Russland-Ukraine-Krieg

Folgen treffen und mainfränkische Wirtschaft in der Breite

Wie eine aktuelle Blitzumfrage der IHK-Organisation zeigt, spürt die deutsche Wirtschaft die Auswirkungen der russi-schen Invasion in der Ukraine in der ganzen Breite. Auch viele mainfränkische Unternehmen sind betroffen.

„Trotz dieser schmerzlichen Einbußen hören wir kaum Kritik an den verhängten Sanktionen“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. „Selbst für die stark betroffenen Unternehmen ist Krieg keine Basis für Geschäfte.“ In der bundesweiten DIHK-Blitzbefragung unter 3.700 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen sehen sich 78 Prozent der Betriebe vom Krieg und seinen Folgen geschäftlich betroffen. Im Detail berichten 60 Prozent der Unternehmen von Auswirkungen wie steigenden Preisen oder gestörten Lieferketten, 18 Prozent nennen direkte Folgen – etwa den Verlust von Kunden oder Lieferanten. Lediglich 22 Prozent der Unternehmen gaben an, sie spürten bislang keine Auswirkungen von Krieg und Sanktionen.  

Über alle Branchen hinweg nennen neun von zehn Unternehmen höhere Energiekosten als spürbaren Effekt im eigenen Betrieb. „Dieser Effekt erreicht die gesamte Wirtschaft mit voller Wucht“, so Wansleben. „Bereits vor dem Krieg haben rund zwei Drittel aller Unternehmen hier ein Risiko für ihre geschäftliche Entwicklung gesehen.“ Besonders alarmierend sind die Ergebnisse aus der Industrie: Drei Viertel der Industriebetriebe leiden unter Störungen in der Lieferkette und Logistik (Gesamtwirtschaft 61 Prozent), fast 90 Prozent unter fehlenden Rohstoffen und Vorleistungen (Gesamtwirtschaft 66 Prozent). Während nur neun Prozent sich gar nicht betroffen sehen, spüren rund ein Drittel der Betriebe direkte Folgen von Krieg, Sanktionen und Gegensanktionen  – fast doppelt so viel wie in der Gesamtwirtschaft.   

Zwei Drittel der Unternehmen müssen angesichts ihrer Kostenklemme mit der Weitergabe von Preissteigerungen an Kunden reagieren. „Hier droht zusätzliches Inflationspotenzial“, warnt Wansleben. Häufig genannt werden auch mehr Lagerhaltung (32 Prozent), Streichung oder Verschiebung von Investitionen (30 Prozent), Suche nach neuen Lieferanten und Personalanpassung (jeweils 21 Prozent). 

Bei den direkt vom Krieg, Sanktionen und Gegensanktionen betroffenen Unternehmen nennen fast drei Viertel als konkrete Auswirkungen den „Verlust von Geschäftspartnern“ und knapp die Hälfte „Hindernisse im Zahlungsverkehr“. 40 Prozent erleben eine „erhöhte Rechtsunsicherheit“. Mehr als ein Viertel der Betriebe muss einen Zahlungsausfall bei bereits gelieferter Ware verkraften.  

Wie schaut es in Mainfranken aus?

In Mainfranken zeigt sich ein sehr ähnliches Bild. Drei von vier Unternehmen aus der Region (76 Prozent) sind direkt oder indirekt vom Krieg oder den Sanktionen gegen Russland und Belarus betroffen. Rund elf Prozent geben an, direkt betroffen zu sein, zwei Drittel der Firmen (65 Prozent) sind indirekt betroffen. Nur etwa jedes vierte Unternehmen aus Mainfranken ist nicht vom Krieg oder den Sanktionen gegen Russland und Belarus betroffen.

Zur Frage, welche wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges oder der Sanktionen sie spüren, gibt eine deutliche Mehrheit der Unternehmen an, unter höheren Energiekosten (92 Prozent), höheren Kosten für Rohstoffe (57 Prozent) sowie Störungen in der Lieferkette (57 Prozent) zu leiden. Viele Firmen haben zudem Probleme aufgrund des Verlustes von Geschäftspartnern (24 Prozent), aufgrund von Hindernissen im Zahlungsverkehr (11 Prozent) oder aufgrund einer schlechteren Finanzlage (16 Prozent).

Um den Problemen zu begegnen, haben die regionalen Unternehmen eine Vielzahl an Maßnahmen getroffen oder planen dies zu tun. Rund 62 Prozent der Firmen wollen die Preise erhöhen, ein Drittel gedenkt, die Lagerkapazität nach oben zu fahren. Rund 30 Prozent wollen Investitionen reduzieren. Gut jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) möchte künftig verstärkt auf erneuerbare Energien setzen, jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) denkt über Personalanpassungen nach. Von der Politik wünschen sich viele mainfränkische Unternehmen eine schnelle und unbürokratische Entlastung bei den Energie- und Spritpreisen. 

„Für viele Firmen steht aktuell der humanitäre Gedanke im Mittelpunkt, die Hilfsbereitschaft ist enorm“, erklärt Dr. Sascha Genders, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt. Dennoch gelte es, die wirtschaftlichen Folgen nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. „Insbesondere die gestiegenen Energie- und Spritpreise belasten viele Unternehmen zusätzlich zur ohnehin anziehenden Inflation. Hier muss die Politik gegebenenfalls über Entlastungen nachdenken.“

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Zur Frage, welche wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges oder der Sanktionen sie spüren, gibt eine deutliche Mehrheit der Unternehmen an, unter höheren Energiekosten (92 Prozent), höheren Kosten für Rohstoffe (57 Prozent) sowie Störungen in der Lieferkette (57 Prozent) zu leiden. Viele Firmen haben zudem Probleme aufgrund des Verlustes von Geschäftspartnern (24 Prozent), aufgrund von Hindernissen im Zahlungsverkehr (11 Prozent) oder aufgrund einer schlechteren Finanzlage (16 Prozent).

Um den Problemen zu begegnen, haben die regionalen Unternehmen eine Vielzahl an Maßnahmen getroffen oder planen dies zu tun. Rund 62 Prozent der Firmen wollen die Preise erhöhen, ein Drittel gedenkt, die Lagerkapazität nach oben zu fahren. Rund 30 Prozent wollen Investitionen reduzieren. Gut jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) möchte künftig verstärkt auf erneuerbare Energien setzen, jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) denkt über Personalanpassungen nach. Von der Politik wünschen sich viele mainfränkische Unternehmen eine schnelle und unbürokratische Entlastung bei den Energie- und Spritpreisen. 

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