Gewerbeparks

Draußen, vor der Tür...

… bleiben in vielen Gemeinden Mainfrankens ansiedlungs- oder erweiterungswillige Firmen. Der Grund: Es mangelt an Flächen und gegen Ausdehnung des Bestands regt sich Widerstand. Dabei gehört die ausreichende Verfügbarkeit von Gewerbegebieten zur „Work-Life-Balance“ für die ganze Region.

K reuzwertheim, Dettelbach, Giebelstadt: Von der Arithmetik her sind das die drei ersten Adressen für ansiedlungswillige Unternehmen in Mainfranken. Denn mit Gewerbeflächen von 35 Hektar und mehr führen Standorte in diesen drei Gemeinden die einschlägige Tabelle mit Abstand an. Die Größe der Flächen spricht für sich: Offenbar haben diese Gemeinden sich kontinuierlich um die Bereitstellung von ausreichend Freiraum für die Wirtschaft gekümmert. Ohne dass, wovon sich Besucher überzeugen können, die Orte an Lebensqualität einbüßen.

Neben den reinen Zahlen zählt noch eine ganze Reihe weiterer harter und weicher Faktoren, wenn es um die Attraktivität eines solchen Gewerbegebiets geht, wie kleine Standorte wie beispielsweise Wildflecken oder Veitshöchheim beweisen: Arbeitsplätze in komfortabler Nähe zum Wohnort, verlässliche Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinden, kurze Wege zwischen Geschäftspartnern in der Wirtschaft, effiziente Infrastruktur für alle. Bezieht man diese Kriterien mit ein, wird schnell klar: Der Bedarf an zusätzlichen Gewerbeflächen in Mainfranken bleibt hoch, genauso der Bedarf nach einem schlüssigen Konzept, wie Kommunen und Unternehmen ihren Standort gemeinsam nutzen wollen.

Dettelbach: Im Mainfrankenpark haben Arbeit und Freizeit ihren Platz gefunden

Die Anbindung des „Mainfrankenparks“ ans Bundesfernstraßennetz ist durch die Lage am Biebelrieder Dreieck optimal gesichert. Das freut Logistik-unternehmen und jene Firmen, die auf eine reibungslose An- und Ablieferung von Waren angewiesen sind. Da haben andere Standorte in der Region größere Entfernungen zu überwinden. Dass es gleichzeitig gelungen ist, mit einem Großkino und einer der größten Discos in Deutschland den Park auch für Verbraucher zum attraktiven Ziel zu machen, sorgt für „Leben in der Bude“ und erhöht die Zugkraft für weitere Betriebe aus dem Konsumbereich. Gefragt ist dabei eine Balance bei der Nutzung: Beide „Besucherströme“ dürfen sich nicht in die Quere kommen, wenigstens nicht allzu sehr. Konflikte sind schlecht fürs Geschäft.

Feststell- und absehbar sind solche Konflikte schon jetzt dort, wo sich Gewerbeflächen und Wohnraum zu nah auf die Pelle rücken. Schnell werden Güterverkehr und Emissionen als untragbare Last empfunden. Neuansiedlungen sowie Um- und Ausbauten sehen sich regelmäßig mit Widerstand konfrontiert, die „Work-Life-Balance“ wird eher als individuelle Errungenschaft denn als gesellschaftliche Aufgabe verstanden. Kurze Wege zum Arbeitsplatz bedeuten eben nicht nur die Gelegenheit zum Home Office, sondern auch intelligente Lösungen und bezahlbaren Wohnraum in der Nähe von Arbeitsplätzen in der Produktion.

Spiegelbild dieser Haltung war der verfassungsgerichtlich abgeschmetterte Vorstoß eines Volksbegehrens mit dem Titel „Betonfraß eindämmen“. Mit der Suggestion, dass Beton- sprich: Wirtschaftsbauten der Natur schaden, wurden dabei die Fährten allerdings in die falsche Richtung gelegt. So beträgt der Anteil der gewerblich genutzten Flächen in Unterfranken nur 0,8 Prozent. 88 Prozent der Gebietsfläche dagegen sind Wälder, Vegetation, Gewässer oder landwirtschaftliche Flächen.

