Empirische Studie

Verhaltensorientierte Projekte können positiven Einfluss auf das individuelle Verhalten auslösen

Am Beispiel der Händedesinfektion und Zigarettenentsorgung lernen Studierende, ihr Wissen einzusetzen.

18 Studierende des Bachelorstudiengangs Angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt führten zwei verhaltensorientierte Projekte durch: Zum einen wollten sie Mensabesucher zum Händedesinfizieren veranlassen, zum anderen Kommilitonen dazu bewegen, die Filter der fertiggerauchten Zigaretten in die Abfalleimer zu entsorgen. Die Projekte sind Teil des Seminars „Weltverbesserungsprojekt“, betreut von Professor Dr. Christoph Bördlein. Viele Studierende engagieren sich innerhalb und außerhalb des Studiums dafür, dass die Welt zu einem besseren Ort wird – indem sie in Initiativen mitarbeiten oder sich anderweitig für gute Zwecke einsetzen. Allerdings bleibt bei diesem Engagement oft offen, ob das Verhalten der Mitbürger tatsächlich verändert wurde, sie weniger Müll verursachen, mehr für die Umwelt tun oder mehr Rücksicht auf andere nehmen. Anhand der Projekte könnten die Studierenden lernen, dass ihre Interventionen zu einer dauerhaften Veränderung des Verhaltens von Menschen im öffentlichen Raum führen, statt einfach nur darauf zu hoffen, dass ihr Engagement schon Früchte tragen werde. Zudem können sie bei den Projekten methodisch einwandfrei nachweisen, wie erfolgreich sie waren, welche Interventionen wirkten und welche nicht. Es ginge also darum, Gutes zu bewirken und dies auch belegen zu können. 

Das erste Team, das sich der „artgerechten Kippenentsorgung“ gewidmet hatte, zählte während der Studie jeden Tag die Zahl der Zigarettenreste, die in ihrem ausgewählten Interventionsbereich vor dem Haupteingang der FHWS in der Münzstraße 12 lagen. Das Ziel der Intervention war, die dort rauchenden Mit-Studierenden zu motivieren, ihre Kippen in den Ascheimer statt auf den Boden zu werfen. Als erste Intervention entwarf die Kommunikationsdesign-Studentin Olga Pieritz Aufkleber für die Abfalleimer sowie ein Informationsposter zum Aushang in den Hörsälen. Diese Poster enthielten Informationen über die Schäden, die Zigarettenfilter in der Umwelt verursachen. Die Aufkleber auf den Abfalleimern ermunterten die Raucher, sich mit den Informationen des Posters zu beschäftigen. Vor dem Haupteingang „forderte“ der Abfalleimer auf zu einer „artgerechten Kippenentsorgung“. In einer weiteren Intervention standen Studierende mit Pfeilen im Raucherbereich, die auf die Abfalleimer hindeuteten. Wer seine Zigarettenkippe in den Eimer statt auf den Boden warf, wurde mit einem grünen „Danke“-Pfeil belohnt.

Menschen sind durch positive Verstärkung ihres Verhaltens zu motivieren

Die Wirkung der Interventionen lässt sich an der Ergebnisgrafik ablesen. Durch die beiden Interventionen konnte die Anzahl der auf dem Boden liegenden Zigaretten von durchschnittlich über vierzig auf weniger als zwanzig am Tag reduziert werden.

Dies lässt darauf schließen, dass Informationen und persönliche Aufforderungen zu einer individuellen Verhaltensveränderung und Einsicht bei den Rauchern beitragen können. Die Stadt Würzburg weist zwar bei „Verunreinigung durch achtlos weggeworfene Zigarettenkippen vor Schulen, Haltestellen, Einkaufsmärkte, Gaststätten und Lokalen“ auf den Paragrafen 3 der Sicherheitsverordnung hin, nach dem eine Verwarnung in Höhe von zehn Euro erhoben werden kann – jedoch stellt die Kontrolle eine große Herausforderung dar. Die studentische Initiative für Natur und Nachhaltigkeit an der FHWS „S.I.N.N.“ möchte diese begonnene Initiative gern fortführen.

