. Vier Regionalkonferenzen gab es zwischenzeitlich, bei denen es unter anderem um "Mein Recht im Ehrenamt" ging aber auch um die Bürokratie, die nach wie vor ein großes Problem darstellt. Geplant ist ein Veranstaltungskalender, der über eine Web-Seite öffentlich gemacht werden soll.

Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement

Nachbarschaftshilfen, Bürgerhilfen und Generationshilfen habe man angekurbelt und eine Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement geschaffen, in der acht Kommunen vertreten sind. "Ich dät amol helf", das sei ein Ausspruch von Bürgern, den man hören müsse. Er zeige, dass es ungenutztes Engagement gibt, das noch nicht ganz erschlossen ist. So ist im Landkreis Bad Kissingen eine Aktivbörse angedacht, um Mitbürger bei Projekten mit einzubinden. Koordination sei wichtig. "Mehr weniger, aber mehr gemeinsam!" Das ist das Motto von Georg Schulz-Hertlein, der dazu auch Beispiele, wie einen Begegnungsgarten oder die Dorflinde in Stralsbach parat hatte. Im Landkreis Bad Kissingen gibt es zu derartigen Projekten entsprechende Unterstützung. So ist als nächste der Aufbau einer Engagement- und Ehrenamtsbörse angedacht.

Thema ist keine Eintagsfliege

Professor  Dr. Paul-Stefan Roß (Duale Hochschule Baden-Württemberg) aus Stuttgart beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Thema und betonte, dass das Thema keine Eintagesfliege ist. Zum demografischen Wandel stellte er fest, dass gerade hier das bürgerschaftliche Engagement vorhanden ist. Man müsse neue Wege gehen und das Engagement auch fördern. In Baden Württemberg gibt es dazu bereits ein Landesnetzwerk, das sich sehr gut bewährt. Gerade der demographische Wandel bringe steigende Engagementquoten vor allem bei älteren Menschen. In den letzten zehn Jahren seien es gerade die 60 bis 69 Jährigen, die sich für ein Ehrenamt begeistern lassen. Bei den 14 bis 19-Jährigen wiederum sei ein leichter Rückgang zu verzeichnen. "Man kann aber keinesfalls sagen, dass sich die Jugend nicht einbringt." Der Referent nannte die kulturelle Vielfalt in den Dörfern draußen und nannte das bürgerschaftliche Engagement eine große Chance, die es zu nutzen gilt.

Kein Allheilmittel gegen den demographischen Wandel 

Das sei natürlich kein Allheilmittel zur Bewältigung des demographischen Wandels und man dürfe die Erwartungslatte für ehrenamtliches Engagement nicht zu hoch legen. Freiwilliges Engagement bedeute letztendlich auch menschliche Nähe. Wichtig für ältere Menschen sei es gerade im ländlichen Raum mobil zu bleiben. "Wir müssen offen sein für den Wandel und auch einmal das Dorf neu erfinden." Es gelte, so Professor Dr. Paul-Stefan Roß etwas zu akzeptieren und nach neuen Lösungen zu suchen. Wichtig sei es, dass die engagierten Bürger nicht als Lückenbüßer oder gar Störfaktor gesehen werden. Klar sei, dass, wer mitmachen will oftmals auch mitbestimmen will. Gerade hier gelte es beim bürgerschaftlichen Engagement eine Lösung zu finden: Gemeinsam nachdenken und entscheiden, sei das Lösungswort.

Gesprächsgruppen und Projekte

In den Gesprächsgruppen wurden am Nachmittag die einzelnen Projekte vorgestellt. "Eine Stunde Zeit füreinander" ist eine Initiative der Pfarreiengemeinschaft Bad Kissingen. Angeboten werden diese Dienste in der Stadt und den umliegenden Ortschaften. "Bürger helfen Bürgern", ist eine einfache und unkomplizierte Nachbarschaftshilfe  in Oberaurach. Hier hat man sogar ein Logo und eine Plakette entwickelt. Die Initiative will Generationen zusammen bringen. Die "Dorflinde Langenfeld" war ein Thema. Dabei geht es um ein Mehrgenerationenhaus im Ort. In Stralsbach entstand ein Dorfgemeinschaftshaus, um die Vereine, die Freizeitaktivitäten und die Geselligkeit zu fördern und es gibt den Vereinsring Riedenberg, der sogar ein eigenes Vereinsblatt "das Vereinsmeierle" herausgibt. Schließlich wurden Strukturen zur Förderung des Engagements im Landkreis Bad Kissingen vorgestellt. Hier war die Servicestelle Bürgerengagement gefragt.

Bildunterschrift

Professor Dr. Paul-Stefan Roß, Duale Hochschule Baden-Württemberg (Stuttgart), Georg Schulz-Hertlein (Netzwerk Bürgerengagement Bad Kissingen) im Gespräch mit der stellvertretenden Landrätin Magdalena Dünisch und Aline Liebenberg vom Institut für soziale und kulturelle Arbeit Bayern. Foto: Hanns Friedrich

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