Nach Kommunalwahlen

Mainfränkische Wirtschaft sieht Handlungsbedarf jenseits der Krise

Von der Mobilitätswende bis zum Brückenschlag zwischen Stadt und Landkreis Würzburg sehen die Unternehmen in der Region auch über die aktuelle Krise hinaus starken Handlungsbedarf.  IHK-Präsident Dr. Klaus D. Mapara rückt zentrale Themen ins Blickfeld.

Zusätzlich zu den bereits vor der Coronakrise bestehenden Herausforderungen, trifft viele lokale Unternehmen nun auch ein massiver Geschäftseinbruch.Der IHK-Bezirksausschuss Würzburg hat daher an die neu gewählten Vertreter der Kommunalpolitik konkrete Erwartungen formuliert, um die Wirtschaft nach der Krise möglichst schnell wieder in Gang zu bringen und um langfristig in Stadt und Landkreis Würzburg adäquate Rahmenbedingungen für die regionalen Unternehmen zu schaffen. Zugleich bietet der Ausschuss Lösungsvorschläge und steht für den gemeinschaftlichen Dialog zur Umsetzung der Schritte zur Verfügung.  

Mobilitätswende soll wirtschaftsverträglich ablaufen  

Als eine der größten Herausforderungen wird aus Sicht der Mitglieder des Bezirksausschusses die Verkehrswende gewertet. „Die Mobilität in Würzburg und Mainfranken wird sich in den nächsten Jahren deutlich verändern. Dieser Wandel muss aber wirtschaftsverträglich erfolgen“, sagt Dr. Klaus D. Mapara, IHK-Präsident und Bezirksausschussvorsitzender. Besonders wichtig sei vor diesem Hintergrund eine auf Verträglichkeit der Mobilitätsbedürfnisse ausgerichtete Verkehrsplanung, um die Erreichbarkeit der Innenstädte und Ausbildungsbetrieben zu sichern. Hierzu seien etwa ein regional abgestimmtes Mobilitätsmanagement, der Ausbau intermodaler Mobilitätsangebote mit angebundenem Park-&-Ride-System sowie ein attraktiver öffentlicher Verkehr erforderlich. Die Region Würzburg profitiere aufgrund ihrer Lage mittig in Deutschland und Europa – ein Standortvorteil, den es zu sichern gelte. „Hier muss sich die regionale Politik für wichtige Vorhaben einsetzen, wie den Breitband- und Autobahnausbau, die Energiesicherung, aber auch die Effizienzsteigerung im Schienenverkehr oder die Stärkung der Binnenschifffahrt“, erläutert IHK-Präsident Dr. Mapara.  

Stadt und Land im Fokus  

Wie wichtig eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Breitband ist, zeige nicht zuletzt die Corona-Krise. Telearbeit und Video-Konferenzen bewähren sich zurzeit und würden sich nun gewiss noch schneller und in der Breite etablieren, moderne digitale Angebote müssten laut IHK durchgängig in der ganzen Region funktionieren.  

Für Stadt und Landkreis benennt Dr. Mapara zudem konkrete Maßnahmen, die aus Sicht der ansässigen Unternehmen hohe Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung haben. Der hohe Bedarf an Gewerbe- und Wohnfläche könne etwa durch die Aktivierung ungenutzter Baulücken oder die Nachverdichtung teilbebauter Grundstücke erfolgen. Zudem müsse punktuell über die Aufstockung der bestehenden Bebauung nachgedacht werden, wofür die baurechtlichen Voraussetzungen zu schaffen sind. Zu prüfen seien außerdem örtliche Vorgaben – es könne nicht sein, dass die Befriedigung des hohen Wohnungsbedarfs in Würzburg etwa durch Maßgaben der Stellplatzsatzung ausgebremst werde.  

