Region Unterfranken

Demografischer Wandel trifft vor allem ländliche Gemeinden

vbw-Pressegespräch zum Thema ländlicher Raum in Würzburg

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) sieht zahlreiche Herausforderungen auf unterfränkische Gemeinden und Unternehmen im ländlichen Raum zukommen und fordert daher die Politik zum Handeln auf.  "Politik und Staat sind in der Pflicht, ihrem Auftrag nach gleichwertigen Lebensverhältnissen nachzukommen“, sagte Wolfgang Fieber, Vorstandsvorsitzender der vbw-Bezirksgruppe Unterfranken bei einem Pressegespräch in Würzburg.

Als eine zentrale Herausforderung, welcher sich die Kommunen und Unternehmen im ländlichen Raum stellen müssen, nannte vbw-Bezirkschef Fieber den demografischen Wandel. Er verwies dabei auf Prognosen, nach denen die Geburtenzahlen in Unterfranken bis 2036 um 7,6 Prozent zurückgehen sollen. Besonders betroffen wären dabei laut seiner Aussage die Landkreise Bad Kissingen (-12,3 Prozent) und Main-Spessart (-10,4 Prozent) sowie die Stadt Schweinfurt (-10,1 Prozent). Zwar würden die Geburtenrückgänge teilweise durch Zuzüge kompensiert, doch insgesamt sei für Unterfranken mit einem Rückgang der Bevölkerungszahl um 3,5 Prozent bis 2036 zu rechnen.   

Hinzu kommt, dass die Menschen verstärkt in städtische Gebiete ziehen. „Wir haben eine Binnenwanderung auf die Stadt Würzburg zu“, erklärte Eberhard Nuß, Landrat des Landkreises Würzburg.

Neben  sinkenden Einwohnerzahlen rechnet die vbw auch mit einem Anstieg des Altersdurchschnitts  in der Region. So soll der Anteil der über 65-Jährigen in Unterfranken von 34,8 Prozent im Jahr 2016 auf 56,9 Prozent im Jahr 2036 steigen. Besonders betroffen von diesem Alterungseffekt sind demnach die ländlichen Gebiete. . Im Landkreis Rhön-Grabfeld etwa soll der Anteil der über 65-Jährigen bis 2036 von 35,7 auf 63 Prozent steigen. In Würzburg hingegen soll der Anteil im gleichen Zeitraum lediglich von 30,7 auf 38,7 Prozent wachsen.

Erwerbstätigkeit bei Frauen steigern

Der demografische Wandel stellt die Unternehmen in der Region bereits heute vor ein schwieriges Problem: den Fachkräftemangel. So kommen in Unterfranken auf jede offene Stelle nur 1,5 Arbeitslose. Bayernweit liegt der Durchschnitt bei 1,8 Arbeitslosen pro offener Stelle, bundesweit sogar bei 3,3. „Wenn man diese Zahlen sieht, weiß man, wie schwer sich die Wirtschaft in der Region tut, Fachkräfte zu finden“, so Wolfgang Fieber.  Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, fordert  die Vereigung der bayerischen Wirtschaft mehrere Maßnahmen. So  müsse etwa die Erwerbstätigkeit von Frauen deutlich gesteigert werden. Erreicht werden soll dieses Ziel  vor allem durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie durch mehr und bessere Bildungseinrichtungen. Daneben spricht sich die vbw für eine konsequente Umsetzung der Rente mit 67 aus. „Und als ergänzende Maßnahme brauchen wir auch eine gezielte Zuwanderung von ausländischen Fachkräften“, erläuterte der vbw-Bezirkschef.

Breitbandausbau macht Fortschritte

Auf einem guten Weg sieht Fieber den Ausbau der digitalen Infrastruktur. „Wir haben die Weichen in Unterfranken richtig gestellt“, sagte er. Laut vbw können rund 90 Prozent der Haushalte in Unterfranken auf einen Internetanschluss mit einer Bandbreite von mindestens 30 MBit/s zurückgreifen. Etwa 75 Prozent haben eine Bandbreite von mindestens 50 MBit/s zur Verfügung, 54 Prozent sind sogar bereits mit 100 MBit/s versorgt. Dass es aber trotzdem noch Nachholbedarf gibt, davon wusste Verena Müller-Drilling zu berichten. Die Geschäftsführerin von Müller Feinblechbautechnik in Frammersbach im Spessart hat auf eigene Kosten eine 100 MBit/s-Leitung für ihre Firma legen lassen. Zuvor musste sich das metallverarbeitende Unternehmen mit einer Bandbreite von 16 MBit/s begnügen. „Das hat absolut nicht ausgereicht“, so Müller-Drilling.  Da es vonseiten der  öffentlichen Hand keine Möglichkeit gegeben habe, einen schnellen Anschluss zu beziehen, habe man sich eben zum Ausbau auf eigene Kosten entschlossen.  Josef Mend, Bürgermeister von Iphofen, bemängelte die Internetversorgung im Bildungsbereich. „Es ist ein Trauerspiel, wie viele Schulen in Unterfranken noch mit einer langsamen Verbindung herumkrebsen“, kritisierte Mend.

Lücken sieht die vbw indes noch bei der Abdeckung der Mobilfunknetze. Vor allem in den ländlich geprägten Regionen Unterfrankens seien Telefonie und mobiler Datentransport nicht oder teils nur mit schlechtem Empfang möglich. Mit Blick auf den weiteren Ausbau der digitalen Infrastruktur plädiert der vbw dafür, weiterhin so viel wie möglich über den Markt zu regeln und fordert gleichzeitig mehr Tempo. „Unterfränkische Leit-Unternehmen im ländlichen Raum brauchen Gigabit-Netze, um im internationalen Wettbewerb weiter mithalten zu können“, betonte Wolfgang Fieber. 

Die Teilnehmer des vbw-Pressegesprächs (von links): Michael Bischof (Geschäftsführer vbw-Bezirksgruppe Unterfranken), Josef Mend (Bürgermeister der Stadt Iphofen), Eberhard Nuß (Landrat des Landkreises Würzburg), Verena Müller-Drilling (Geschäftsführerin Müller Feinblechbautechnik) und Wolfgang Fieber (Vorstandsvorsitzender vbw-Bezirksgruppe Unterfranken).

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