„#Hass … und was sagst du dazu?“

2. Präventionsfachtag Radikalisierung tagte mit aktuellem Thema

Erleben wir derzeit tatsächlich eine Verrohung der Sprache? War das nicht immer schon so? Oder haben wir uns einfach schon daran gewöhnt? Mit den Themen Hass und Hetze, Beleidigungen und Verleumdungen, Fake News und Hate Speech, linke Sprüche und rechte Parolen, die uns im Alltag, in den digitalen Medien und sozialen Netzwerken begegnen, beschäftigte sich der zweite Fachtag, zu dem das Präventionsnetzwerk Radikalisierung von Stadt und Landkreis Würzburg eingeladen hatte.

Das Präventionsnetzwerk Radikalisierung wurde im November 2017 gegründet, um vorbeugende Arbeit zu leisten, damit Jugendliche nicht in die Fänge extremistischer Ideologien geraten. Das Netzwerk arbeitet mittlerweile mit mehr als 300 Einzelpersonen und weit über 100 Institutionen und Einrichtungen zusammen.

„Aufgrund steigender antisemitischer Äußerungen in der Öffentlichkeit, vermehrter Berichterstattung über Hass und Hetze im Netz und vor allem zahlreicher Anfragen von Schulen nach Projekten im Umgang mit Verrohungstendenzen bei der Sprache haben wir das Thema Hass und Hetze für die Tagung gewählt“, erklärte Jürgen Schwab.

So konnte stellvertretende Landrätin Christine Haupt-Kreutzer und die Würzburger Sozialreferentin Dr. Hülya Düber sowie die Leitung des Präventionsnetzwerkes Radikalisierung, Elena Enzmann (Stadt Würzburg) und Jürgen Schwab (Landkreis Würzburg) zum Eröffnungsvortrag Prof. Dr. Konstanze Marx von der Universität Greifswald im vollbesetzten großen Sitzungssaal des Landratsamtes Würzburg begrüßen.

Enthemmung im digitalen Sagbarkeitsraum

Konstanze Marx referierte über „Sprache, Soziale Medien und Verrohung“ und stellte folgende Thesen auf: Es sei eine zu pauschale Formel, dass die sprachliche Verrohung ein Resultat der Internetkommunikation ist, so Marx. Grundsätzlich sei das Internet ein Sagbarkeitsraum, den sich Menschen erschließen, der eine verbesserte, ehrlichere Interaktion ermöglicht und in dem wichtige gesellschaftliche Debatten angestoßen werden. Jedoch wird dieser Sagbarkeitsraum auch missbraucht für unreflektierte Wut, für Drohungen und Hass. Somit wird ein zivilisierter, demokratischer Diskurs gefährdet. In den digitalen Medien kann ein Enthemmungseffekt auftreten, begünstigt durch die Anonymität und die ständige Zugänglichkeit. Es komme zu Grenzüberschreitungen. Durch diese Entwicklung werden Fragen aufgeworfen nach einer Authentifizierungspflicht in den Sozialen Medien oder nach einem geregelten Zugang zu kindeswohlgefährdenden Inhalten.

Es bilden sich sogenannte Echokammern, in denen Hate Speech bestätigt wird und Resonanz findet. Ob eine Äußerung noch Kritik oder schon Hasssprache ist, muss unterschieden werden, so Marx. Kritik kommt ohne Schuldzuweisungen und ohne verbale Aggressivität aus und will den Adressaten zur Änderung seiner Handlung oder Meinung motivieren. Voraussetzungen für Kritik seien Beobachtungsgabe und Mitleid.

Das Fazit von Konstanze Marx lautete: Verrohung ist kein sprachliches Phänomen, sondern kann anhand von sprachlichen Äußerungen sichtbar werden. Es ist aber wichtig, die jeweiligen Kontexte zu berücksichtigen. Für die Präventionsarbeit ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt der Konfrontation zu wählen. Und für Kritikformulierungen braucht es konstruktive Anleitungen. „Es ist unerlässlich, pädagogische Konzepte zu entwickeln, mit denen Kinder frühzeitig für Diskriminierung und Volksverhetzung sensibilisiert werden können“, betonte Marx abschließend.

Von Cybermobbing bis Fake News – wie dagegenhalten?

Die vier Thementische befassten sich mit „Cybermobbing“, geleitet von Konstanze Marx, „Radikalisierung und Fake News in digitalen Medien“, geleitet von Sebastian Zollner, Bildungsreferent für Rassismuskritik beim Bezirksjugendring Unterfranken.

