Expertenwissen

Resilienz – wie Führungskräfte innere Stärke entwickeln und Krisen meistern

Resilienz wird meist mit Widerstandsfähigkeit oder auch Anpassungsfähigkeit gleichgesetzt, als die Eigenschaft, die Menschen befähigt, schwierige Situationen im Leben zu meistern. Wie es um die Resilienz in Deutschland, insbesondere in Unternehmen, steht, erörterte kürzlich Helmut Martin, Inhaber und Geschäftsführer der Würzburger Business Coach Akademie, im Expertengespräch mit Steffen Volk, Geschäftsführer der BARMER Würzburg.

Würzburg. Pandemie, Krieg und Energiekrise, Fachkräftemangel und vieles mehr: In der Fülle der gegenwärtigen Herausforderungen zeigt sich, wer dem daraus resultierenden Druck gewachsen ist. Dieser Druck führt zunehmend zu Überlastung, erzeugt Stress und wirkt sich messbar auf die Gesundheit aus. Dies zeigt sich psychisch, mental und körperlich und mündet bei immer mehr Menschen in Leistungseinbrüchen oder dauerhaften Krankschreibungen.

Um sich davor zu wappnen, benötigt man vor allem Resilienz. "Resilienz bedeutet für mich zunächst, eine gute psychische Widerstandsfähigkeit zu entwickeln, eine innere Stärke, um den Herausforderungen der heutigen Zeit zu begegnen", definiert Helmut Martin diese Eigenschaft. Um diese zu stärken, geht es aus seiner Sicht um zwei Fragen: "Wie kann ich Strategien entwickeln, um belastende Situationen zu meistern und wie kann ich mich selbst weiterentwickeln, um in herausfordernden Situationen immer wieder in ein emotionales Gleichgewicht zu finden."

Aufholbedarf im internationalen Vergleich

Wie für Individuen gilt das Gleiche auch für Unternehmen. Wesentlich für die Resilienz von Organisationen ist dabei die Resilienz des Personals und der agierenden Teams, insbesondere aber der Führungskräfte, weiß Helmut Martin auch aus eigener langjähriger Erfahrung mit einer Vielzahl an Klienten. Als Coach und Berater hat er sich deshalb schon während der Corona-Pandemie das Ziel gesetzt, das Thema stärker in den Fokus zu rücken und Unternehmen und Führungskräfte in der Resilienzentwicklung zu unterstützen.

"Die Mehrheit der deutschen Firmen erfüllt die Bedingungen für eine gute Resilienz und hat die Widerstandsfähigkeit im Laufe der Pandemie sogar verbessert", weiß Steffen Volk und verweist auf die Ergebnisse aktueller Studien des IT-Konzerns Microsoft und des Wirtschaftsprüfers PwC. "Trotzdem haben wir in Deutschland im internationalen Vergleich noch viel zu tun und aufzuholen", sagt nicht nur er.

Für Führungskräfte gilt Resilienz als Skill der Zukunft

 Gerade für Führungskräfte gilt Resilienz als Skill der Zukunft, ist sich Helmut Martin sicher: "Viele Führungskräfte befanden sich noch nie in einer solch anspruchsvollen Situation, in der neben Fach- und Methodenkompetenz vor allem innere Stärke, Lösungsorientierung, Empathie und Optimismus gebraucht wurden. All dies sind typische Resilienzfaktoren." Resilienz sei somit kein neumodisches Phänomen, schlussfolgert er, „sondern ein Skill-Set, das jede Führungskraft und eigentlich auch jeder Mitarbeiter entwickeln sollte, um sich für die Zukunft zu rüsten."

"Viele, auch junge Erwachsene, haben oft das Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht und glauben, dass sie nicht mehr aus dem Krisenmodus herauskommen", ergänzt Steffen Volk und weiter: "Man spricht inzwischen von einer sogenannten Krisen-Modus-Generation. Das kann zu Schlafstörungen und Burn-out führen und im schlimmsten Fall zu langen Zeiten der Arbeitsunfähigkeit."

Um diesem sowohl für die Wirtschaft als auch unsere Gesellschaft bedrohenden Mechanismus zu begegnen, befasst sich Helmut Martin intensiv mit der Frage, wie Coaching die Resilienz sowie die psychische und mentale Gesundheit in Unternehmen positiv beeinflussen kann. Gemeinsam mit der VR-Bank Würzburg startete er ein Pilotprojekt über einen Zeitraum von neun Monaten mit dem Ziel, Mitarbeitern und Führungskräften zu mehr Resilienz zu verhelfen.

Resilienz ist nicht angeboren, aber erlernbar

 Im Rahmen dieses Projekts arbeiten die Coaches auf Basis eines wissenschaftlich basierten Resilienzmodells an der Entwicklung und Stärkung verschiedener Resilienzfaktoren wie der Emotionsregulation, der Selbstwirksamkeit oder einer lösungsorientierten Haltung. Dass dies funktioniert, liegt daran, dass Resilienz nicht angeboren, sondern grundsätzlich erlernbar ist. Es braucht nur eben einen längeren Zeitraum. Die Coaches greifen neben einem Profil zur Einschätzung des Resilienzniveaus in Verbindung mit 10 Resilienzfaktoren auf eine Vielzahl bewährter Coaching- und Selbstcoachingtools, Achtsamkeitsübungen und Audiodateien zurück, die Helmut Martin über einen langen Zeitraum hinweg entwickelt und in der Praxis erprobt hat.

