Der Baubiologe

101 Köpfe: Sascha Thom

Sascha Thom

Sascha Thom ist Baubiologe IBN aus Kirchheim und Spezialist für den ökologischen Innenausbau. Im Gespräch mit B4B redet der Experte für Baubiologie über Beruf, Werdegang, was ihn antreibt sowie über Arbeitsweise und sein Verständnis von Nachhaltigkeit

Herr Thom, Ihr Unternehmen heißt Baukunst Natur. Sind Sie mehr Künstler oder mehr Handwerker?

Eindeutig Handwerker.

Warum?

Unter Künstler verstehe ich jemanden, der sehr auf Form und Schönheit bedacht ist. Nicht, dass es mir darum nicht auch ginge. In erster Linie aber denke ich funktional und an Auftraggeber und Vorgaben orientiert. Wenn es dann am Ende doch auch noch Charakter hat, dann ist das mein Anspruch. Aber nicht das einzige Motiv.

Warum soll man mit Ihnen arbeiten und nicht mit irgendeinem Wettbewerber?

(überlegt) Weil ich unabhängig bin. Aus diesem Grund kann ich frei beraten und für Auftraggeber ganz eigene Konzepte planen. Zudem arbeite ich sehr gewissenhaft, präzise und habe dabei die Symbiose zwischen Individualität meines Kunden und dem Objekt im Auge. Nicht, dass das andere nicht auch täten. Mir ist es aber wichtig, genau daran gemessen zu werden.

Ökologisch. Biologisch. Nachhaltig. Die Begriffe werden heute auch aus werblichen Motiven missbraucht, richtig?

Wohl wahr. Ich für meinen Teil bin vor über zwölf Jahren durch die Geburt meiner Tochter zu Baubiologie und ökologischem Bauen gekommen. Ganz un-ideologisch war ich dann federführend beteiligt beim Aufbau eines Waldorf-Kindergartens. Die hier notwendige Beschäftigung mit Nachhaltigkeit und ökologischen Grundsätzen hat einen so bleibenden Eindruck hinterlassen, dass ich mich darauf spezialisiert habe. Es macht einfach Sinn, in gesundem Umfeld zu leben und zu arbeiten. Allerdings weder unreflektiert noch dogmatisch.

Dennoch profitieren Sie davon, dass ökologisch gerade "in" ist?

Wissen Sie, es geht darum einen Standpunkt zu haben. Mit 17 hatte ich längere Haare, habe manches ein bisschen anders gemacht als andere. Ruck zuck war ich ein "Öko". Dabei habe ich nur genau nachgedacht und habe versucht mir treu zu bleiben. Das ist auch heute so. Es ist doch entscheidend die Dinge zu tun, die man für wichtig und richtig hält. Wenn das dann gerade "in" ist, von mir aus.

Beschreiben Sie uns bitte Ihren idealen Kunden.

Ich mag ehrlich umweltbewusste Menschen, die offen sind für neue Impulse und Ideen. Gerade im ökologischen Kontext gibt es viel ideologische Verbohrtheit und falsche Dogmatik. Ich mag Menschen, die nicht nur einem vordergründigen Trend nachlaufen.

Viel Empathie, wenig Ökonomie: Klingt nicht nach einem guten Geschäftsmann ...

(lacht) Mag sein, aber um Aufträge muss ich mir gerade keine Sorgen machen. Und im Privatbereich finde ich fast immer die eben beschriebenen Auftraggeber. Solche, die objektiv Lust auf gesundes Wohnen haben - auch jenseits von Trends.

Wie kommen Sie an neue Kunden?

Die neuen Kunden kommen zu mir (lacht). Nein, das soll nicht überheblich klingen, aber die Dinge ergeben sich. Sicher auch aufgrund einer guten Vernetzung mit anderen Handwerksbetrieben, die meine Expertise suchen.

... die Isofloc-Dämmung?