Bewusst fehlerhafte Informationen werden in Sozialen Medien zur Stimmungsmache genutzt, so Zollner. Wie schnell man verunsichert sein kann, ob eine Meldung wahr oder ein Fake ist, zeigte sich bei entsprechend präparierten Zeitungsberichten.

„Strategietraining für Menschenrechte“ war ein dritter Thementisch überschrieben, geleitet von Stefan Lutz-Simon und Mohammed Varssli von der Jugendbildungsstätte Unterfranken. Wie reagiere ich, wenn in einer Warteschlange ein dunkelhäutiger Mensch nach vorne geht und einer ruft: „Anstehen gilt auch für Bimbos!“? Habe ich den Mut, etwas entgegenzusetzen? Es gehöre Mut zu einer Reaktion auf diese Diskriminierung, aber man ist selten allein und kann zum Beispiel Blickkontakt zu anderen aufnehmen und eine unausgesprochene gemeinsame Reaktion herbeiführen, so Lutz-Simon.

Der Thementisch „Betzavta – Miteinander“, geleitet von Thomas Tribula von der Don-Bosco-Berufsschule, informierte über ein Erziehungs- und Bildungskonzept zur Demokratie-, Toleranz- und Menschenrechtserziehung, das seine Wurzeln in der israelischen Friedensbewegung hat. Betzavta ist kein Streitschlichterprogramm, sondern setzt präventiv an, so Tribula.

„Auffällig ist allen Teilnehmer*innen, dass Jugendliche Inhalte verschiedener Ideologien oft unüberlegt übernehmen. Gleichzeitig beobachten wir die mangelnde Bereitschaft zum Intervenieren und fehlende Zivilcourage, um gegen Hass und Hetze vorzugehen“, so Elena Enzmann. Deshalb ist ein frühzeitiger Präventionsansatz nötig, um diesem Phänomen entgegenzuwirken. „Würzburg ist gut vernetzt, es gibt passende Angebote, um gemeinschaftlich gegen Diskriminierung, Ideologisierung und Radikalisierung vorzugehen, das hat die heute Tagung erneut gezeigt“, freute sich Jürgen Schwab als Organisator der Veranstaltung.

„#Hass … und was sagst du dazu?“

2. Präventionsfachtag Radikalisierung tagte mit aktuellem Thema

Erleben wir derzeit tatsächlich eine Verrohung der Sprache? War das nicht immer schon so? Oder haben wir uns einfach schon daran gewöhnt? Mit den Themen Hass und Hetze, Beleidigungen und Verleumdungen, Fake News und Hate Speech, linke Sprüche und rechte Parolen, die uns im Alltag, in den digitalen Medien und sozialen Netzwerken begegnen, beschäftigte sich der zweite Fachtag, zu dem das Präventionsnetzwerk Radikalisierung von Stadt und Landkreis Würzburg eingeladen hatte.

Das Präventionsnetzwerk Radikalisierung wurde im November 2017 gegründet, um vorbeugende Arbeit zu leisten, damit Jugendliche nicht in die Fänge extremistischer Ideologien geraten. Das Netzwerk arbeitet mittlerweile mit mehr als 300 Einzelpersonen und weit über 100 Institutionen und Einrichtungen zusammen.

„Aufgrund steigender antisemitischer Äußerungen in der Öffentlichkeit, vermehrter Berichterstattung über Hass und Hetze im Netz und vor allem zahlreicher Anfragen von Schulen nach Projekten im Umgang mit Verrohungstendenzen bei der Sprache haben wir das Thema Hass und Hetze für die Tagung gewählt“, erklärte Jürgen Schwab.

So konnte stellvertretende Landrätin Christine Haupt-Kreutzer und die Würzburger Sozialreferentin Dr. Hülya Düber sowie die Leitung des Präventionsnetzwerkes Radikalisierung, Elena Enzmann (Stadt Würzburg) und Jürgen Schwab (Landkreis Würzburg) zum Eröffnungsvortrag Prof. Dr. Konstanze Marx von der Universität Greifswald im vollbesetzten großen Sitzungssaal des Landratsamtes Würzburg begrüßen.

