"Denker treffen Lenker" bei Koenig & Bauer

Innovationen gelingen nur mit der richtigen Struktur

Jens-Uwe Meyer bei "Denker treffen Lenker"

Was braucht es um innovativ zu sein? Um diese Leitfrage drehte sich die Veranstaltung „Denker treffen Lenker“ der Standortagentur Region Mainfranken. Rund 120 Teilnehmer hatten sich im neuen Democenter des Würzburger Druckmaschinenherstellers König & Bauer zusammengefunden, um zu erfahren, unter welchen Bedingungen in Unternehmen neue Ideen entstehen können.

Dass Unternehmen heutzutage in größeren räumlichen Zusammenhängen denken müssen, betonte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt. „Wir müssen von dem Kirchturmdenken wegkommen, dass Firmen sich nur in ihrer eigenen Kommune sehen“, so der Rathauschef. So gehe es beispielsweise nicht mehr um die Konkurrenz zwischen Würzburg und Schweinfurt, vielmehr stehe die Region Mainfranken mittlerweile als Ganzes im Wettbewerb mit den Metropolregionen Frankfurt am Main und Nürnberg. Die Rolle der Kommunen sah Schuchardt darin, positive Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu schaffen, die sich an deren Bedürfnissen orientierten.

„Leider gar nicht zufrieden“ mit der Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in der Region zeigte sich IHK-Vizepräsident Dieter Pfister. Zwar gebe es ein „tolles Angebot“, doch gerade kleine und mittlere Unternehmen würden dies nicht nutzen.

Kollaboration ist der Schlüssel

Eine Antwort auf die Frage, was sogenannte Innovation Champions ausmacht und wie sie sich von anderen Unternehmen unterscheiden, gab Jens-Uwe Meyer. Der ehemalige Chefreporter von Pro Sieben gilt als einer der gefragtesten Redner zu den Themen Innovation und Digitalisierung. Laut Meyer sind es nicht alleine die guten Ideen, durch die sich ein besonders innovatives Unternehmen auszeichnet. „Deren Ideen sind oft gar nicht so furchtbar verschieden von dem, was sie sich täglich denken“, so der 52-Jährige. Als Beispiele nannte er den US-Technologieriesen Google. Denn schließlich habe es bereits vor Google Suchmaschinen gegeben.

Auch ein kreatives Umfeld sieht Meyer nicht als notwendige Voraussetzung für Innovationen. „Das ist totaler Unsinn“, sagte der Innovationsexperte. Um innovativ zu sein brauche man kein Umfeld, das mit schiefen Stühlen oder gelben Hüten kreativ wirken soll. In dieser Ansicht bestärkt wurde der gebürtige Hamburger auch durch einen Besuch beim Plug&Play-Startup-Inkubator in San Francisco, wo etwa Unternehmen wie Dropbox und Paypal entstanden sind. „Wenn Sie dort einen Schreibtisch mit Sonnenlicht haben, sind sie der König“, erzählte Meyer.

Entscheidend sei für Unternehmen stattdessen, die eigenen Strukturen so umzubauen, dass Innovationen überhaupt erst entstehen könnten. „Normale Firmenstrukturen sind auf Effizienz im Tagesgeschäft ausgerichtet“, so der Innovationsexperte. Um dies zu ändern, spielten die Mitarbeiter eine entscheidende Rolle. „Innovation kann nur entstehen, wenn man den Mitarbeitern kritische Fragen stellt und sie so zum Nachdenken anregt“.  Wichtig dabei auch: Die Mitarbeiter miteinander vernetzen. „Kollaboration ist der Schlüssel“, betonte Jens-Uwe Meyer. „In irgendeinem anderen Kopf lauert das Puzzleteil, das Sie als Lösung suchen“.  Daher laute die Devise, sich von überall Informationen zusammenzusuchen. Das gelte nicht nur für die eigenen Mitarbeiter, auch eine ständige Vernetzung mit der Wissenschaft sei notwendig. Was es hingegen zur Förderung kreativer Ideen nicht brauche, sei ein klassisches Innovationsmanagement mit Arbeitskreisen und Komitees.

Spitzenplatz im Google-Ranking ist entscheidend

Wer über Innovation redet, kann natürlich das Thema Digitalisierung nicht außen vor lassen. „Unternehmen müssen sich hier vor allem die Frage stellen, wie sie zum Kunden kommen“, so Meyer. In der digitalen Welt kommt hierbei Google eine entscheidende Rolle zu. Denn wer in den Weiten des Internets gefunden werden will, muss bei der Suchmaschine ganz vorne stehen. Schon Platz 5 im Suchranking sei eine absolute Katastrophe. Dementsprechend müsse die Suchmaschinenoptimierung der eigenen Homepage hohe Priorität genießen. Der Innovationsexperte empfahl daher: „Das muss Chefsache sein“.  

Der eigene Internetauftritt wird für Unternehmen nicht nur um B2C-Bereich immer wichtiger, auch bei Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen gewinnt er immer mehr an Bedeutung. „Wesentliche Entscheidungen im B2B-Bereich fallen sehr früh aufgrund von Internetrecherchen“, so Jens-Uwe Meyer. Rund 60 bis 70 Prozent aller Entscheider würden so schon vor dem ersten Kontakt mit einem Geschäftspartner ihre Wahl getroffen haben.

Niedergang und Wiederaufstieg

Wie tiefgreifend die Digitalisierung ein Unternehmen verändern kann, davon wusste Christoph Müller, Vorstandsmitglied der Koenig & Bauer AG zu berichten. „Wir sind durch das Internet gestorben und über das Internet wieder auferstanden.“ So hat der Niedergang der Printmedien dem 1817 gegründeten Druckmaschinenhersteller schwer zu schaffen gemacht. Das Unternehmen war gezwungen, sich neue Geschäftsfelder zu suchen. Kamen 2007 noch 65 Prozent des Umsatzes aus dem Zeitungs- und Medienbereich, so sind es heute nur noch 10 Prozent. Diesen Verlust hat das Unternehmen mit einem starken Wachstum im Verpackungsbereich kompensiert. Dieser macht mittlerweile mit einem Anteil von 70 Prozent den Löwenanteil am Geschäft von Koenig & Bauer aus. Der Konzern profitierte dabei stark vom schnell wachsenden Online-Handel, der die Nachfrage nach bedruckten Verpackungen erheblich befeuert hat.

Im Konzern selbst setzt der Druckmaschinenhersteller an vielen Stellen auf digitale Technologien. So können etwa Druckmaschinen per App gesteuert werden, zahlreiche Sensoren liefern dabei  ausführliche Informationen über den Betriebszustand. Für die Wartung der Maschinen muss kein Techniker mehr vor Ort kommen, per Augmented-Reality-Brille kann dieser aus der Ferne einfach zugeschaltet werden.

Bildunterschrift: Jens-Uwe Meyer hielt die Keynote bei "Denker treffen Lenker".

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