Der Steuerberater und Partner

101 Köpfe - Interview mit Michael Sabisch - Ecovis

Foto von Michael Sabisch (Ecovis) - 101 Köpfe

Michael Sabisch ist Leiter und Partner der Ecovis-Niederlassung in Volkach/Gerolzhofen sowie Vorsitzender des Stiftungsrates der Ecovis & Friends Stiftung. Im Interview spricht der 51-Jährige, der zudem Mitglied im Gesellschafterbeirat der Ecovis-Gruppe ist, unter anderem über die Herausforderungen der Steuerbranche.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN MAINFRANKEN: Herr Sabisch, Sie sind nun bereits seit 1993 bei Ecovis. Was hat sich im Laufe der Jahre geändert?

Zuerst einmal ist interessant, dass unsere Gruppe bereits über eine 100 Jahre alte Historie verfügt. Ecovis entwickelte sich aus der BLB Steuerberatungsgesellschaft. Drei große Gesellschaften – BLB Steuerberatungsgesellschaft, WWS Steuerberatungsgesellschaft und Grieger Mallison – haben vor 12 Jahren die Dachmarke „ECOVIS“ gegründet. Dort sind Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und Unternehmensberater vertreten.

Was war die Idee dahinter?

Mit den anderen Kanzleigruppen wollte die BLB Steuerberatungsgesellschaft eine überregionale Marke initiieren, welche auch international, mit aktuell 60 Kanzleien in 50 Ländern, top aufgestellt ist. Der Name ECOVIS steht für Economy und Vision. Das bedeutet, dass wir nach vorne schauen und im Rahmen der Bilanz- und Einkommensteuerbesprechungen nicht nur „alte“ Zahlen diskutieren möchten.

Was ist das Besondere an Ecovis?

Der Vorteil von Ecovis ist, dass es inhabergeführt ist. Unser Slogan lautet „Persönlich gut beraten“. Das bedeutet, dass wir uns jeweils vor Ort auf die Mandantenbedürfnisse und Besonderheiten einstellen können, aber trotzdem mit dem zentralen Backoffice in München einen „großen Overhead“ über uns haben. Dort sitzen Spezialisten unter anderem für die Bereiche Landwirtschaft, Gewerbe, Umsatzsteuer und Auslandssachverhalte. Wir besetzen damit einen großen Fundus, auf den wir zurückgreifen können, und tauschen uns auch innerhalb der Kollegen rege aus. Darüber hinaus haben wir eine eigene Akademie für die Fortbildung unserer Mitarbeiter und eine eigene zentrale EDV-Abteilung. Über unsere zahlreichen Auslandskanzleien bieten wir unseren Mandanten einen umfassenden Service aller denkbaren Auslandsgestaltungen.

Wird vor allem der letzte Punkt immer wichtiger?

Auf jeden Fall. Immer mehr Mandanten haben Auslandskontakte, indem sie bei Gründung eines Unternehmens im Ausland etwas dorthin liefern, etwas aus dem Ausland bestellen, eine Messe besuchen oder einen ausländischen Arbeitnehmer einstellen. Es geht einfach nur noch international. Wir haben mittlerweile 130 Standorte in Deutschland und sind weltweit in über 50 Ländern vertreten.

Was ist die größte Herausforderung an Ihrem Beruf?

Das Spezielle an der Steuerberatung ist, dass man in dieser Branche permanent auf dem Laufenden bleiben muss. Das ist für eine Einzelkanzlei, die nicht irgendwo angebunden ist, praktisch nicht mehr möglich. Man müsste grundsätzlich Mandate ablehnen, wenn man bestimmte Sachverhalte noch nicht gehabt hat, oder sich auf eine Branche spezialisiert. Allen Anforderungen gerecht zu werden, geht nur noch, wenn man gewisse Aufgaben zentralisiert und dann vor Ort wieder individualisiert. Wir haben aktuell innerhalb unserer Gruppe vermehrt Nachfragen von Einzelkämpferkanzleien, die überlegen, sich uns anzuschließen.  