Enthemmung im digitalen Sagbarkeitsraum

Konstanze Marx referierte über „Sprache, Soziale Medien und Verrohung“ und stellte folgende Thesen auf: Es sei eine zu pauschale Formel, dass die sprachliche Verrohung ein Resultat der Internetkommunikation ist, so Marx. Grundsätzlich sei das Internet ein Sagbarkeitsraum, den sich Menschen erschließen, der eine verbesserte, ehrlichere Interaktion ermöglicht und in dem wichtige gesellschaftliche Debatten angestoßen werden. Jedoch wird dieser Sagbarkeitsraum auch missbraucht für unreflektierte Wut, für Drohungen und Hass. Somit wird ein zivilisierter, demokratischer Diskurs gefährdet. In den digitalen Medien kann ein Enthemmungseffekt auftreten, begünstigt durch die Anonymität und die ständige Zugänglichkeit. Es komme zu Grenzüberschreitungen. Durch diese Entwicklung werden Fragen aufgeworfen nach einer Authentifizierungspflicht in den Sozialen Medien oder nach einem geregelten Zugang zu kindeswohlgefährdenden Inhalten.

Es bilden sich sogenannte Echokammern, in denen Hate Speech bestätigt wird und Resonanz findet. Ob eine Äußerung noch Kritik oder schon Hasssprache ist, muss unterschieden werden, so Marx. Kritik kommt ohne Schuldzuweisungen und ohne verbale Aggressivität aus und will den Adressaten zur Änderung seiner Handlung oder Meinung motivieren. Voraussetzungen für Kritik seien Beobachtungsgabe und Mitleid.

Das Fazit von Konstanze Marx lautete: Verrohung ist kein sprachliches Phänomen, sondern kann anhand von sprachlichen Äußerungen sichtbar werden. Es ist aber wichtig, die jeweiligen Kontexte zu berücksichtigen. Für die Präventionsarbeit ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt der Konfrontation zu wählen. Und für Kritikformulierungen braucht es konstruktive Anleitungen. „Es ist unerlässlich, pädagogische Konzepte zu entwickeln, mit denen Kinder frühzeitig für Diskriminierung und Volksverhetzung sensibilisiert werden können“, betonte Marx abschließend.

Von Cybermobbing bis Fake News – wie dagegenhalten?

Die vier Thementische befassten sich mit „Cybermobbing“, geleitet von Konstanze Marx, „Radikalisierung und Fake News in digitalen Medien“, geleitet von Sebastian Zollner, Bildungsreferent für Rassismuskritik beim Bezirksjugendring Unterfranken.

Bewusst fehlerhafte Informationen werden in Sozialen Medien zur Stimmungsmache genutzt, so Zollner. Wie schnell man verunsichert sein kann, ob eine Meldung wahr oder ein Fake ist, zeigte sich bei entsprechend präparierten Zeitungsberichten.

„Strategietraining für Menschenrechte“ war ein dritter Thementisch überschrieben, geleitet von Stefan Lutz-Simon und Mohammed Varssli von der Jugendbildungsstätte Unterfranken. Wie reagiere ich, wenn in einer Warteschlange ein dunkelhäutiger Mensch nach vorne geht und einer ruft: „Anstehen gilt auch für Bimbos!“? Habe ich den Mut, etwas entgegenzusetzen? Es gehöre Mut zu einer Reaktion auf diese Diskriminierung, aber man ist selten allein und kann zum Beispiel Blickkontakt zu anderen aufnehmen und eine unausgesprochene gemeinsame Reaktion herbeiführen, so Lutz-Simon.

Der Thementisch „Betzavta – Miteinander“, geleitet von Thomas Tribula von der Don-Bosco-Berufsschule, informierte über ein Erziehungs- und Bildungskonzept zur Demokratie-, Toleranz- und Menschenrechtserziehung, das seine Wurzeln in der israelischen Friedensbewegung hat. Betzavta ist kein Streitschlichterprogramm, sondern setzt präventiv an, so Tribula.

„Auffällig ist allen Teilnehmer*innen, dass Jugendliche Inhalte verschiedener Ideologien oft unüberlegt übernehmen. Gleichzeitig beobachten wir die mangelnde Bereitschaft zum Intervenieren und fehlende Zivilcourage, um gegen Hass und Hetze vorzugehen“, so Elena Enzmann. Deshalb ist ein frühzeitiger Präventionsansatz nötig, um diesem Phänomen entgegenzuwirken. „Würzburg ist gut vernetzt, es gibt passende Angebote, um gemeinschaftlich gegen Diskriminierung, Ideologisierung und Radikalisierung vorzugehen, das hat die heute Tagung erneut gezeigt“, freute sich Jürgen Schwab als Organisator der Veranstaltung.

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