 In der Begleitung von Führungskräften und im Rahmen der Ausbildung neuer Coaches arbeitet Helmut Martin mit einem ganzen Set an bewährten Techniken, um Stress, nachlassender Belastungsfähigkeit und Ängsten zu begegnen und um den Akku wieder aufzuladen. Die beiden Experten nennen hier die aus ihrer Sicht wesentlichen Bausteine für eine nachhaltige Resilienz bei Führungskräften. Dazu zählen Selbstreflexion, die Entwicklung einer gesteigerten Selbstwahrnehmung, Selbststeuerung, die Schaffung und Pflege eines sozialen Netzwerks und Training von Geist und Körper.

Unabhängig davon können auch die Betroffenen selbst viel zur Stärkung ihrer Resilienz beitragen. Helmut Martin nennt hier beispielsweise eine kleine Auszeit in der Natur, Treffen mit Menschen, die einem gut tun oder auch eine kleine Belohnung am Abend, wenn man am Tag etwas Wichtiges geschafft hat. Es ist im Grunde einfach, sagt er: "Man sollte damit beginnen, sich zu fragen: Wie fühle ich mich gerade und was könnte mir helfen, meinen Akku etwas aufzuladen?“

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Würzburg. Pandemie, Krieg und Energiekrise, Fachkräftemangel und vieles mehr: In der Fülle der gegenwärtigen Herausforderungen zeigt sich, wer dem daraus resultierenden Druck gewachsen ist. Dieser Druck führt zunehmend zu Überlastung, erzeugt Stress und wirkt sich messbar auf die Gesundheit aus. Dies zeigt sich psychisch, mental und körperlich und mündet bei immer mehr Menschen in Leistungseinbrüchen oder dauerhaften Krankschreibungen.

Um sich davor zu wappnen, benötigt man vor allem Resilienz. "Resilienz bedeutet für mich zunächst, eine gute psychische Widerstandsfähigkeit zu entwickeln, eine innere Stärke, um den Herausforderungen der heutigen Zeit zu begegnen", definiert Helmut Martin diese Eigenschaft. Um diese zu stärken, geht es aus seiner Sicht um zwei Fragen: "Wie kann ich Strategien entwickeln, um belastende Situationen zu meistern und wie kann ich mich selbst weiterentwickeln, um in herausfordernden Situationen immer wieder in ein emotionales Gleichgewicht zu finden."

Aufholbedarf im internationalen Vergleich

Wie für Individuen gilt das Gleiche auch für Unternehmen. Wesentlich für die Resilienz von Organisationen ist dabei die Resilienz des Personals und der agierenden Teams, insbesondere aber der Führungskräfte, weiß Helmut Martin auch aus eigener langjähriger Erfahrung mit einer Vielzahl an Klienten. Als Coach und Berater hat er sich deshalb schon während der Corona-Pandemie das Ziel gesetzt, das Thema stärker in den Fokus zu rücken und Unternehmen und Führungskräfte in der Resilienzentwicklung zu unterstützen.

"Die Mehrheit der deutschen Firmen erfüllt die Bedingungen für eine gute Resilienz und hat die Widerstandsfähigkeit im Laufe der Pandemie sogar verbessert", weiß Steffen Volk und verweist auf die Ergebnisse aktueller Studien des IT-Konzerns Microsoft und des Wirtschaftsprüfers PwC. "Trotzdem haben wir in Deutschland im internationalen Vergleich noch viel zu tun und aufzuholen", sagt nicht nur er.

Für Führungskräfte gilt Resilienz als Skill der Zukunft

 Gerade für Führungskräfte gilt Resilienz als Skill der Zukunft, ist sich Helmut Martin sicher: "Viele Führungskräfte befanden sich noch nie in einer solch anspruchsvollen Situation, in der neben Fach- und Methodenkompetenz vor allem innere Stärke, Lösungsorientierung, Empathie und Optimismus gebraucht wurden. All dies sind typische Resilienzfaktoren." Resilienz sei somit kein neumodisches Phänomen, schlussfolgert er, „sondern ein Skill-Set, das jede Führungskraft und eigentlich auch jeder Mitarbeiter entwickeln sollte, um sich für die Zukunft zu rüsten."

"Viele, auch junge Erwachsene, haben oft das Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht und glauben, dass sie nicht mehr aus dem Krisenmodus herauskommen", ergänzt Steffen Volk und weiter: "Man spricht inzwischen von einer sogenannten Krisen-Modus-Generation. Das kann zu Schlafstörungen und Burn-out führen und im schlimmsten Fall zu langen Zeiten der Arbeitsunfähigkeit."

Um diesem sowohl für die Wirtschaft als auch unsere Gesellschaft bedrohenden Mechanismus zu begegnen, befasst sich Helmut Martin intensiv mit der Frage, wie Coaching die Resilienz sowie die psychische und mentale Gesundheit in Unternehmen positiv beeinflussen kann. Gemeinsam mit der VR-Bank Würzburg startete er ein Pilotprojekt über einen Zeitraum von neun Monaten mit dem Ziel, Mitarbeitern und Führungskräften zu mehr Resilienz zu verhelfen.

Resilienz ist nicht angeboren, aber erlernbar

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Unabhängig davon können auch die Betroffenen selbst viel zur Stärkung ihrer Resilienz beitragen. Helmut Martin nennt hier beispielsweise eine kleine Auszeit in der Natur, Treffen mit Menschen, die einem gut tun oder auch eine kleine Belohnung am Abend, wenn man am Tag etwas Wichtiges geschafft hat. Es ist im Grunde einfach, sagt er: "Man sollte damit beginnen, sich zu fragen: Wie fühle ich mich gerade und was könnte mir helfen, meinen Akku etwas aufzuladen?“

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