Der Rennfahrer aus Franken

101 Köpfe: Andreas Pfister

Andreas Pfister

Andreas Pfister aus Obersfeld im Landkreis Main-Spessart ist Mainfrankens erster Motorsport-Profi mit einem eigenen Racing-Team. Seit drei Jahren fährt er bei der Tourenwagen-Europameisterschaft (ETCC) vorderste Plätze ein. Vor kurzem wurde er wie auch schon im Jahr 2012 Vize-Europameister.

Andreas Pfister ist nicht nur schnell unterwegs, sondern hat als Jungunternehmer seine Motorsport-Karriere mit der Gründung der Pfister-Racing GmbH auf eine solide Finanzbasis gestellt. B4B sprach mit dem schnellen Mainfranken über Motorrennsport, Karriere-Ziele und Unternehmertum.  

Herr Pfister, was muss man sich unter der Tourenwagen-Europameisterschaft (ETCC) vorstellen.

Die Tourenwagen-Europameisterschaft (ETCC) wird im Rahmen der Tourenwagen-WM (WTCC) ausgetragen. Die Rennveranstaltungen – in einer Saison sind das fünf Rennwochenenden – finden in  Monza (Italien), Brünn (Tschechei), am Slovakiaring (Slovakei), am Salzburgring (Österreich) und im Autodromo di Pergusa  statt. Neben BMW sind die Marken Chevrolet, SEAT, Volvo, Alfa Romeo und Honda in der Serie aktiv.

Unsere Meisterschaft hat also nichts mit den Formula-Klassen, wie zum Beispiel der Formel 1 oder den Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM), zu tun. Dies sind aerodynamische Boliden und fahren in einer völlig anderen Dimension. In unserer Rennklasse wird noch mit richtigen Autos gefahren.  Die Rennen stehen ganz im Zeichen von ´real cars – real racing´ mit knallharten Rad-an-Rad-Duellen. Es gibt jeweils zwei Rennen über 30 Minuten mit festgeschriebenen Reglements.

Was fahren Sie für ein Auto?

Mein Rennwagen ist ein SEAT Leon Copa. Der wird von einem 300-PS-Turbomotor angetrieben. Geschaltet wird mit einem DSG (Direktschalt) Renngetriebe. Neben einem Sicherheitskäfig sind natürlich viele spezielle Rennteile verbaut. Das Fahrgestell ist zum Beispiel mit einem Gewindefahrwerk absenkbar. Der Motor verplombt  und nur mit Genehmigung der Rennleitung zu öffnen – und er muss eine Saison lang halten. Das ist nur ein Beispiel zahlreicher Reglements in unserer Europameisterschaftsklasse. Alle Fahrzeuge der Serie müssen ein einheitliches Gewicht haben und sind minimalst ausgestattet – Fenster lassen sich nicht öffnen und auch eine Klimaanlage gibt es nicht. An heißen Tagen sind dann gut 80 Grad im Auto auszuhalten. Und mit unseren Autos werden Spitzengeschwindigtkeiten von bis zu 290 Stundenkilometer gefahren. 

Wie halten Sie sich da fit?

Körperliche Fitness ist ein großes Thema. Bei uns steht aber vor allem Konzentrationsfähigkeit und  Ausdauer im Vordergrund. Diese Faktoren trainiere ich natürlich regelmäßig.

Wie kamen Sie zum Motorsport und in welchen Alter fingen Sie an so richtig Gas zu geben?

Bedingt durch meine Eltern, die in Obersfeld ein Autohaus betreiben, war ich natürlich von Kindes Beinen an mit Autos umgeben. Zudem war ich wie viele von Kartrennen begeistert. Wir haben ja in Gerolzhofen eine Outdoor-Kartbahn.  Aber so richtig angefangen mit dem Motor-Rennsport habe ich erst mit 17 Jahren. Da war die Familie, die mich unterstützte und hinter mir stand, ein wichtiger Faktor. Und das ist bis heute so.

Was waren Ihre ersten Erfolge?

Nach diversen Erfolgen im Kartsport war das die Vize-Meisterschaft im ADAC VW Polo Cup Markenpokal, in dem ich drei Jahre lang gefahren bin.

Was hat Sie dann bewogen ein eigenes Rennteam zu gründen und mit einer GmbH Unternehmer zu werden?

Vor fünf Jahren stand ich vor der Entscheidung in einem anderen Team zu fahren oder auf eigenen Beinen zu stehen. Dazu hatte ich zum Glück Hannes Kerst von der Kerst Business Transformation (Firmensitz im TGZ Würzburg) einen wirtschaftlichen Berater an der Seite zu haben, mit dem ich alle unternehmerischen Risiken schon im Vorfeld durchkalkulieren konnte – angefangen von Sponsorenverträgen, über Verbrauchs- und Risikobewertungen bis hin zu Einnahmemöglichkeiten im unternehmerischen Umfeld des Rennsports. Eine wirtschaftliche Zusammenarbeit, die sich bis heute als sehr erfolgreich bewiesen hat. Ein Rennteam ist zwar eine eigene Welt, sie muss aber ökonomisch auf einer soliden Finanzbasis funktionieren. So gründeten wir 2008 die Pfister-Racing GmbH.

Was muss man sich als Laie unter einem Rennteam vorstellen – und wie ist es unternehmerisch organisiert?