Wildflecken: Klein, aber fein – und vor allen Dingen lebenswert

Die Marktgemeinde bringt sich nicht mit Masse ins Spiel, sondern mit Qualität. Nach dem Motto „klein, aber fein“ setzt sie auf Lebenswert und gute Verkehrsanbindung – also auf einfache und einleuchtende Kriterien – sowie die sofortige Verfügbarkeit bereits erschlossener Flächen. Genau das, was einem Bauherrn mit Handlungsbedarf entgegenkommt. Dazu liegen günstige Preise, eine gute Ver- und Entsorgungsinfrastruktur sowie professionelle Unterstützung bei Ansiedlungswünschen auf der Waagschale der Standortattraktivität. Für die Gewinnung von Fachkräften punktet die Kreuzberg-Gemeinde am Eingang der bayerischen Rhön mit einem „hervorragenden Lebens- und Freizeitwert“ und dem Versprechen auf Entschleunigung.

Veitshöchheim: Mit dem Firmen-Abo ­eine attraktive ÖPNV-Anbindung sichern

Da gab es vor gut zwei Jahren ein „Unternehmerfrühstück“, zu dem die Gemeinde eingeladen hatte. Thema war die bessere Erschließung des Areals mit öffentlichem Nahverkehr. Der Bürgermeister, der Vorstand des Landkreis-Kommunalunternehmens (KU) sowie Experten der Omnibus-Gesellschaft APG und der Nahverkehrsgesellschaft Würzburg-Mainfranken (NWM) waren erschienen, um den Wirtschaftsvertretern das gemeinsame Firmen-Abo schmackhaft zu machen. Ein lukratives Angebot, das den Mitarbeitern im Gewerbegebiet den Umstieg vom Individualverkehr erleichtern soll. Von 105 Betrieben folgten ganze zwei der Einladung.

Ein Phänomen, das auch andernorts zu beobachten ist, wo die Pendlerwege noch halbwegs ungetrübt zu absolvieren sind – und dessen wirtschaftlicher Vorteil von immer noch niedrigen Spritpreisen torpediert wird. Auf Dauer jedoch werden sich Initiativen wie die in Veitshöchheim bezahlt machen, weil die auch weiterhin eine räumliche Distanz zwischen Lebens- und Arbeitsorten zulassen und dem wachsenden Stress von Berufspendlern entgegenwirken. Dazu kommt ein dicker Pluspunkt bei der Arbeitgeberattraktivität, weil ein solches Ticket auch sonst im ganzen Tarifraum gilt.

Rottendorf: Gewerbesteuerhebesatz als unschlagbares Argument

Durch die zentrale, verkehrsgünstige Lage ist Rottendorf heute mit knapp 4.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der größte Gewerbestandort im Landkreis Würzburg. Was hat dazu beigetragen? Eine kontinuierliche, nachhaltige Pflege des Angebots an Gewerbeflächen. Seit Ausweisung des ersten Gewerbegebietes Anfang der sechziger Jahre hat die Gemeinde die gewerblichen Bauflächen immer wieder erweitert, damit die vorhandenen Firmen expandieren und neue Betriebe angesiedelt werden konnten. Heute stehen rund 52 Hektar gewerbliche Bauflächen zur Verfügung. Und andererseits lockt die Gemeinde neue Firmen mit einem starken wirtschaftlichen Argument, das Planungssicherheit verheißt: Der Gewerbesteuerhebesatz von 320 Prozentpunkten ist seit 1981 unverändert.

Gewerbeflächenanalyse Mainfranken: Nachfrage übersteigt das Angebot

Wie dringend Handlungsbedarf besteht, machte Dr. Christian Seynstahl, Referent für Regionalentwicklung der IHK Würzburg-Schweinfurt, bei Vorlage der Gewerbeflächenanalyse Mainfranken schon im Dezember 2017 deutlich: „Zwei von drei Gemeinden in Mainfranken haben keine ausgewiesenen Gewerbeflächenreserven mehr für Unternehmensexpansionen und -ansiedlungen frei. Und in 41 Prozent der Kommunen liegt die Nachfrage nach Gewerbeflächen über dem Angebot.“ Weil zudem bei rund 60 Prozent der Gemeinden die frei verfügbaren Gewerbeflächen nicht vollständig oder gar nicht erschlossen sind, ist die Abschreckungswirkung hoch. Für Firmen ist dadurch schwer kalkulierbar, mit welchen Kosten bei Entscheidung für eine unerschlossene Fläche tatsächlich zu rechnen ist. Erschwerend hinzu kommt, dass sich beinahe die Hälfte der ungenutzten Gewerbeflächen in Privatbesitz befindet. „Dies forciert den Druck auf dem Gewerbeflächenmarkt“, so Seynstahl, denn häufig seien die Eigentümer nicht bereit, diese Flächen zu verkaufen.

