Würzburger Startup

Priotic will mit Hilfe von Alexa, Siri und Co. die papierfreie Intralogistik realisieren

Nach dem Wohnzimmer sollen Sprachassistenten wie Alexa, Siri oder Cortana als nächstes auch Lagerhallen erobern. Zumindest wenn es nach Stefan Vogt geht, Mitgründer des Würzburger Logistik-Startups Priotic. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Ruben Merkle und Rüdiger Ziemelis hat er einen digitalen Lagerleitstand für die Intralogistik von Unternehmen entwickelt, der sich per Sprachbefehl steuern lässt.

Wie genau das funktioniert, zeigt Vogt mit einer praktischen Demonstration. Per Sprachbefehl startet er das sogenannte Lager-Dashboard auf seinem Tablet. Eine Computerstimme ertönt: „Was kann ich für Sie tun?“. Wie der aktuelle Lagerfüllstand ist, will Vogt nun wissen und stellt dem Sprachassistenten die entsprechende Frage. Die gewünschte Antwort bekommt der Wirtschaftsinformatiker jetzt aber noch nicht. Sondern erstmal eine Gegenfrage, nämlich für welches Lager der Füllstand ausgegeben werden soll. „Für das Hochregallager“, präzisiert Vogt seine Anfrage. Und bekommt prompt die gewünschte Auskunft: „Der Füllgrad beträgt 81,10 Prozent für das Hochregallager“, sagt die Computerstimme. Stefan Vogt zeigt sich zufrieden mit der Demonstration. „Das System funktioniert mittlerweile gut“, bemerkt er. 

Der Lagerleitstand mit Sprachsteuerung ist für Priotic indes nur der erste Schritt. „Im Prinzip soll das eine ganzheitliche Prozessteuerung mit Sprache werden, mit der ich die ganze Logistik innerhalb eines Unternehmens abwickeln kann“, erläutert Vogt. Der Schwerpunkt des Systems soll dabei die Steuerung per Sprachbefehl sein. Nach Einschätzung des Mitgründers bietet diese nämlich zahlreiche Vorteile. So könnten beispielsweise Lagerfüllstände von überall aus abgefragt werden, es sei also nicht mehr nötig, dazu an einen PC zu gehen und eine Software zu starten. Das Lager-Dashboard könne unter anderem ganz einfach per Bluetooth-Headset bedient werden. Das soll den Unternehmen vor allem Zeit sparen und Daten jederzeit verfügbar machen. „So schnell wie ich den Sprachassistent etwas fragen kann, haben Sie ihren Laptop nicht aufgeklappt, das Passwort eingegeben, das entsprechende Programm gestartet und die Kennzahlen rausgesucht“, ist sich der studierte Wirtschaftsinformatiker sicher. Daneben werde mit dem System ein Medienbruch vermieden. Sprich: Es muss nichts mehr erst am PC ausgedruckt, dann handschriftlich eingetragen und letztlich wieder in den PC übertragen werden. „Wir können damit eine komplett papierfreie Logistik realisieren“, so Vogt.

Großes Digitalisierungspotenzial in der Logistikbranche

Der Startschuss für Priotic ist im März des vergangenen Jahres gefallen. Die drei Gründer kannten sich bereits aus dem Studium, hatten dort auch bereits mit dem Thema Logistik zu tun. Nach der Universität trennen sich ihre Wege allerdings zunächst. Im Berufsleben beschäftigen sie sich alle drei mit ERP-und Lagerverwaltungssystemen. Die Abkürzung steht für „Enterprise Ressource Planing“, gemeint sind damit Anwendungen zur bedarfsgerechten Planung und Steuerung von Ressourcen in Unternehmen. Rund vier Jahre dauert es, bis sich ihre Wege wieder kreuzen. In ihren Berufen haben alle drei eine ähnliche Erfahrung gemacht. Nämlich, dass vor allem in der Logistikbranche großes Potenzial für digitale Innovationen vorhanden ist. „Wir haben uns gedacht, das muss doch besser gehen“, erinnert sich Stefan Vogt. Die Idee für Priotic ist geboren. Das Ziel des Startups: Unternehmen bei der Optimierung (sprich Digitalisierung) sämtlicher Logistikprozesse auf ihrem Firmengelände zu helfen. Die drei Gründer wollen sich dabei nicht auf eine spezielle Branche oder Unternehmensgröße fokussieren, ihre Lösungen soll für alle Firmen funktionieren.