Gibt es bei Ihnen einen strikten Tagesablauf?

Nein. Wir versuchen, dass wir die Besprechungen überwiegend hier im Haus haben, wo wir Mitarbeiter hinzuziehen können und vollen Datenzugriff haben. Ich fange meistens um halb acht an zu arbeiten. Der Tätigkeitsbereich bei uns ist vermehrt werthaltige Beratung, welche als Basis die Finanz- und Lohnbuchführungen sowie Abschlussarbeiten benötigt.  Gerade im Bereich der Buchführung wird immer mehr automatisiert und digitalisiert.

Womit haben Sie als Leiter der Niederlassung derzeit am meisten zu kämpfen?

Die größte Herausforderung ist es, Personal zu finden und es aus- und weiterzubilden. Der Trend geht zu Akademikern beziehungsweise Mitarbeitern, die sich über eine Lehre weiter zum Bilanzbuchhalter, Steuerfachwirt etc. weiterbilden. Bei uns können sich Mitarbeiter bis zum Steuerberater „hocharbeiten“. Wir betreiben hierfür auch aktives Personalmarketing.

Was macht Ihnen bei Ihrem Job am meisten Spaß?

Es gibt keinen monotonen Arbeitsablauf. Der Tag beginnt und plötzlich ist es Abend.  Ich habe mit In- und Ausländern, Einmannbetrieben bis Unternehmen mit 200 Mitarbeitern zu tun. Diese Gespräche sind unheimlich abwechslungsreich, aber auch fordernd. In der Regel bin ich auch im Urlaub per Mail mit der Kanzlei verbunden, um notfalls unterstützend eingreifen zu können.  

Wo zieht es Sie an einem freien Tag hin?

Sportliche Aktivitäten wie Beachvolleyball oder Basketball stehen ganz oben. Oder auch Städtetouren mit meiner Frau und Spaziergänge mit den Hunden. Vorteil ist, dass sich das Kanzleigebäude neben unserem Wohnhaus befindet. Nachteil ist, dass ich mich, wenn ich Urlaub mache, nicht in den Garten legen kann und die Arbeit nebenan auflaufen sehe, sondern dann wegfahren „muss“.

Was ist Ihr Lieblingsurlaubsort?

Die Nordsee und Südafrika. Das ist zwar ein Gegensatz, aber bekanntlich ziehen sich ja Gegensätze an.  

Was sind sowohl privat als auch beruflich Ihre größten Wünsche für die Zukunft?

Dass der Gesetzgeber irgendwann ein Einsehen mit den Ganzen, sich zum Teil widersprechenden, Änderungen hat und eine gewisse Verlässlichkeit und Planungssicherheit in der Steuergesetzgebung auf den Weg bringt. Zudem ist es besonders wichtig, dass uns die Mandanten weiterhin so viel Vertrauen schenken und die Mitarbeiter uns die Stange halten.

Was bringt Sie gerne mal auf die Palme?

Wenn jemand, egal ob im privaten oder geschäftlichen Bereich, keine Kompromissfähigkeit zeigt oder sich nicht teamfähig verhält. Teilweise hat man das Gefühl, dass der Ego-Bereich stärker zunimmt. Deshalb haben wir auch die Ecovis & Friends Stiftung gegründet, damit wir uns unserer Verantwortung bewusst werden und auch etwas an diejenigen zurückgeben, die es deutlich notwendiger als wir benötigen.

Ganz spontan in 30 Sekunden: Nennen Sie uns tolle Persönlichkeiten aus Mainfranken? 

Als Sportler würde ich Dirk Nowitzki nennen. Im Bereich der Musik die Opernsängerin Waltraud Meier und Matthias Gensner, der mit dem Verein „Innovative Sozialarbeit e.V.“ eine hervorragende Jugendarbeit macht und benachteiligte Jugendliche unterstützt.

Vielen Dank für das Gespräch!

nach oben