Kommentar

Startet jetzt die Gegen-Disruption?

Manches disruptive Geschäftsmodell, noch vor wenigen Monaten gehypt, dass die Börsenkurse krachten, hat sich nicht als krisenresisten erwiesen. Wenn selbst die Old Economy nicht mehr weiter weiß, geht auch den Ubers und Airbnbs dieser Welt die Luft aus. Kommt es jetzt zur großen Gegenbewegung?

So ähnlich, wie Rezo mit einem Video die CDU zerstören wollte, so ähnlich hatten sich geschäftstüchtige Business-Entwickler auch den Niedergang der einen oder anderen etablierten Branche vorgestellt. Statt piefigen Taxis sollten hippe Ubers die mobile Menschheit durch die Städte karren. Statt klassischer Nächte im Hotel würde das globale Reisevolk lieber privatissime in uniquen Airbnb-Absteiten nächtigen. Statt mit dem Auto ginge es wochenendabends mit dem E-Roller in die City. Und nun?

Wo diie Konjunkturkrise und die Verbraucherabwesenheit im klassischen Sektor erbarmungslos zuschlägt, bleibt auch in der disruptiven Gegenwelt kein Auge trocken. Schlimmer noch: Die oft gescholtenen, unbeweglichen Strukturen der Mainstream-Wirtschaft erwiesen sich in vielen Fällen als robuster in ihren Antworten auf die Krise als jene, die sich bewusst aus diesen Strukturen gelöst hatten.tz 

Beim Wiederanlaufen der Konjunktur werden sich beide Konzepte schwertun. Die klassischen Anbieter aber werden Vorteile ins Spiel bringen können, die den Herausforderern fehlen. Ein Hotel oder ein Taxi wird Sicherheiten für Reinigung und Desinfektion schaffen können, um das Vertrauen der Kundschaft zurückzugewinnen. Aber ist das bei einer gemieteten Privatwohnung oder der Fahrt in einem Privatauto ebenso sicher zu erwarten? Die Mehrheit der Kunden wird im Zweifelsfall "safety first" entscheiden.

Was aber nicht heißen soll, dass sich das Establishment zurücklehnen darf, weil das Geschäftsmodell des Herausforderers weniger belastbar und krisenresistent ist. Vielmehr gilt es jetzt, wo kreative Ansätze sowie innovative Anpassungsfähigkeit gefragt sind, die gewonnene Frist zu nutzen: Der Kerngedanke der Disruption, aus den Scherben des Alten ein Gefäß fürs Neue zu machen, ist der klügste Schritt, den Unternehmen jetzt gehen können, die sich die Zukunft sichern wollen.

Jetzt die Konzepte und Strategien ergreifen, sie sich noch vor wenigen Monaten gegen eine Branche oder ein Unternehmen gerichtet haben, und daraus Antworten auf ein dramatisch gewandeltes Kundenverhalten entwickeln - da öffnet sich, einmalig und befristet, das Fenster für die Gegen-Disruption. Durch dieses Fenster braucht es den Blick auf gute Produkte, gute Leute und eine gute Reputation: Wohl dem, der eine starke Marke hat, die einen in dieser Zeit im Markt sichtbar macht.

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So ähnlich, wie Rezo mit einem Video die CDU zerstören wollte, so ähnlich hatten sich geschäftstüchtige Business-Entwickler auch den Niedergang der einen oder anderen etablierten Branche vorgestellt. Statt piefigen Taxis sollten hippe Ubers die mobile Menschheit durch die Städte karren. Statt klassischer Nächte im Hotel würde das globale Reisevolk lieber privatissime in uniquen Airbnb-Absteiten nächtigen. Statt mit dem Auto ginge es wochenendabends mit dem E-Roller in die City. Und nun?

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Was aber nicht heißen soll, dass sich das Establishment zurücklehnen darf, weil das Geschäftsmodell des Herausforderers weniger belastbar und krisenresistent ist. Vielmehr gilt es jetzt, wo kreative Ansätze sowie innovative Anpassungsfähigkeit gefragt sind, die gewonnene Frist zu nutzen: Der Kerngedanke der Disruption, aus den Scherben des Alten ein Gefäß fürs Neue zu machen, ist der klügste Schritt, den Unternehmen jetzt gehen können, die sich die Zukunft sichern wollen.

Jetzt die Konzepte und Strategien ergreifen, sie sich noch vor wenigen Monaten gegen eine Branche oder ein Unternehmen gerichtet haben, und daraus Antworten auf ein dramatisch gewandeltes Kundenverhalten entwickeln - da öffnet sich, einmalig und befristet, das Fenster für die Gegen-Disruption. Durch dieses Fenster braucht es den Blick auf gute Produkte, gute Leute und eine gute Reputation: Wohl dem, der eine starke Marke hat, die einen in dieser Zeit im Markt sichtbar macht.

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