Das zweite Projekt bezog sich auf die Spender mit Desinfektionsflüssigkeit in der Mensa, die die studentische Gruppe des letzten Sommersemesters bereits erstmalig aufgestellt hatte. In einem ersten Schritt wurde die Zahl der Besucher festgehalten, die, ohne dass ein Hinweis auf die neuen Reinigungsmöglichkeiten gegeben wurde, sich die Hände desinfizierten. Anschließend erstellten die Studierenden, die von der der italienischen Masterstudentin Maria Rosa Miccoli betreut wurden, eine erste Intervention. Diese bestand in roten Pfeilen, die zu den jeweiligen Händedesinfektionsgeräten deuteten, begleitet von einem Plakat, auf dem in humorvoller Weise zum Benutzen des Desinfektionsmittels aufgefordert wurde. In der zweiten Interventionsphase erhielten diejenigen, die sich die Hände desinfizierten, über Tablets, die oberhalb der Desinfektionsgeräte installiert wurden, ein positives Feedback. Nahm ein Mensagast Desinfektionsmittel, poppte auf dem Tabletmonitor über dem Spender ein Bild auf, auf dem ihm / ihr dafür gedankt wurde (die Tablets wurden von den Studierenden fernbedient). In einer wissenschaftlichen Auswertung konnte das Team eine rund zwanzigprozentige Erhöhung des Anteils der Mensabesucher, die sich die Hände desinfizierten, feststellen. Allerdings registrierten die Studierenden auch Nachteile der Intervention. Dadurch, dass die beiden Geräte sowie die Tablets recht dunkel waren, hoben sie sich optisch nur wenig von dem Hintergrund der Desinfektionsmittelspender ab. Sonst, so die Studierenden, wäre vermutlich mit einer noch höheren Nutzerzahl zu rechnen gewesen.

Menschen, so resümierten die Studierenden abschließend, seien weniger durch Strafmaßnahmen, als vielmehr durch positive Verstärkung ihres Verhaltens zu motivieren. Sie würden Aufforderungen dann folgen, wenn ihnen der Sinn oder Kontext erläutert werde und sie verstehen, was ihre Verhaltensänderung bewirke. Generell ließe sich auch beobachten, dass, wenn der Aufwand für das Verhalten groß sei, weniger Menschen zu den gewünschten Handlungen zu bewegen seien.

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Menschen sind durch positive Verstärkung ihres Verhaltens zu motivieren

Die Wirkung der Interventionen lässt sich an der Ergebnisgrafik ablesen. Durch die beiden Interventionen konnte die Anzahl der auf dem Boden liegenden Zigaretten von durchschnittlich über vierzig auf weniger als zwanzig am Tag reduziert werden.

Dies lässt darauf schließen, dass Informationen und persönliche Aufforderungen zu einer individuellen Verhaltensveränderung und Einsicht bei den Rauchern beitragen können. Die Stadt Würzburg weist zwar bei „Verunreinigung durch achtlos weggeworfene Zigarettenkippen vor Schulen, Haltestellen, Einkaufsmärkte, Gaststätten und Lokalen“ auf den Paragrafen 3 der Sicherheitsverordnung hin, nach dem eine Verwarnung in Höhe von zehn Euro erhoben werden kann – jedoch stellt die Kontrolle eine große Herausforderung dar. Die studentische Initiative für Natur und Nachhaltigkeit an der FHWS „S.I.N.N.“ möchte diese begonnene Initiative gern fortführen.

Das zweite Projekt bezog sich auf die Spender mit Desinfektionsflüssigkeit in der Mensa, die die studentische Gruppe des letzten Sommersemesters bereits erstmalig aufgestellt hatte. In einem ersten Schritt wurde die Zahl der Besucher festgehalten, die, ohne dass ein Hinweis auf die neuen Reinigungsmöglichkeiten gegeben wurde, sich die Hände desinfizierten. Anschließend erstellten die Studierenden, die von der der italienischen Masterstudentin Maria Rosa Miccoli betreut wurden, eine erste Intervention. Diese bestand in roten Pfeilen, die zu den jeweiligen Händedesinfektionsgeräten deuteten, begleitet von einem Plakat, auf dem in humorvoller Weise zum Benutzen des Desinfektionsmittels aufgefordert wurde. In der zweiten Interventionsphase erhielten diejenigen, die sich die Hände desinfizierten, über Tablets, die oberhalb der Desinfektionsgeräte installiert wurden, ein positives Feedback. Nahm ein Mensagast Desinfektionsmittel, poppte auf dem Tabletmonitor über dem Spender ein Bild auf, auf dem ihm / ihr dafür gedankt wurde (die Tablets wurden von den Studierenden fernbedient). In einer wissenschaftlichen Auswertung konnte das Team eine rund zwanzigprozentige Erhöhung des Anteils der Mensabesucher, die sich die Hände desinfizierten, feststellen. Allerdings registrierten die Studierenden auch Nachteile der Intervention. Dadurch, dass die beiden Geräte sowie die Tablets recht dunkel waren, hoben sie sich optisch nur wenig von dem Hintergrund der Desinfektionsmittelspender ab. Sonst, so die Studierenden, wäre vermutlich mit einer noch höheren Nutzerzahl zu rechnen gewesen.

Menschen, so resümierten die Studierenden abschließend, seien weniger durch Strafmaßnahmen, als vielmehr durch positive Verstärkung ihres Verhaltens zu motivieren. Sie würden Aufforderungen dann folgen, wenn ihnen der Sinn oder Kontext erläutert werde und sie verstehen, was ihre Verhaltensänderung bewirke. Generell ließe sich auch beobachten, dass, wenn der Aufwand für das Verhalten groß sei, weniger Menschen zu den gewünschten Handlungen zu bewegen seien.

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