Thema der Woche

Die Lärm-Finder

Geräusche – und manche davon als unangenehmer Lärm empfunden –
sind in unserer täglichen Welt allgegenwärtig. In vielen Fällen kennen wir die Verursacher und haben uns oft schon damit abgefunden.

Dennoch werden wir immer wieder mit Geräuschen konfrontiert, die wir nicht zuordnen können, die uns stören oder auch irritieren. Ein unerwartetes Quietschen in einer gewohnten Umgebung oder ein Klacken an einem vertrauten technischen Bauteil bzw. Fahrzeug kann beunruhigend wirken. Diese Bedenken sind oftmals gerechtfertigt, denn eine Geräuschentstehung hat in aller Regel einen mechanischen Grund, der nicht selten bei anhaltender Fehlfunktion zu Beschädigungen führen kann. In unserem Unternehmen Wölfel hat sich ein kleines Team formiert, welches sich der Thematik „Aufspüren von Geräuschquellen“ detektivisch angenommen hat. Seit vielen Jahren konnten wir unsere Erfahrungen in diesem Bereich aufbauen und haben unsere vorhandene Messtechnik kontinuierlich um innovative Gerätschaften erweitert.

"Akustische Kamera" lokalisiert Lärmquellen

Der modernste Ansatz liegt in der Nutzung von akustischer Arraytechnologie, umgangssprachlich als „Akustische Kamera“ bezeichnet, die in unterschiedlichsten Bauformen dem Team, rund um den Leiter Dipl.-Ing. Janosch Blaul, zur Verfügung stehen. Das Prinzip besteht hier darin, auf einer Ebene möglichst viele Mikrofone zu platzieren und die einfallenden Schallwellen miteinander zu vergleichen. Die zeitlichen Unterschiede der eintreffenden Schallwellen (Laufzeitunterschiede) geben dabei Aufschluss darüber, von welchem Punkt die Schallenergie abstrahlt. Diese Technik hat sich schon vielfach bewährt, um Lärmquellen zu lokalisieren.

Mittlerweile verfügt das Team über vier unterschiedliche Systeme dieser Art, um eine Anwendbarkeit für unterschiedlichste Fälle zu ermöglichen. So wurde nach den Vorgaben von Wölfel ein Spezialarray für Messungen an Windenergieanlagen hergestellt, welches das derzeit größte mobile Array dieser Art darstellt. Ein schöner Nebeneffekt dieser Technologie ist die Art und Weise wie die Ergebnisse präsentiert werden: die Schallabstrahlung wird als farbige Fläche auf einem Foto bzw. Video des vermessenen Bauteils oder der Örtlichkeit dargestellt. Auf diese Weise lassen sich die Erkenntnisse auch fachfremden Kunden leicht vermitteln.

Selbst entwickelte Verfahren

Doch nicht alles lässt sich mit dieser Technik orten, weshalb die Akustiker zusätzliche teils selbst entwickelte Verfahren nutzen, um den Ort einer Geräuschentstehung zu detektieren. Hierbei werden Akustik- und Schwingungssensoren durch intelligente Analyseverfahren gekoppelt, um eine Ortung vorzunehmen. Dieser Ansatz greift insbesondere dann, wenn die schallabstrahlende Komponente nicht der Verursacher selbst ist, sondern nur über Körperschallanregung zum Schwingen angeregt wird (quasi wie eine Membran bei einem Lautsprecher). Die Möglichkeiten, die sich aus den unterschiedlichen Ansätzen ergeben, wurden bereits von vielen Industrieunternehmen, wie z. B. Siemens oder Herrenknecht, sowie Kommunen, mittelständischen Betrieben aber auch von Privathaushalten genutzt.

Es wurden hierbei schon unterschiedlichste Phänomene untersucht, wie z. B. knackende Hausfassaden, quietschende Schubladen, brummende haustechnische Anlagen oder auch tönende Windenergieanlagen. Die Verfahren erlauben teils sehr kurze Bearbeitungszeiten, was trotz Nutzung von Hochtechnologie auch eine Problemlösung mit einem geringen Budget ermöglicht. „Sicherlich können wir nicht jedes Problem lösen, aber die Erfolgsquote im Aufspüren von Geräuschverursachern ist doch erstaunlich hoch“, so Dipl.-Ing. Janosch Blaul.

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