Zwei Seiten der Medaille

Handwerkskonjunktur steht jetzt im Zeichen der Corona-Krise

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie treffen auch das unterfränkische Handwerk hart. Wobei manche Bereiche sehr stark leiden, andere noch eine gute Geschäftslage verzeichnen.

 Das zeigt die Konjunkturanalyse der Handwerkskammer für Unterfranken für das 1. Quartal 2020. Demnach hat sich die Geschäftslage über alle Gewerke hinweg zum Vorquartal um 9,1 Prozentpunkte verschlechtert. „Die aktuelle Umfrage zeigt jedoch nicht den wahren Zustand des Handwerks, sie ist eher als eine Momentaufnahme in einem schwierigen wirtschaftlichen Prozess, der noch lange nicht zu Ende ist, zu verstehen“, sagt Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken.

Bewertungen der Betriebe klaffen noch auseinander

„Es ist eine Konjunkturanalyse des unterfränkischen Handwerks, wie wir sie in dieser Form noch nicht hatten“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken, Ludwig Paul. „Der Befragungszeitraum 9. März bis 6. April bildet den Einstieg und die ersten Maßnahmen gegen die Corona-Epidemie in Bayern ab. Wir haben hier ein sehr indifferentes Bewertungsbild unserer Betriebe erhalten.“ Was heißt das genau? Bis zum Ausruf des Katastrophenfalls für Bayern durch Ministerpräsident Dr. Markus Söder und den in diesem Zuge eingeführten Beschränkungen haben die Unternehmer noch verhalten positiv ihre Geschäftslage bewertet, ab dem 16. März wurden die Einschätzungen schlechter.

Sorgenvoller Blick in die nahe Zukunft

Am schlechtesten sind die Bewertungen, die am Ende des Befragungszeitraums eingegangen sind. „Wir warten jetzt alle auf den 19. April, wie die Staatsregierung weiter verfahren wird. Hält der jetzige Zustand an oder wird er noch verschärft, wird das weiterhin auch Handwerksunternehmen hart treffen“, so Ludwig Paul, schränkt jedoch ein: „Branchen wie das Baugewerbe erleben derzeit fast einen Normalzustand, Friseur-Salons dagegen sind alle geschlossen.“

Insgesamt sind im 1. Quartal noch 81 % der unterfränkischen Handwerksbetriebe mit der eigenen Geschäftslage zufrieden. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung beträgt 76,2 %, die Auftragsreichweite ist mit 11,8 Wochen nach wie vor stark. „Werte wie diese lassen eigentlich auf eine stabile wirtschaftliche Lage schließen“, so Ludwig Paul, „aber es existieren große Branchenunterschiede.“

"Große Branchenunterschiede"

Während das Bauhauptgewerbe nach wie vor glänzt und einen Anstieg an zufriedenen Betrieben von 1,1 Prozentpunkten auf 96,2 % im Vergleich zum Vorquartal verzeichnet, stürzt die Einschätzung der Handwerke im Bereich „Persönliche Dienstleistungen“ um 32,9 Prozentpunkte auf 53,3 % ab. Die Erklärung von Ludwig Paul: „Die Bauhandwerke boomen seit ein paar Jahren.“ Die Kapazitätsauslastung im 1. Quartal 2020 ist mit 82,1 % weiterhin enorm hoch, die Auftragsreichweite liegt mit 14,4 Wochen weit über dem Durchschnitt. Kurz: Es wird weiter gebaut. „Wenn überhaupt erwarten wir einen zeitversetzten Einbruch dieses Wirtschaftsbereichs. Aktuell, ich sage bewusst aktuell, ist von einer Rezession im Bauhauptgewerbe nichts zu spüren.“

Schließung eines Betriebs ist existenzbedrohend

Dagegen mussten viele Betriebe des Bereichs der „Persönlichen Dienstleistungen“ ihre Geschäfte vorübergehend schließen. Friseure und Kosmetikstudios dürfen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen, viele haben ihre Angestellten in die Kurzarbeit geschickt. „Das ist existenzbedrohend. Hier muss die Politik eine Lösung finden. Wir können unsere Betriebe nicht einfach sterben lassen“, so der eindringliche Appell des Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführers.

