Wie steht's um die Entsorgungssicherheit im Raum Würzburg?

Erneuerungsmaßnahmen am Müllheizkraftwerk auf der Zielgeraden

Vor einem Jahr begann die Demontage der Ofenlinie 1 am Müllheizkraftwerk Würzburg. Die Anlage wird seitdem technisch runderneuert, ihre Energieeffizienz erhöht. Landrat Thomas Eberth informierte sich beim Zweckverband Abfallwirtschaft über die Fortschritte bei der Erneuerung der Ofenlinie sowie über weitere aktuelle Projekte des Zweckverbands.

Die Entsorgungssicherheit für die etwa 380.000 Einwohner aus den Mitgliedskörperschaften Stadt Würzburg, Landkreis Würzburg und Landkreis Kitzingen sowie für die rund 500.000 Einwohner aus den Partnerlandkreisen des Zweckverbands Abfallwirtschaft Raum Würzburg (ZVAWS) gewährleisten während der Arbeiten die beiden übrigen Verbrennungslinien am MHKW. Eine Herausforderung, organisatorisch wie technisch. Denn die Jahreskapazität der außer Betrieb genommenen Altanlage umfasst 60.000 Tonnen – das entspricht etwa zwei Prozent der gesamten Müllverbrennungsanlagenkapazität in Bayern.

"Unmittelbar vor der Ziellinie"

Bei seinem Antrittsbesuch informierte sich Landrat Thomas Eberth gemeinsam mit Bürgermeister Roland Schmitt aus Rottendorf und Gerbrunns Bürgermeister Stefan Wolfshörndl über die Fortschritte bei der Erneuerung der Ofenlinie sowie über weitere aktuelle Projekte des Zweckverbands. Eberth ist seit seiner Wahl stellvertretender Verbandsvorsitzender im ZVAWS, gemeinsam mit Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Verbandsvorsitzende ist derzeit turnusgemäß Kitzingens Landrätin Tamara Bischof.

„Wir befinden uns unmittelbar vor der Ziellinie“, berichtete ZVAWS-Geschäftsleiter Alexander Kutscher zum Stand der Baumaßnahmen. Ende des Jahres soll die neue Linie 1 fertiggestellt sein. Für August ist das erste Probefeuer geplant.

 Erhöhte Verfügbarkeit trotz Bauphase

Vorausschauende Instandhaltungsmaßnahmen an den Linien 2 und 3 ermöglichen deren erhöhte Verfügbarkeit für die Dauer der Bauphase. Dennoch bleibt ein Restrisiko. Ein oder sogar beide Öfen könnten ausfallen. Ein Konzept aus drei Säulen soll die Entsorgungssicherheit auch dann gewährleisten: es werden weniger Gewerbeabfälle angenommen, ein Zwischenlager ist eingerichtet und Auslagerungsvereinbarungen mit anderen bayerischen Anlagenbetreibern werden genutzt.

Deponie Hopferstadt für die Zwischenlagerung des Hausmülls gerüstet

 Von der Betriebssicherheit des Zwischenlagers machte sich Landrat Thomas Eberth gemeinsam mit Bürgermeister Peter Juks vor Ort ein Bild. Die Anlage befindet sich in Ochsenfurt-Hopferstadt auf der Deponie des Zweckverbands. In der neu errichteten Anlieferungshalle kann der Hausmüll zu Abfallballen verpackt und anschließend bis zu zwölf Monate auf dem Deponiegelände gelagert werden. Helmut Schenk, Abteilungsleiter Stoffstrom-Management am ZVAWS, geht von einer Inbetriebnahme des Zwischenlagers Ende Juni aus. Dann nämlich beginnt die planmäßige Revision der Ofenlinie 3.

 Schenk erläuterte vor Ort auch das Beweissicherungssystem zum Grundwasserschutz. An verschiedenen Messstellen werden Proben entnommen und auf Chlorid untersucht. Die im Sickerwasser vorhandene Substanz gilt als Indikator für den Zustand der Deponieabdichtung, weil sie sich im Grundwasser sehr schnell ausbreiten kann. Das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg bestätigt regelmäßig, dass von der Deponie keine erkennbare Beeinflussung des Grundwassers ausgeht. 