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K reuzwertheim, Dettelbach, Giebelstadt: Von der Arithmetik her sind das die drei ersten Adressen für ansiedlungswillige Unternehmen in Mainfranken. Denn mit Gewerbeflächen von 35 Hektar und mehr führen Standorte in diesen drei Gemeinden die einschlägige Tabelle mit Abstand an. Die Größe der Flächen spricht für sich: Offenbar haben diese Gemeinden sich kontinuierlich um die Bereitstellung von ausreichend Freiraum für die Wirtschaft gekümmert. Ohne dass, wovon sich Besucher überzeugen können, die Orte an Lebensqualität einbüßen.

Neben den reinen Zahlen zählt noch eine ganze Reihe weiterer harter und weicher Faktoren, wenn es um die Attraktivität eines solchen Gewerbegebiets geht, wie kleine Standorte wie beispielsweise Wildflecken oder Veitshöchheim beweisen: Arbeitsplätze in komfortabler Nähe zum Wohnort, verlässliche Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinden, kurze Wege zwischen Geschäftspartnern in der Wirtschaft, effiziente Infrastruktur für alle. Bezieht man diese Kriterien mit ein, wird schnell klar: Der Bedarf an zusätzlichen Gewerbeflächen in Mainfranken bleibt hoch, genauso der Bedarf nach einem schlüssigen Konzept, wie Kommunen und Unternehmen ihren Standort gemeinsam nutzen wollen.

Dettelbach: Im Mainfrankenpark haben Arbeit und Freizeit ihren Platz gefunden

Die Anbindung des „Mainfrankenparks“ ans Bundesfernstraßennetz ist durch die Lage am Biebelrieder Dreieck optimal gesichert. Das freut Logistik-unternehmen und jene Firmen, die auf eine reibungslose An- und Ablieferung von Waren angewiesen sind. Da haben andere Standorte in der Region größere Entfernungen zu überwinden. Dass es gleichzeitig gelungen ist, mit einem Großkino und einer der größten Discos in Deutschland den Park auch für Verbraucher zum attraktiven Ziel zu machen, sorgt für „Leben in der Bude“ und erhöht die Zugkraft für weitere Betriebe aus dem Konsumbereich. Gefragt ist dabei eine Balance bei der Nutzung: Beide „Besucherströme“ dürfen sich nicht in die Quere kommen, wenigstens nicht allzu sehr. Konflikte sind schlecht fürs Geschäft.

Feststell- und absehbar sind solche Konflikte schon jetzt dort, wo sich Gewerbeflächen und Wohnraum zu nah auf die Pelle rücken. Schnell werden Güterverkehr und Emissionen als untragbare Last empfunden. Neuansiedlungen sowie Um- und Ausbauten sehen sich regelmäßig mit Widerstand konfrontiert, die „Work-Life-Balance“ wird eher als individuelle Errungenschaft denn als gesellschaftliche Aufgabe verstanden. Kurze Wege zum Arbeitsplatz bedeuten eben nicht nur die Gelegenheit zum Home Office, sondern auch intelligente Lösungen und bezahlbaren Wohnraum in der Nähe von Arbeitsplätzen in der Produktion.

Spiegelbild dieser Haltung war der verfassungsgerichtlich abgeschmetterte Vorstoß eines Volksbegehrens mit dem Titel „Betonfraß eindämmen“. Mit der Suggestion, dass Beton- sprich: Wirtschaftsbauten der Natur schaden, wurden dabei die Fährten allerdings in die falsche Richtung gelegt. So beträgt der Anteil der gewerblich genutzten Flächen in Unterfranken nur 0,8 Prozent. 88 Prozent der Gebietsfläche dagegen sind Wälder, Vegetation, Gewässer oder landwirtschaftliche Flächen.