Interessant auch der Blick auf die Handwerke für den gewerblichen Bedarf, zu denen sich die industriellen Zulieferbetriebe zählen. Hier konnte eine leichte Steigerung von 1,6 Prozentpunkten auf 75,5 % an zufriedenen Betrieben im Vergleich zum Vorquartal erzielt werden. Und das in Zeiten, in denen die Industrie heruntergefahren ist. „Ich gehe davon aus“, so Ludwig Paul, „dass viele Zulieferer derzeit einen Kapazitätsausbau leisten, weil in Teilen der deutschen Wirtschaft das Verlangen nach einer sicheren Vorratslagerhaltung deutlich gestiegen ist. Wobei es natürlich auch Betriebe gibt, die mit aussetzenden Warenlieferungen und damit mit Produktionslücken zu kämpfen haben.“

Regionaler Vergleich ausgeglichen 

Die drei unterfränkischen Regionen Main-Rhön, Würzburg und Bayerischer Untermain präsentieren sich homogen in der Beurteilung der Geschäftslage. Spitzenreiter ist die Region Würzburg (Stadt und Landkreis Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen) mit 82,3 % an zufriedenen Betrieben, gefolgt von der Region Bayerischer Untermain (Stadt und Landkreis Aschaffenburg, Miltenberg) mit 80,5 % an zufriedenen Unternehmen und der Region Main-Rhön (Stadt und Landkreis Schweinfurt, Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld) mit 80,3 % an zufriedenen Betrieben. Hauptgeschäftsführer Ludwig Paul: „Alle drei Regionen spüren die Auswirkungen der Corona-Krise gleichsam und liegen im Gesamtdurchschnitt.“

Der vage Blick in die Zukunft

„Der Blick in die Zukunft kann morgen schon überholt sein. Es hängt jetzt alles davon ab, wann wir langsam die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben wieder hochfahren können“, so Ludwig Paul. Dass sich die Geschäftslage im 2. Quartal 2020 verschlechtern wird, davon gehen über ein Viertel der unterfränkischen Handwerksbetriebe aus. Aber nur 11 % der Betriebe denken, dass die Beschäftigtenzahl sinken wird. Ludwig Paul: „Das freut uns und zeigt, wie schon in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009, dass das Handwerk seine Beschäftigten hält.“ Für den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken ist es sehr wichtig, dass das regionale Handwerk weiter gestützt wird. Einerseits durch staatliche Maßnahmen, aber auch durch das Verbraucherverhalten. „Das Handwerk ist mit seinen Produkten und Dienstleistungen für den Verbraucher, für die Gesellschaft da. Jetzt müssen Verbraucher zeigen, dass auch sie für das regionale Handwerk da sind, beim Handwerk einkaufen, Aufträge nicht stornieren und es weiter stützen. Das gibt der ganzen Region Kraft und Halt.“

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 Das zeigt die Konjunkturanalyse der Handwerkskammer für Unterfranken für das 1. Quartal 2020. Demnach hat sich die Geschäftslage über alle Gewerke hinweg zum Vorquartal um 9,1 Prozentpunkte verschlechtert. „Die aktuelle Umfrage zeigt jedoch nicht den wahren Zustand des Handwerks, sie ist eher als eine Momentaufnahme in einem schwierigen wirtschaftlichen Prozess, der noch lange nicht zu Ende ist, zu verstehen“, sagt Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken.

Bewertungen der Betriebe klaffen noch auseinander

„Es ist eine Konjunkturanalyse des unterfränkischen Handwerks, wie wir sie in dieser Form noch nicht hatten“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken, Ludwig Paul. „Der Befragungszeitraum 9. März bis 6. April bildet den Einstieg und die ersten Maßnahmen gegen die Corona-Epidemie in Bayern ab. Wir haben hier ein sehr indifferentes Bewertungsbild unserer Betriebe erhalten.“ Was heißt das genau? Bis zum Ausruf des Katastrophenfalls für Bayern durch Ministerpräsident Dr. Markus Söder und den in diesem Zuge eingeführten Beschränkungen haben die Unternehmer noch verhalten positiv ihre Geschäftslage bewertet, ab dem 16. März wurden die Einschätzungen schlechter.

Sorgenvoller Blick in die nahe Zukunft

Am schlechtesten sind die Bewertungen, die am Ende des Befragungszeitraums eingegangen sind. „Wir warten jetzt alle auf den 19. April, wie die Staatsregierung weiter verfahren wird. Hält der jetzige Zustand an oder wird er noch verschärft, wird das weiterhin auch Handwerksunternehmen hart treffen“, so Ludwig Paul, schränkt jedoch ein: „Branchen wie das Baugewerbe erleben derzeit fast einen Normalzustand, Friseur-Salons dagegen sind alle geschlossen.“