Als technischen Unterbau nutzt das Würzburger Nachwuchsunternehmen die ERP-Lösung S/4HANA des Walldorfer Softwareriesen SAP. Diese bietet ein Extended-Warehouse-Management-System, auf welches die Würzburger aufbauen. „Das gibt uns ein gutes Framework mit schon vorhandenen Prozessen, die sich bereits bewährt haben“, so Vogt. Auf dieses Fundament setzen die drei Gründer ihre übersichtliche Dashboard-Oberfläche und die Sprachsteuerung. Bei seinem Demonstrationssystem nutzt Priotic als Sprachassistent Amazons Alexa, allerdings werden auch andere Lösungen wie Siri, Cortana oder der Google Assistent unterstützt. „Wir entwickeln jeweils gemeinsam mit den Kunden ein Sprachmodell, um festzulegen, welche Befehle das System verstehen soll“, erklärt Stefan Vogt. Mithilfe eines selbstentwickelten Frameworks könne dieses Modell dann für jeden gewünschten Assistenten portiert werden.

Neue Erkenntnisse dank KI

In Zukunft wollen die Würzburger sich auch noch mit weiteren Technologien beschäftigen. Ganz oben steht dabei das Thema Künstliche Intelligenz. „Unglaubliches Potenzial bei der Optimierung von Materialflüssen“ attestiert der Mitgründer der Technologie. „Wir gehen davon aus, dass wir mit Hilfe einer KI, die mit ausreichend Daten versorgt wird, bei der Optimierung der Intralogistik Dinge entdecken können, auf die noch gar kein Mensch gekommen ist“, formuliert Vogt seine Erwartungen. Daneben will er sich mit seinen Kollegen auch mit der Blockchain-Technologie befassen. Diese ist seiner Meinung nach ebenfalls sehr interessant, wobei konkrete Einsatzmöglichkeiten in der Intralogistik noch eher schwierig auszumachen sind.

Wirtschaftlich sieht es für Priotic aktuell gut aus. Das Startup schreibt nach eigener Aussage bereits schwarze Zahlen und kann sich aus seinen laufenden Umsätzen finanzieren. Diese lagen im ersten Jahr im niedrigen sechsstelligen Bereich. Außerdem befinde sich das Unternehmen im starken Wachstum, wie Stefan Vogt anmerkt. Zu den Kunden des Unternehmens gehören unter anderem der Bekleidungskonzern s.Oliver und der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer. Geld verdienen die Würzburger mit ihrer Lösung über ein Software-as-a-Service-Modell bzw. Beratungsleistungen.

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Würzburger Startup

Priotic will mit Hilfe von Alexa, Siri und Co. die papierfreie Intralogistik realisieren

Nach dem Wohnzimmer sollen Sprachassistenten wie Alexa, Siri oder Cortana als nächstes auch Lagerhallen erobern. Zumindest wenn es nach Stefan Vogt geht, Mitgründer des Würzburger Logistik-Startups Priotic. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Ruben Merkle und Rüdiger Ziemelis hat er einen digitalen Lagerleitstand für die Intralogistik von Unternehmen entwickelt, der sich per Sprachbefehl steuern lässt.

Wie genau das funktioniert, zeigt Vogt mit einer praktischen Demonstration. Per Sprachbefehl startet er das sogenannte Lager-Dashboard auf seinem Tablet. Eine Computerstimme ertönt: „Was kann ich für Sie tun?“. Wie der aktuelle Lagerfüllstand ist, will Vogt nun wissen und stellt dem Sprachassistenten die entsprechende Frage. Die gewünschte Antwort bekommt der Wirtschaftsinformatiker jetzt aber noch nicht. Sondern erstmal eine Gegenfrage, nämlich für welches Lager der Füllstand ausgegeben werden soll. „Für das Hochregallager“, präzisiert Vogt seine Anfrage. Und bekommt prompt die gewünschte Auskunft: „Der Füllgrad beträgt 81,10 Prozent für das Hochregallager“, sagt die Computerstimme. Stefan Vogt zeigt sich zufrieden mit der Demonstration. „Das System funktioniert mittlerweile gut“, bemerkt er. 

Der Lagerleitstand mit Sprachsteuerung ist für Priotic indes nur der erste Schritt. „Im Prinzip soll das eine ganzheitliche Prozessteuerung mit Sprache werden, mit der ich die ganze Logistik innerhalb eines Unternehmens abwickeln kann“, erläutert Vogt. Der Schwerpunkt des Systems soll dabei die Steuerung per Sprachbefehl sein. Nach Einschätzung des Mitgründers bietet diese nämlich zahlreiche Vorteile. So könnten beispielsweise Lagerfüllstände von überall aus abgefragt werden, es sei also nicht mehr nötig, dazu an einen PC zu gehen und eine Software zu starten. Das Lager-Dashboard könne unter anderem ganz einfach per Bluetooth-Headset bedient werden. Das soll den Unternehmen vor allem Zeit sparen und Daten jederzeit verfügbar machen. „So schnell wie ich den Sprachassistent etwas fragen kann, haben Sie ihren Laptop nicht aufgeklappt, das Passwort eingegeben, das entsprechende Programm gestartet und die Kennzahlen rausgesucht“, ist sich der studierte Wirtschaftsinformatiker sicher. Daneben werde mit dem System ein Medienbruch vermieden. Sprich: Es muss nichts mehr erst am PC ausgedruckt, dann handschriftlich eingetragen und letztlich wieder in den PC übertragen werden. „Wir können damit eine komplett papierfreie Logistik realisieren“, so Vogt.