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Die Marktgemeinde bringt sich nicht mit Masse ins Spiel, sondern mit Qualität. Nach dem Motto „klein, aber fein“ setzt sie auf Lebenswert und gute Verkehrsanbindung – also auf einfache und einleuchtende Kriterien – sowie die sofortige Verfügbarkeit bereits erschlossener Flächen. Genau das, was einem Bauherrn mit Handlungsbedarf entgegenkommt. Dazu liegen günstige Preise, eine gute Ver- und Entsorgungsinfrastruktur sowie professionelle Unterstützung bei Ansiedlungswünschen auf der Waagschale der Standortattraktivität. Für die Gewinnung von Fachkräften punktet die Kreuzberg-Gemeinde am Eingang der bayerischen Rhön mit einem „hervorragenden Lebens- und Freizeitwert“ und dem Versprechen auf Entschleunigung.

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Da gab es vor gut zwei Jahren ein „Unternehmerfrühstück“, zu dem die Gemeinde eingeladen hatte. Thema war die bessere Erschließung des Areals mit öffentlichem Nahverkehr. Der Bürgermeister, der Vorstand des Landkreis-Kommunalunternehmens (KU) sowie Experten der Omnibus-Gesellschaft APG und der Nahverkehrsgesellschaft Würzburg-Mainfranken (NWM) waren erschienen, um den Wirtschaftsvertretern das gemeinsame Firmen-Abo schmackhaft zu machen. Ein lukratives Angebot, das den Mitarbeitern im Gewerbegebiet den Umstieg vom Individualverkehr erleichtern soll. Von 105 Betrieben folgten ganze zwei der Einladung.

Ein Phänomen, das auch andernorts zu beobachten ist, wo die Pendlerwege noch halbwegs ungetrübt zu absolvieren sind – und dessen wirtschaftlicher Vorteil von immer noch niedrigen Spritpreisen torpediert wird. Auf Dauer jedoch werden sich Initiativen wie die in Veitshöchheim bezahlt machen, weil die auch weiterhin eine räumliche Distanz zwischen Lebens- und Arbeitsorten zulassen und dem wachsenden Stress von Berufspendlern entgegenwirken. Dazu kommt ein dicker Pluspunkt bei der Arbeitgeberattraktivität, weil ein solches Ticket auch sonst im ganzen Tarifraum gilt.

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Durch die zentrale, verkehrsgünstige Lage ist Rottendorf heute mit knapp 4.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der größte Gewerbestandort im Landkreis Würzburg. Was hat dazu beigetragen? Eine kontinuierliche, nachhaltige Pflege des Angebots an Gewerbeflächen. Seit Ausweisung des ersten Gewerbegebietes Anfang der sechziger Jahre hat die Gemeinde die gewerblichen Bauflächen immer wieder erweitert, damit die vorhandenen Firmen expandieren und neue Betriebe angesiedelt werden konnten. Heute stehen rund 52 Hektar gewerbliche Bauflächen zur Verfügung. Und andererseits lockt die Gemeinde neue Firmen mit einem starken wirtschaftlichen Argument, das Planungssicherheit verheißt: Der Gewerbesteuerhebesatz von 320 Prozentpunkten ist seit 1981 unverändert.

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Wie dringend Handlungsbedarf besteht, machte Dr. Christian Seynstahl, Referent für Regionalentwicklung der IHK Würzburg-Schweinfurt, bei Vorlage der Gewerbeflächenanalyse Mainfranken schon im Dezember 2017 deutlich: „Zwei von drei Gemeinden in Mainfranken haben keine ausgewiesenen Gewerbeflächenreserven mehr für Unternehmensexpansionen und -ansiedlungen frei. Und in 41 Prozent der Kommunen liegt die Nachfrage nach Gewerbeflächen über dem Angebot.“ Weil zudem bei rund 60 Prozent der Gemeinden die frei verfügbaren Gewerbeflächen nicht vollständig oder gar nicht erschlossen sind, ist die Abschreckungswirkung hoch. Für Firmen ist dadurch schwer kalkulierbar, mit welchen Kosten bei Entscheidung für eine unerschlossene Fläche tatsächlich zu rechnen ist. Erschwerend hinzu kommt, dass sich beinahe die Hälfte der ungenutzten Gewerbeflächen in Privatbesitz befindet. „Dies forciert den Druck auf dem Gewerbeflächenmarkt“, so Seynstahl, denn häufig seien die Eigentümer nicht bereit, diese Flächen zu verkaufen.

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