Eigentlich ist es wie in jedem anderen Unternehmen auch. Auf der einen Seite stehen die Ausgaben, auf der andren Seite die Einnahmen. Neben dem Fahrer steht natürlich erst mal ein ganzes Team mit Mechanikern, und Ingenieuren auf der Ausgabeseite. Wir haben einen fest angestellten Mechaniker, die Ingenieure betreuen als Freelancer mit Saisonverträgen das Setup der Rennwagen, wie zum Beispiel die Fahrwerkeinstellung an der Rennstrecke. Bei uns sind es pro Fahrzeug immer drei bis vier Rennsport-Mechaniker und ein bis zwei Ingenieure, die nach Optimierungsmöglichkeiten suchen. Zum Equipment gehören die Rennwagen und ein 18-Tonnen-Truck, mit dem zu den Rennstrecken gefahren wird. Dazu kommt ein Catering-Bereich, in dem Sponsoren, Gäste und Fans an der Rennstrecke bewirtet werden können. Die Reparaturwerkstatt haben wir in Obersfeld bei meinen Eltern.

Auf der Einnahmeseite stehen in erster Linie die Sponsoren-Gelder. Preisgelder fallen da weniger ins Gewicht. Und auf die sollte man sich auch nicht unbedingt verlassen.

Was kostet eine Rennsaison?

In unserer Rennklasse so um die 150.000 Euro.

Werden Sie auch von regionalen Firmen unterstützt?

Aber ja. Als „Rennfahrer aus Franken“ sogar überwiegend aus der Region.  Einige unserer Sponsoren sind zum Beispiel Schmitter Hydraulik aus Arnstein, Main PostLogistik aus Würzburg, Dosch Design aus Marktheidenfeld, Autohaus Schuler + Eisner aus Werneck oder Seitz+Kerler aus Lohr am Main, sowie Bedachungen Weißenberger aus Schwebenried, Top Express aus Aschaffenburg, Allianz Jürgen Bauer aus Würzburg, Lummel SIS aus Karlstadt sowie Sport Saller aus Weikersheim. Daneben haben wir auch Supporter wie das Hotel Waldeck in Oberthulba, die Augenlaserklinik Lohr oder den Marketing-Club Mainfranken. Ein großer Förderer unseres Teams war von der ersten Stunde an auch der ADAC Nordbayern e.V. mit Sitz in Nürnberg.

Welche unternehmerischen Einnahmemöglichkeiten im Rahmen des Motorsports haben sie noch – wie Sie ja vorhin schon andeuteten?

Wir begleiten zum Beispiel den Rennfahrer-Nachwuchs in ihrer Karriere und im Breitensportbereich all jene, die gerne mal Motorspot hinein schnuppern wollen. Das beginnt schon bei 14-jährigen Jugendlichen, die sich zum  Motorsport hingezogen fühlen.

Ist das nicht ein bisschen früh?

Eigentlich nicht. Wer wirklich Talent hat, muss es schon sehr früh entwickeln und spätestens mit 16 Jahren in den Rennsport einsteigen.  

Aber wieder zurück zu Ihrem Unternehmen und zur Nachwuchsausbildung.

Die Nachwuchsfahrerausbildung machen wir als Rennteam auf einem Dacia Logan im ADAC Verkehrssicherheitszentrum Schlüsselfeld. Unsere Kurse sind übrigens international gefragt und fast immer voll ausgebucht. Dafür habe ich eigens eine Instruktorenlizenz für Rennfahrer erworben. Diese Instruktorlizenz setzte eine mehrtägige Schulung des Deutschen Motorsport Bundes (DMSB) voraus.

Aber auch  für den sogenannten Amateur- oder Breitenmotorsport  und auch für den normalen Autofahrer haben wir Angebote. Zehnmal im Jahr veranstalten wir in Schlüsselfeld ein Fahrsicherheitstraining. Das ist, wie ich meine, sehr wichtig. Denn auf der Straße ist es viel gefährlicher als auf der Rennstrecke.

Sind Sie auf der Straße auch ein sportlicher Fahrer?

Ganz und gar nicht.  Man bezeichnet meinen Fahrstil eher als gemütlich. Wo 120 steht fahre ich auch 120.

Neben den klassischen „Nachwuchsrennfahrern“ fühlen sich aber auch „Quereinsteiger“ in unserem Team wohl, die dann zwar schon über 35 Jahre alt sind, aber dennoch den Motorsport ambitioniert und mit Freude bestreiten. Dies nennt sich dann Breitensport bzw. Clubsport. Da die Rennen in dieser Klasse immer länger dauern als im Europa-Cup, können pro Fahrzeug drei Fahrer teilnehmen. Derzeit haben wir die Autos sehr international mit Fahrern aus Österreich, Italien, der Schweiz und Deutschland besetzt. Wir stellen die Autos, die Fahrer müssen sich mit ihren Sponsoren wiederum um die Finanzierung des Rennens kümmern. 

Zudem führen wir Event-Veranstaltungen durch, wie zum Beispiel ein exklusives Sportfahrertraining am Salzburgring oder auch Renntaxi-Fahrten am Hockenheim-Ring. Da kann  jeder als Beifahrer in einem Rennauto einige Runden mitfahren. Und nicht zuletzt sind wir mit unseren Rennwagen oft auf Messen oder bei Firmenveranstaltungen präsent. Überhaupt ist Marketing und die Präsenz in der Öffentlichkeit für uns und unsere Sponsoren ein wichtiger Unternehmensgrundsatz.

Ihre sportliche Bilanz deckt sich also mit dem unternehmerischen Erfolg?

Ich denke schon, auch wenn es am Anfang schon etwas schwierig war, auf eigenen Füßen zu stehen. Aber der Erfolg gibt uns letztendlich recht. Ich habe als Spitzenfahrer ein phantastisches Team hinter mir, bei dem alles ineinander greift. Oft muss man schnelle Entscheidungen treffen – und nicht nur im Rennen. Da ist es wichtig, dass man ein eingespielt ist und sich aufeinander verlassen kann.     

www.pfister-racing.eu

Zum Artikel "Vize-Titel für den Rennfahrer aus Franken"

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