Großes Digitalisierungspotenzial in der Logistikbranche

Der Startschuss für Priotic ist im März des vergangenen Jahres gefallen. Die drei Gründer kannten sich bereits aus dem Studium, hatten dort auch bereits mit dem Thema Logistik zu tun. Nach der Universität trennen sich ihre Wege allerdings zunächst. Im Berufsleben beschäftigen sie sich alle drei mit ERP-und Lagerverwaltungssystemen. Die Abkürzung steht für „Enterprise Ressource Planing“, gemeint sind damit Anwendungen zur bedarfsgerechten Planung und Steuerung von Ressourcen in Unternehmen. Rund vier Jahre dauert es, bis sich ihre Wege wieder kreuzen. In ihren Berufen haben alle drei eine ähnliche Erfahrung gemacht. Nämlich, dass vor allem in der Logistikbranche großes Potenzial für digitale Innovationen vorhanden ist. „Wir haben uns gedacht, das muss doch besser gehen“, erinnert sich Stefan Vogt. Die Idee für Priotic ist geboren. Das Ziel des Startups: Unternehmen bei der Optimierung (sprich Digitalisierung) sämtlicher Logistikprozesse auf ihrem Firmengelände zu helfen. Die drei Gründer wollen sich dabei nicht auf eine spezielle Branche oder Unternehmensgröße fokussieren, ihre Lösungen soll für alle Firmen funktionieren.

Als technischen Unterbau nutzt das Würzburger Nachwuchsunternehmen die ERP-Lösung S/4HANA des Walldorfer Softwareriesen SAP. Diese bietet ein Extended-Warehouse-Management-System, auf welches die Würzburger aufbauen. „Das gibt uns ein gutes Framework mit schon vorhandenen Prozessen, die sich bereits bewährt haben“, so Vogt. Auf dieses Fundament setzen die drei Gründer ihre übersichtliche Dashboard-Oberfläche und die Sprachsteuerung. Bei seinem Demonstrationssystem nutzt Priotic als Sprachassistent Amazons Alexa, allerdings werden auch andere Lösungen wie Siri, Cortana oder der Google Assistent unterstützt. „Wir entwickeln jeweils gemeinsam mit den Kunden ein Sprachmodell, um festzulegen, welche Befehle das System verstehen soll“, erklärt Stefan Vogt. Mithilfe eines selbstentwickelten Frameworks könne dieses Modell dann für jeden gewünschten Assistenten portiert werden.

Neue Erkenntnisse dank KI

In Zukunft wollen die Würzburger sich auch noch mit weiteren Technologien beschäftigen. Ganz oben steht dabei das Thema Künstliche Intelligenz. „Unglaubliches Potenzial bei der Optimierung von Materialflüssen“ attestiert der Mitgründer der Technologie. „Wir gehen davon aus, dass wir mit Hilfe einer KI, die mit ausreichend Daten versorgt wird, bei der Optimierung der Intralogistik Dinge entdecken können, auf die noch gar kein Mensch gekommen ist“, formuliert Vogt seine Erwartungen. Daneben will er sich mit seinen Kollegen auch mit der Blockchain-Technologie befassen. Diese ist seiner Meinung nach ebenfalls sehr interessant, wobei konkrete Einsatzmöglichkeiten in der Intralogistik noch eher schwierig auszumachen sind.

Wirtschaftlich sieht es für Priotic aktuell gut aus. Das Startup schreibt nach eigener Aussage bereits schwarze Zahlen und kann sich aus seinen laufenden Umsätzen finanzieren. Diese lagen im ersten Jahr im niedrigen sechsstelligen Bereich. Außerdem befinde sich das Unternehmen im starken Wachstum, wie Stefan Vogt anmerkt. Zu den Kunden des Unternehmens gehören unter anderem der Bekleidungskonzern s.Oliver und der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer. Geld verdienen die Würzburger mit ihrer Lösung über ein Software-as-a-Service-Modell bzw. Beratungsleistungen.

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