Insgesamt sind im 1. Quartal noch 81 % der unterfränkischen Handwerksbetriebe mit der eigenen Geschäftslage zufrieden. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung beträgt 76,2 %, die Auftragsreichweite ist mit 11,8 Wochen nach wie vor stark. „Werte wie diese lassen eigentlich auf eine stabile wirtschaftliche Lage schließen“, so Ludwig Paul, „aber es existieren große Branchenunterschiede.“

"Große Branchenunterschiede"

Während das Bauhauptgewerbe nach wie vor glänzt und einen Anstieg an zufriedenen Betrieben von 1,1 Prozentpunkten auf 96,2 % im Vergleich zum Vorquartal verzeichnet, stürzt die Einschätzung der Handwerke im Bereich „Persönliche Dienstleistungen“ um 32,9 Prozentpunkte auf 53,3 % ab. Die Erklärung von Ludwig Paul: „Die Bauhandwerke boomen seit ein paar Jahren.“ Die Kapazitätsauslastung im 1. Quartal 2020 ist mit 82,1 % weiterhin enorm hoch, die Auftragsreichweite liegt mit 14,4 Wochen weit über dem Durchschnitt. Kurz: Es wird weiter gebaut. „Wenn überhaupt erwarten wir einen zeitversetzten Einbruch dieses Wirtschaftsbereichs. Aktuell, ich sage bewusst aktuell, ist von einer Rezession im Bauhauptgewerbe nichts zu spüren.“

Schließung eines Betriebs ist existenzbedrohend

Dagegen mussten viele Betriebe des Bereichs der „Persönlichen Dienstleistungen“ ihre Geschäfte vorübergehend schließen. Friseure und Kosmetikstudios dürfen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen, viele haben ihre Angestellten in die Kurzarbeit geschickt. „Das ist existenzbedrohend. Hier muss die Politik eine Lösung finden. Wir können unsere Betriebe nicht einfach sterben lassen“, so der eindringliche Appell des Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführers.

Interessant auch der Blick auf die Handwerke für den gewerblichen Bedarf, zu denen sich die industriellen Zulieferbetriebe zählen. Hier konnte eine leichte Steigerung von 1,6 Prozentpunkten auf 75,5 % an zufriedenen Betrieben im Vergleich zum Vorquartal erzielt werden. Und das in Zeiten, in denen die Industrie heruntergefahren ist. „Ich gehe davon aus“, so Ludwig Paul, „dass viele Zulieferer derzeit einen Kapazitätsausbau leisten, weil in Teilen der deutschen Wirtschaft das Verlangen nach einer sicheren Vorratslagerhaltung deutlich gestiegen ist. Wobei es natürlich auch Betriebe gibt, die mit aussetzenden Warenlieferungen und damit mit Produktionslücken zu kämpfen haben.“

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Die drei unterfränkischen Regionen Main-Rhön, Würzburg und Bayerischer Untermain präsentieren sich homogen in der Beurteilung der Geschäftslage. Spitzenreiter ist die Region Würzburg (Stadt und Landkreis Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen) mit 82,3 % an zufriedenen Betrieben, gefolgt von der Region Bayerischer Untermain (Stadt und Landkreis Aschaffenburg, Miltenberg) mit 80,5 % an zufriedenen Unternehmen und der Region Main-Rhön (Stadt und Landkreis Schweinfurt, Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld) mit 80,3 % an zufriedenen Betrieben. Hauptgeschäftsführer Ludwig Paul: „Alle drei Regionen spüren die Auswirkungen der Corona-Krise gleichsam und liegen im Gesamtdurchschnitt.“

Der vage Blick in die Zukunft

„Der Blick in die Zukunft kann morgen schon überholt sein. Es hängt jetzt alles davon ab, wann wir langsam die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben wieder hochfahren können“, so Ludwig Paul. Dass sich die Geschäftslage im 2. Quartal 2020 verschlechtern wird, davon gehen über ein Viertel der unterfränkischen Handwerksbetriebe aus. Aber nur 11 % der Betriebe denken, dass die Beschäftigtenzahl sinken wird. Ludwig Paul: „Das freut uns und zeigt, wie schon in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009, dass das Handwerk seine Beschäftigten hält.“ Für den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken ist es sehr wichtig, dass das regionale Handwerk weiter gestützt wird. Einerseits durch staatliche Maßnahmen, aber auch durch das Verbraucherverhalten. „Das Handwerk ist mit seinen Produkten und Dienstleistungen für den Verbraucher, für die Gesellschaft da. Jetzt müssen Verbraucher zeigen, dass auch sie für das regionale Handwerk da sind, beim Handwerk einkaufen, Aufträge nicht stornieren und es weiter stützen. Das gibt der ganzen Region Kraft und Halt.“

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