Energiegipfel der IHK

Das Energiesystem der Zukunft ist grün und digital

IHK-Präsidenten Harald Unkelbach und Otto Kirchner

Um die Stromversorgung der Zukunft ging es beim Energiegipfel der IHK Würzburg-Schweinfurt und der IHK Heilbronn-Franken im tauberfränkischen Bad Mergentheim. „Der Strommarkt der Zukunft wird mit Sicherheit digital sein“, sagte Professor Harald Unkelbach, Präsident der Heilbronner IHK.

Ein Ausbau der bestehenden Stromnetze sei unumgänglich, dabei könne die Digitalisierung helfen, betonte Otto Kirchner, Präsident der IHK Würzburg-Schweinfurt. Für Unternehmen sei dabei vor allem wichtig, dass die Versorgung auch im laufenden Umbau sichergestellt sei.

Wie sich das Energiesystem in Deutschland in den nächsten Jahren entwickeln könnte, darüber sprach Sebastian Bolay vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Er verwies darauf, dass die Bundesregierung ihre Pläne zum Ausbau der erneuerbaren Energien nochmals verschärft hat. So sollen laut Koalitionsvertrag bis 2030 65 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus Erneuerbaren gespeist werden. Bisher lag das Ziel bei 50 Prozent bis 2030. Bis 2050 sollen dann sogar 80 Prozent des Verbrauchs durch erneuerbare Energiequellen gespeist werden. Laut Bolay könne dies jedoch dazu führen, dass aufgrund der schwankenden Einspeisung der Erneuerbaren zeitweise eine Versorgungslücke von 40 bis 45 Gigawatt entstehe. Der Grund für die volatile Grünstrom-Einspeisung ist simpel. Zum einen weht nicht immer der Wind, um Windkraftwerke anzutreiben. Und Photovoltaikanlagen können auch nur Strom produzieren, solange die Sonne scheint.   

Noch keine Angst vor Dunkelflauten

Angst vor sogenannten Dunkelflauten, sprich Phasen mit schwacher Windkraft- und Photovoltaikerzeugung, müsse man aktuell aber dennoch nicht haben. Denn noch gebe es genug konventionelle Kraftwerke (zum Beispiel Kohle- oder Gaskraftwerke), die solchen Phasen ausgleichen könnten. „Aber es ist natürlich extrem teuer, neben den Erneuerbaren noch einen konventionellen Kraftwerkspark zu betreiben“.

Als Problem sah Bolay nicht nur mögliche Versorgungslücken an sich, sondern auch die Frage wer künftig die sogenannten Systemdienstleistungen erbringen soll. Dabei handelt es sich um Aufgaben wie die Erhaltung von Frequenz und Spannung im Stromnetz, die Betriebsführung und den Versorgungswiederaufbau nach einem Blackout. Bisher werden diese Aufgaben von konventionellen Kraftwerken übernommen. Wenn die Zahl der konventionellen Anlagen künftig aber immer weiter sinke, stelle sich die Frage, wer diese Aufgaben übernehmen solle.

Als vielversprechende Technologie im Energiesystem der Zukunft sah Bolay Energiespeicher. Im Jahr 2017 habe es bereits rund 60.000 Heimspeicher in Deutschland gegeben, im laufenden Jahr werde wohl die Grenze von 100.000 überschritten. „Und ich glaube, wir werden bei Speichern auch im Unternehmensbereich einen enormen Durchbruch sehen“. Jedoch sei es für Unternehmen schwierig, die Energiespeicher gleichzeitig zur Eigenversorgung und für die Teilnahme am Regelenergiemarkt zu nutzen. Ob dies noch wirtschaftlich sei, darüber stehe noch ein Fragezeichen.

Ein digitales Kassenbuch für die Energiebranche

Eine wichtige Rolle könnte in der Energiewirtschaft künftig auch die Blockchain spielen. Was hinter der Technologie steckt, die auch das Fundament der Kryptowährung Bitcoin ist, erklärten Henry Vu und Tobias Fertig. Die beiden Informatiker sind als Dozenten an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt tätig. Bei der Blockchain handelt es sich um eine Art digitales, dezentrales Kassenbuch. Transaktionen innerhalb eines Blockchain-Netzwerks werden auf den Rechnern aller Teilnehmer verteilt gespeichert, was Manipulationen sehr schwer möglich macht. Da die Transaktionen direkt zwischen den einzelnen Teilnehmer abgewickelt werden, entfällt zudem die Notwendigkeit einer zentralen Instanz. So könnte beispielsweise im Energiebereich der Stromhandel über die Blockchain abgewickelt werden ohne dass wie bisher Strombörsen als Mittelsmann nötig sind. 

Ein möglicher Anwendungsbereich sind laut Vu und Fertig zudem sogenannte „Smart Contracts“. Das sind sich selbst erfüllende Verträge, die über die Blockchain abgewickelt werden. Die Vertragsbedingungen werden dabei sozusagen in den Programmcode des smarten Vertrags gegossen. Sobald sie erfüllt sind, wird der Vertrag automatisch abgewickelt. „Smart Contracts könnten zum Beispiel genutzt werden, damit der Trockner automatisch läuft, wenn der Strompreis eine bestimmte Schwelle erreicht“, erläuterte Vu. Auch der Stromhandel zwischen Nachbarn, die ihren eigenen Strom erzeugen, sei damit denkbar.

Bildunterschrift: Die Präsidenten der IHK Heilbronn Franken und Würzburg-Schweinfurt, Professor Harald Unkelbach (links) und Otto Kirchner.

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Wie sich das Energiesystem in Deutschland in den nächsten Jahren entwickeln könnte, darüber sprach Sebastian Bolay vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Er verwies darauf, dass die Bundesregierung ihre Pläne zum Ausbau der erneuerbaren Energien nochmals verschärft hat. So sollen laut Koalitionsvertrag bis 2030 65 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus Erneuerbaren gespeist werden. Bisher lag das Ziel bei 50 Prozent bis 2030. Bis 2050 sollen dann sogar 80 Prozent des Verbrauchs durch erneuerbare Energiequellen gespeist werden. Laut Bolay könne dies jedoch dazu führen, dass aufgrund der schwankenden Einspeisung der Erneuerbaren zeitweise eine Versorgungslücke von 40 bis 45 Gigawatt entstehe. Der Grund für die volatile Grünstrom-Einspeisung ist simpel. Zum einen weht nicht immer der Wind, um Windkraftwerke anzutreiben. Und Photovoltaikanlagen können auch nur Strom produzieren, solange die Sonne scheint.   

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