"Entsorgung vor Ort reduiert Abfahrstrecken"

Bevölkerung und Politik verfolgen die Nutzung der Deponie dennoch aufmerksam, insbesondere das weitere Vorgehen mit den Verfüllabschnitten III und IV, die wegen eines Rechtsstreits nicht genutzt werden. Mit zwei Klägern einigte sich der Zweckverband inzwischen gerichtlich und hofft nun auf ein Übereinkommen auch mit der dritten Klägerin, der Stadt Ochsenfurt. Bürgermeister Peter Juks hat das Verfahren von seinen Amtsvorgängern geerbt. Das Interesse an ökologischen Fragen ist seitdem in der Bevölkerung eher noch gestiegen. Gerade hier will Landrat Thomas Eberth ansetzen: „Entsorgungskapazitäten vor Ort sorgen dafür, dass Abfuhrstrecken ökologisch vertretbar bleiben“. Bedarf sieht Eberth unter anderem beim Bauschutt. „Die Kommunen werden in den nächsten Jahren zahlreiche Sanierungsmaßnahmen durchführen müssen. Und auch die Privathaushalte kümmern sich um den Werterhalt ihrer Bausubstanz. Wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern als auch den Gemeinden die Möglichkeit geben, ihr Material fachgerecht entsorgen zu können.“

Ausbau des Fernwärmenetzes

Der Raum Würzburg profitiere davon, dass die Abfallentsorgung in den Händen eines gemeinwohlorientierten Zweckverbands liege. Der Ausbau des Fernwärmenetzes etwa leiste einen wichtigen Beitrag zu einer langfristigen, sicheren und klimafreundlichen Energieversorgung. Bis 2018 wurde die bei der Müllverbrennung gewonnene Energie ausschließlich in das Netz der Stadtwerke Würzburg AG eingespeist. Mit dem Anschluss des Gut Wöllrieds und des Rottendorfer Neubaugebiets „Am Sand“ gelang seitdem der Brückenschlag zum Landkreis Würzburg. Gegebenenfalls können in Zukunft weitere Gebiete mit Fernwärme aus dem MHKW versorgt werden. Landrat Thomas Eberth ist überzeugt: „Kommunale Zusammenarbeit wird in vielen Bereichen immer wichtiger – auch in der Abfallwirtschaft“.

Herausforderung Klärschlammentsorgung

 Das trifft insbesondere auf das Thema Klärschlammentsorgung zu. Größere Kläranlagen dürfen den Klärschlamm nur noch bis 2029 bzw. 2032 bodenbezogen verwerten, also zum Beispiel als Dünger. Außerdem soll der Klärschlamm einer Phosphorrückgewinnung unterzogen werden, damit der Rohstoff zur Herstellung von Düngemitteln im Wirtschaftskreislauf erhalten bleibt. Das Würzburger Müllheizkraftwerk ist bereits eine etablierte Einrichtung der Klärschlamm-Mitverbrennung, das heißt, der Klärschlamm wird zusammen mit anderen Abfällen verbrannt. „Allerdings ermöglicht die Mitverbrennung keine Phosphorrückgewinnung“, erläuterte Geschäftsführer Kutscher. „Das gelingt nur bei einer Monoverbrennung.“ „Hier brauchen wir regionale Lösungen in Abstimmung mit unseren Gemeinden“, so der Landrat.

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Die Entsorgungssicherheit für die etwa 380.000 Einwohner aus den Mitgliedskörperschaften Stadt Würzburg, Landkreis Würzburg und Landkreis Kitzingen sowie für die rund 500.000 Einwohner aus den Partnerlandkreisen des Zweckverbands Abfallwirtschaft Raum Würzburg (ZVAWS) gewährleisten während der Arbeiten die beiden übrigen Verbrennungslinien am MHKW. Eine Herausforderung, organisatorisch wie technisch. Denn die Jahreskapazität der außer Betrieb genommenen Altanlage umfasst 60.000 Tonnen – das entspricht etwa zwei Prozent der gesamten Müllverbrennungsanlagenkapazität in Bayern.

