Nachruf

Dr. Kurt Eckerkamp: Gestalter und Wegbereiter

Auf oberflächliche Betrachter wirkte Dr. Kurt Eckernkamp mitunter distanziert, überbetont sachlich. Ein Erbe seiner ostwestfälischen Heimat. Diese Konzentration auf die Sache hat den langjährigen Chef der Verlagsgruppe Vogel - heute: Vogel Communications Group - indes zu einem der erfolgreichsten Verleger der jüngeren deutschen Geschichte gemacht. Und zu einem Glücksfall für den Medienstandort Mainfranken. Am 5. Januar 2022 ist Eckernkamp 86jährig verstorben.

Als Kurt Eckernkamp 1991 der versammelten Presse einen Ausblick auf das anstehende Firmenjubiläum gab, spürte man dem Chef des Hauses "Vogel Verlag" an, dass dieses 100jährige Bestehen für ihn viel, viel mehr war als eine Zahl auf dem Papier. Jene, die ihn bis dahin eher aus der Distanz kennengelernt hatten, war das eine überraschende  Erkenntnis: Der nüchterne Analytiker Eckernkamp - er konnte ja auch Emotionen!

Was ihn so bewegte, ist im Rückblick noch besser verständlich als damals. Es war ein Begriff aus der DNA des Familienunternehmens - der "Markt". Zwei Jahre nach der Öffnung der Grenzen zwischen Deutschland West und Deutschland Ost sah er den Beginn einer Entwicklung, die viel versprach. Und er konnte auf die Geschichte seines Verlags verweisen, der schon in den 1920ern die Verbindung zwischen zukunftsweisender Technik und fortschrittlichen Märkten erkannt und mit eigenen Fachmedien begleitet hatte. Eine Geschichte, die im thüringischen Pößneck begonnen und im Zug der deutschen Teilung nach Würzburg geführt hatte - und in der nun wieder zusammenfand, was für die Familie zusammengehörte.

Titel wie "Maschinenmarkt" mögen dem Namen nach aus der Zeit gefallen klingen. Für eine Industrienation wie Deutschland sind sie seit Jahrzehnten verlässliche Wegbegleiter. Eine Rolle, die dem analytischen Geist Eckernkamp gefiel. Ein Maßstab, der weit vorausschauend 1978 in die Gründung des Magazins "Chip" führte. Wie wir heute wissen, eine verlegerische Glanzleistung, um die ihn mancher Nachgeborene von Herzen beneidet hat.

Mit dem gleichen Sachverstand und Mut hat er das Unternehmen, zuletzt als Aufsichtsrat, so aufgestellt, dass es den Wandel des Marktes zuverlässig begleiten und gleichzeitig berichtend und kommentierend mitgestalten kann. Das ist verlegerisch vorbildlich. Dass er eine Teil seiner Zeit - und damit seines unternehmerischen Erfolgs - an die Gesellschaft zurückgab, war offensichtlich ebenfalls eine Verständlichkeit für ihn. Nicht nur die IHK Würzburg-Schweinfurt, deren Vollversammlung und Präsidium er diente, hat ihren Nutzen aus dieser Haltung gezogen. Ein Blick auf seine Auszeichnungen und Ehrungen zeichnet das Bild eines Unternehmers, der Corporate Social Responsibility schon gelebt hat, bevor der Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch rutschte. Die von ihm und seiner Frau gegründete Stiftung wird dieses Erbe weitertragen. Darüber hinaus darf er künftigen Unternehmergenerationen getrost als Inspirator gelten.

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Als Kurt Eckernkamp 1991 der versammelten Presse einen Ausblick auf das anstehende Firmenjubiläum gab, spürte man dem Chef des Hauses "Vogel Verlag" an, dass dieses 100jährige Bestehen für ihn viel, viel mehr war als eine Zahl auf dem Papier. Jene, die ihn bis dahin eher aus der Distanz kennengelernt hatten, war das eine überraschende  Erkenntnis: Der nüchterne Analytiker Eckernkamp - er konnte ja auch Emotionen!

Was ihn so bewegte, ist im Rückblick noch besser verständlich als damals. Es war ein Begriff aus der DNA des Familienunternehmens - der "Markt". Zwei Jahre nach der Öffnung der Grenzen zwischen Deutschland West und Deutschland Ost sah er den Beginn einer Entwicklung, die viel versprach. Und er konnte auf die Geschichte seines Verlags verweisen, der schon in den 1920ern die Verbindung zwischen zukunftsweisender Technik und fortschrittlichen Märkten erkannt und mit eigenen Fachmedien begleitet hatte. Eine Geschichte, die im thüringischen Pößneck begonnen und im Zug der deutschen Teilung nach Würzburg geführt hatte - und in der nun wieder zusammenfand, was für die Familie zusammengehörte.

Titel wie "Maschinenmarkt" mögen dem Namen nach aus der Zeit gefallen klingen. Für eine Industrienation wie Deutschland sind sie seit Jahrzehnten verlässliche Wegbegleiter. Eine Rolle, die dem analytischen Geist Eckernkamp gefiel. Ein Maßstab, der weit vorausschauend 1978 in die Gründung des Magazins "Chip" führte. Wie wir heute wissen, eine verlegerische Glanzleistung, um die ihn mancher Nachgeborene von Herzen beneidet hat.

Mit dem gleichen Sachverstand und Mut hat er das Unternehmen, zuletzt als Aufsichtsrat, so aufgestellt, dass es den Wandel des Marktes zuverlässig begleiten und gleichzeitig berichtend und kommentierend mitgestalten kann. Das ist verlegerisch vorbildlich. Dass er eine Teil seiner Zeit - und damit seines unternehmerischen Erfolgs - an die Gesellschaft zurückgab, war offensichtlich ebenfalls eine Verständlichkeit für ihn. Nicht nur die IHK Würzburg-Schweinfurt, deren Vollversammlung und Präsidium er diente, hat ihren Nutzen aus dieser Haltung gezogen. Ein Blick auf seine Auszeichnungen und Ehrungen zeichnet das Bild eines Unternehmers, der Corporate Social Responsibility schon gelebt hat, bevor der Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch rutschte. Die von ihm und seiner Frau gegründete Stiftung wird dieses Erbe weitertragen. Darüber hinaus darf er künftigen Unternehmergenerationen getrost als Inspirator gelten.

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