Straßenbahnlinie 6 muss Vorrang haben  

Schneller vorangehen müsse es laut Dr. Mapara mit dem Ausbau des Straßenbahnnetzes sowie der Einrichtung eines intelligenten Verkehrsleitsystems mit integriertem Parkraummanagement: Weniger Parksuchverkehr bei guter Erreichbarkeit der Stadt über alle Verkehrsträger hinweg sichere die Attraktivität des Handelsstandortes. „Für Unternehmen des Landkreises Würzburg ist vor allem die infrastrukturelle Entwicklung wichtig: Der öffentliche Nahverkehr muss durch eine Taktverdichtung attraktiver werden, denn vor allem stadtnahe Linien könnenden motorisierten Individualverkehr (MIV) ersetzen.“ Zusätzliche Train-Tram-Angebote und S-Bahn ähnliche Verkehre würden die Akzeptanz des Bahnverkehrs steigern und die Städte zusätzlich vom MIV entlasten. Optimiert werden müsse dahingehend auch die Leistungsfähigkeit der Schienenachse Frankfurt-Nürnberg.  

Daseinsvorsorge im Landkreis Würzburg  

Wichtig sei auch, dass die Kommunen die Daseinsvorsorge in den Gemeinden optimieren, um die Lebensqualität der Region für Fachkräfte zu sichern. Doch auch im Bereich der medizinischen Versorgung und der Pflege gebe es Defizite, so Dr. Mapara weiter. „Nicht nur in Würzburg, auch in den Städten abseits des Regionalzentrums steht das innerstädtische Gewerbe unter Druck. Zur Belebung der Ortszentren sollten Maßnahmen zur Revitalisierung von Leerständen hohe Priorität haben. Denkbar wären etwa kommunale Förderprogramme, die die Ansiedlung von Handel, Gastronomie und Dienstleistung finanziell unterstützen“, findet der IHK-Präsident.  

Interkommunale Lösungen werden benötigt  

„Stadt und Landkreis Würzburg sind funktional eng verwoben. Viele wichtige Aufgaben müssen daher gemeindeübergreifend angegangen werden. Dazu zählt nicht nur die interkommunale Planung, sondern ebenso auch die konkrete Umsetzung“, hebt Dr. Mapara hervor. Gerade im Raum Würzburg sei etwa der Bedarf nach Gewerbeflächen hoch. Hier gelte es, ungenutzte Potenziale zu ermitteln und zu heben, etwa im Rahmen der Innenentwicklung oder in Form interkommunaler Gewerbegebiete. Der IHK-Präsident denkt zudem an neue Konzepte der Flächennutzung, um einerseits die Bedarfe und ansässigen Wirtschaft zu decken, gleichzeitig aber auch bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Wichtig sei dazu zu ermitteln, welchen Flächenbedarf heimische Unternehmen mittelfristig haben, um diese am Standort zu halten.  

Kommunikation „auf Augenhöhe“ elementar  

Besonders wichtig ist den Unternehmern eine engere Abstimmung in der kommunalen Planung. Laut IHK-Präsident würden wirtschaftliche Bedarfe und unternehmerische Entscheidungen seitens der Politik nicht hinreichend wertgeschätzt. Dabei seien gesellschaftliche Verantwortung und nachhaltiges Wirtschaften zentrale Maßvorgabe unternehmerischen Handelns. Allzu oft würden Entscheidungen der regionalen Wirtschaft seitens der Politik kritisiert, anstatt den offenen Dialog zu suchen. Genau diesen bieten die Unternehmer den neu gewählten Kommunalvertretern an.  

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Zusätzlich zu den bereits vor der Coronakrise bestehenden Herausforderungen, trifft viele lokale Unternehmen nun auch ein massiver Geschäftseinbruch.Der IHK-Bezirksausschuss Würzburg hat daher an die neu gewählten Vertreter der Kommunalpolitik konkrete Erwartungen formuliert, um die Wirtschaft nach der Krise möglichst schnell wieder in Gang zu bringen und um langfristig in Stadt und Landkreis Würzburg adäquate Rahmenbedingungen für die regionalen Unternehmen zu schaffen. Zugleich bietet der Ausschuss Lösungsvorschläge und steht für den gemeinschaftlichen Dialog zur Umsetzung der Schritte zur Verfügung.  