Ja, unter anderem. Wir sind zertifizierter Isofloc-Fachbetrieb. Da gibt es in unserer Region nicht viele.

Was ist das Besondere der Dämmung mit Isofloc?

Isofloc besteht aus Zellulose, der Naturfaser des Holzes. Die holzähnlichen Eigenschaften führen dazu, dass die mit Isofloc gedämmten Decken, Wände und Böden Heizenergie speichern. Im Sommer aber für kühle und gleichmäßige Innentemperaturen sorgen. Mit Verlaub ein genialer Dämmstoff.

Was macht Ihnen am Beruf am meisten Spaß?

Nachhaltige Ergebnisse machen mir großen Spaß. Und dass ich in meinem Beruf im Rahmen bestimmter Normen und Vorgaben kreativ sein und bleiben kann. Am meisten Freude macht mir daher auch die Altbausanierung. Und wenn der Kunde hinterher begeistert bzw. manchmal auch überrascht ist, dann ist das die Krönung.

Wie viel Zeit Ihrer Selbständigkeit brauchen Sie für die Fortbildung?

Sehr viel. Gerade mache ich drei IHK Workshops. Dann war ich auf der Messe Dach & Holz in Stuttgart, wo sich wieder neue Impulse und Weiterbildungs-Ansätze ergaben. Einmal im Jahr muss ich bei Isofloc eine Weiterbildung absolvieren. Neue Normen und EnEF-Bestimmungen variieren. Zudem bin ich im Arbeitskreis Baubiologie mit regelmäßigen Treffen. Kurz: Weiterbildung nimmt viel Raum ein.

Bitte nennen Sie uns eine Ihrer Leidenschaften.

Da gibt es viele. Meine Familie. Musik. Geschichte, insbesondere Architektur und Baukunst. Oder ganz konkret, wenn sich Beruf und Hobby mischen. Wie gerade in Holzkirchen, wo ich mich mit einem Gebäude aus dem Jahr 1735 auseinandersetze. Umso mehr Du über die Zeit der Erstellung weißt, umso mehr schätzt Du die Leistungen der damaligen Handwerker. Und bekommst ein Verständnis für Zusammenhänge. Das kann schon faszinierend sein.

Wohin fahren Sie ein Urlaub?

Zuletzt ging es mit dem Wohnmobil nach Italien, wo wir den Vater meiner Frau besucht haben. Von der Rundfahrt über Besichtigungen bis zum Strandurlaub haben wir alles gemacht.

Gibt es ein Reiseziel, das Sie in jedem Fall noch besuchen wollen?

Nicht zwingend. Wir haben mal für eineinhalb Jahre in Schweden gelebt und gearbeitet. Trotzdem waren wir nie am Nordkap. Das würde ich mir nochmal gerne anschauen.

Welche historische Persönlichkeit finden Sie richtig gut?

Au weia. Goethe war schon klasse, toll sein Facettenreichtum. Rudolf Steiner finde ich gut. Und Mozart, der war ein unglaubliches Genie.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten mit jemandem Abendessen zu gehen, wer wäre das?

Mit meiner Frau. Ohne Quatsch, wir haben vier Kinder und waren seit vielen Jahren nicht mehr richtig aus oder schön essen zusammen.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachtisch?

Derzeit liegen da mehrere. Eines handelt von der Idee Spiritualität und Baukunst zur Synthese zu bringen. Bei einem anderen geht es um Physik und Transzendenz. Und da liegt auch noch "Das große Buch vom Fasten". Klingt alles irgendwie ganz schön alternativ. Dabei bin ich echt ein bodenständiger Typ, versprochen (lacht).

Ein Zitat zum Abschluss, das Sie wirklich mögen?

Lehre bildet Geister, Übung macht den Meister. Nach Aussage meiner Frau wird das von mir am meisten verwendet.

Link zur Webseite:
http://www.baukunstnatur.de

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