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Bei seinem Antrittsbesuch informierte sich Landrat Thomas Eberth gemeinsam mit Bürgermeister Roland Schmitt aus Rottendorf und Gerbrunns Bürgermeister Stefan Wolfshörndl über die Fortschritte bei der Erneuerung der Ofenlinie sowie über weitere aktuelle Projekte des Zweckverbands. Eberth ist seit seiner Wahl stellvertretender Verbandsvorsitzender im ZVAWS, gemeinsam mit Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Verbandsvorsitzende ist derzeit turnusgemäß Kitzingens Landrätin Tamara Bischof.

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Deponie Hopferstadt für die Zwischenlagerung des Hausmülls gerüstet

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 Schenk erläuterte vor Ort auch das Beweissicherungssystem zum Grundwasserschutz. An verschiedenen Messstellen werden Proben entnommen und auf Chlorid untersucht. Die im Sickerwasser vorhandene Substanz gilt als Indikator für den Zustand der Deponieabdichtung, weil sie sich im Grundwasser sehr schnell ausbreiten kann. Das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg bestätigt regelmäßig, dass von der Deponie keine erkennbare Beeinflussung des Grundwassers ausgeht. 

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Bevölkerung und Politik verfolgen die Nutzung der Deponie dennoch aufmerksam, insbesondere das weitere Vorgehen mit den Verfüllabschnitten III und IV, die wegen eines Rechtsstreits nicht genutzt werden. Mit zwei Klägern einigte sich der Zweckverband inzwischen gerichtlich und hofft nun auf ein Übereinkommen auch mit der dritten Klägerin, der Stadt Ochsenfurt. Bürgermeister Peter Juks hat das Verfahren von seinen Amtsvorgängern geerbt. Das Interesse an ökologischen Fragen ist seitdem in der Bevölkerung eher noch gestiegen. Gerade hier will Landrat Thomas Eberth ansetzen: „Entsorgungskapazitäten vor Ort sorgen dafür, dass Abfuhrstrecken ökologisch vertretbar bleiben“. Bedarf sieht Eberth unter anderem beim Bauschutt. „Die Kommunen werden in den nächsten Jahren zahlreiche Sanierungsmaßnahmen durchführen müssen. Und auch die Privathaushalte kümmern sich um den Werterhalt ihrer Bausubstanz. Wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern als auch den Gemeinden die Möglichkeit geben, ihr Material fachgerecht entsorgen zu können.“

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Der Raum Würzburg profitiere davon, dass die Abfallentsorgung in den Händen eines gemeinwohlorientierten Zweckverbands liege. Der Ausbau des Fernwärmenetzes etwa leiste einen wichtigen Beitrag zu einer langfristigen, sicheren und klimafreundlichen Energieversorgung. Bis 2018 wurde die bei der Müllverbrennung gewonnene Energie ausschließlich in das Netz der Stadtwerke Würzburg AG eingespeist. Mit dem Anschluss des Gut Wöllrieds und des Rottendorfer Neubaugebiets „Am Sand“ gelang seitdem der Brückenschlag zum Landkreis Würzburg. Gegebenenfalls können in Zukunft weitere Gebiete mit Fernwärme aus dem MHKW versorgt werden. Landrat Thomas Eberth ist überzeugt: „Kommunale Zusammenarbeit wird in vielen Bereichen immer wichtiger – auch in der Abfallwirtschaft“.

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 Das trifft insbesondere auf das Thema Klärschlammentsorgung zu. Größere Kläranlagen dürfen den Klärschlamm nur noch bis 2029 bzw. 2032 bodenbezogen verwerten, also zum Beispiel als Dünger. Außerdem soll der Klärschlamm einer Phosphorrückgewinnung unterzogen werden, damit der Rohstoff zur Herstellung von Düngemitteln im Wirtschaftskreislauf erhalten bleibt. Das Würzburger Müllheizkraftwerk ist bereits eine etablierte Einrichtung der Klärschlamm-Mitverbrennung, das heißt, der Klärschlamm wird zusammen mit anderen Abfällen verbrannt. „Allerdings ermöglicht die Mitverbrennung keine Phosphorrückgewinnung“, erläuterte Geschäftsführer Kutscher. „Das gelingt nur bei einer Monoverbrennung.“ „Hier brauchen wir regionale Lösungen in Abstimmung mit unseren Gemeinden“, so der Landrat.

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