Mobilitätswende soll wirtschaftsverträglich ablaufen  

Als eine der größten Herausforderungen wird aus Sicht der Mitglieder des Bezirksausschusses die Verkehrswende gewertet. „Die Mobilität in Würzburg und Mainfranken wird sich in den nächsten Jahren deutlich verändern. Dieser Wandel muss aber wirtschaftsverträglich erfolgen“, sagt Dr. Klaus D. Mapara, IHK-Präsident und Bezirksausschussvorsitzender. Besonders wichtig sei vor diesem Hintergrund eine auf Verträglichkeit der Mobilitätsbedürfnisse ausgerichtete Verkehrsplanung, um die Erreichbarkeit der Innenstädte und Ausbildungsbetrieben zu sichern. Hierzu seien etwa ein regional abgestimmtes Mobilitätsmanagement, der Ausbau intermodaler Mobilitätsangebote mit angebundenem Park-&-Ride-System sowie ein attraktiver öffentlicher Verkehr erforderlich. Die Region Würzburg profitiere aufgrund ihrer Lage mittig in Deutschland und Europa – ein Standortvorteil, den es zu sichern gelte. „Hier muss sich die regionale Politik für wichtige Vorhaben einsetzen, wie den Breitband- und Autobahnausbau, die Energiesicherung, aber auch die Effizienzsteigerung im Schienenverkehr oder die Stärkung der Binnenschifffahrt“, erläutert IHK-Präsident Dr. Mapara.  

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Wie wichtig eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Breitband ist, zeige nicht zuletzt die Corona-Krise. Telearbeit und Video-Konferenzen bewähren sich zurzeit und würden sich nun gewiss noch schneller und in der Breite etablieren, moderne digitale Angebote müssten laut IHK durchgängig in der ganzen Region funktionieren.  

Für Stadt und Landkreis benennt Dr. Mapara zudem konkrete Maßnahmen, die aus Sicht der ansässigen Unternehmen hohe Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung haben. Der hohe Bedarf an Gewerbe- und Wohnfläche könne etwa durch die Aktivierung ungenutzter Baulücken oder die Nachverdichtung teilbebauter Grundstücke erfolgen. Zudem müsse punktuell über die Aufstockung der bestehenden Bebauung nachgedacht werden, wofür die baurechtlichen Voraussetzungen zu schaffen sind. Zu prüfen seien außerdem örtliche Vorgaben – es könne nicht sein, dass die Befriedigung des hohen Wohnungsbedarfs in Würzburg etwa durch Maßgaben der Stellplatzsatzung ausgebremst werde.  

Straßenbahnlinie 6 muss Vorrang haben  

Schneller vorangehen müsse es laut Dr. Mapara mit dem Ausbau des Straßenbahnnetzes sowie der Einrichtung eines intelligenten Verkehrsleitsystems mit integriertem Parkraummanagement: Weniger Parksuchverkehr bei guter Erreichbarkeit der Stadt über alle Verkehrsträger hinweg sichere die Attraktivität des Handelsstandortes. „Für Unternehmen des Landkreises Würzburg ist vor allem die infrastrukturelle Entwicklung wichtig: Der öffentliche Nahverkehr muss durch eine Taktverdichtung attraktiver werden, denn vor allem stadtnahe Linien könnenden motorisierten Individualverkehr (MIV) ersetzen.“ Zusätzliche Train-Tram-Angebote und S-Bahn ähnliche Verkehre würden die Akzeptanz des Bahnverkehrs steigern und die Städte zusätzlich vom MIV entlasten. Optimiert werden müsse dahingehend auch die Leistungsfähigkeit der Schienenachse Frankfurt-Nürnberg.  

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Wichtig sei auch, dass die Kommunen die Daseinsvorsorge in den Gemeinden optimieren, um die Lebensqualität der Region für Fachkräfte zu sichern. Doch auch im Bereich der medizinischen Versorgung und der Pflege gebe es Defizite, so Dr. Mapara weiter. „Nicht nur in Würzburg, auch in den Städten abseits des Regionalzentrums steht das innerstädtische Gewerbe unter Druck. Zur Belebung der Ortszentren sollten Maßnahmen zur Revitalisierung von Leerständen hohe Priorität haben. Denkbar wären etwa kommunale Förderprogramme, die die Ansiedlung von Handel, Gastronomie und Dienstleistung finanziell unterstützen“, findet der IHK-Präsident.  

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