Internationale Forschende wie Lehrende

250 Teilnehmer bei 9. Konferenz der Europäischen Vereinigung für Verhaltensanalyse

In 130 Fachvorträgen, Symposien sowie Diskussionen wurden an drei Konferenztagen fünfzig Aspekte betrachtet.

An drei Tagen  fand die 9. Konferenz der „European Association for Behaviour Analysis“ („Europäische Vereinigung für Verhaltensanalyse“, EABA) erstmalig in Deutschland in Würzburg statt. An der Konferenz, die gemeinsam von der EABA und der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule Würzburg-Schweinfurt veranstaltet wurde, nahmen 250 internationale Forschende wie Lehrende teil. Die Teilnehmer kamen aus dem Bereich der experimentellen und angewandten Verhaltensanalyse mit 130 englischsprachigen Vorträgen, Symposien, Posterpräsentationen und Diskussionen zu fünfzig Themenschwerpunkten.

Die Verhaltensanalyse ist eine wissenschaftliche Disziplin, die versucht, menschliches (und tierisches) Verhalten zu beschreiben, zu erklären und vorherzusagen.

Zu einigen Vorträge aus dem Gesamtprogramm

Die vier Referenten Rob Cattivelli, Giorgia Varallo, Anna Guerrini und Castelnuovo Gianluca hielten einen Vortrag zur „ACTonHEALTH-Studie: Förderung eines gesunden Lebensstils für übergewichtige Menschen mit Verhaltensanalyse, Aktivitäts-Tracker und mHealth-Tools“: Adipositas und Übergewicht wachsen stetig und entwickelten sich zu einer globalen Epidemie. Aus Sicht einer Verhaltensperspektive könne ein Erklärungsmodell die Phänomene des individuellen persönlichen Mangels beschreiben und gesunde Gewohnheiten im täglichen Leben verstärken. Das Ziel dieses Vorgehens, die Akzeptanz- und Commitment-Therapie mit einer Verhaltensanalyse und tragbaren Technologien zu kombinieren, sei es, eine wirksame Intervention zu entwickeln, die sich nach Beendigung der durchgeführten Rehabilitationsprogramme fortsetze.

Professor Dr. Christoph Bördlein, Professor an der FHWS und Organisator der diesjährigen Tagung, gab vertiefende wissenschaftliche Einblicke in die „Verhaltensanalyse in Sport, Fitness und Gesundheit“: Basierend auf der Besorgnis über Übergewicht einerseits und der positiven Auswirkungen von körperlicher Aktivität andererseits hätten die verhaltensanalytischen Methoden zur Förderung von Sport, Fitness und Gesundheit die Aufmerksamkeit der Forscher zunehmend gewonnen. In einem Überblick über aktuelle Trends in der angewandten Verhaltensanalyse in diesem Bereich seien mehrere Bereiche besonders vielversprechend, die in einer Forschungsagenda vorgestellt und erläutert wurden.

Lernen in verschiedenen Umgebungen

Im Vortrag über ein „Tiertrainer-Programm in Finnland“ erläuterten die Referenten Jari Parkkisenniemi und Anna Rimppi, dass in der Tierforschung der Forschungsschwerpunkt in Finnland vor allem auf Gesundheitsthemen, geistigen Aktivitäten und Tier-Mensch-Interaktion gesetzt worden sei. Zu Beginn dieses Jahres hätten sie das Programm „Auf Verhaltensanalyse basierendes Tiertraining" gestartet und die Grundlagen der Verhaltensanalyse an der Universität von Tampere angewandt. Das Angebot richte sich an Personen, die bereits als Tierarzt, Tiertrainer oder Tierarzt mit Tieren arbeiteten. Es diene als Möglichkeit zur Anwendung der Verhaltensanalyse und Möglichkeit des Lernens in verschiedenen Umgebungen.

In seinem Vortrag beleuchtete Professor Dr. Maurice Feldman die „Verhaltensanalyse im Kindeswohl: Kontextuale Verhaltensbewertung und Intervention zur Verhinderung von Kindesvernachlässigung in gefährdeten Familien“: Kindesvernachlässigung schädige Kinder mehr als körperliche, sexuelle und emotionale Misshandlungen zusammen. Dr. Feldman stellte ein Bildungsprogramm für Eltern mit Lernschwierigkeiten und elterlichen Fähigkeitsdefizite vor. Dieses neuentwickelte Kontext-Beobachtungs-Modell zur Beurteilung der Elternkompetenz benenne mögliche motivierende wie hemmende Variablen, die eine erfolgreiche Elternschaft unterstützen oder erschweren könnten. Zu diesen Variablen gehörten die Lernhistorie und psychische Gesundheit der Eltern, anhaltende Stigmatisierung und Diskriminierung, Armut und soziale Unterstützung. Das Elternbildungsmodell verbessere nicht nur die Erziehungskompetenz der Eltern, es habe auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit und Entwicklung von Kindern.

Professor Dr. Erik Arntzen, Präsident der EABA, verlieh den „B.F. Skinner Foundation Award for Students in Europe“ an vier Studentinnen – für das Jahr 2018 Nicole Pfaller-Sadovsky und Renata Cambraia, für das Jahr zuvor Gabriela E. López Tolsa Gómez und der FHWS-Studentin Alexandra Schönleber. Diese hielt einen Vortrag zu ihrem Thema „Behavioral safety in the hairdresser`s shop“ – „Verhaltenssicherheit im Frisörsalon“: Unsichere oder riskante Körperhaltungen, so Schönleber, seien ein häufiges Problem bei professionellen Friseuren. Sie arbeiteten nicht nur mit Chemikalien und vielen elektrischen Geräten, sie müssten auch während ihrer Berufsausübung fast durchgehend stehen. Dies führe zu Haltungsverformungen und dauerhaften Schmerzen. Die Methode der „verhaltensorientierten Arbeitssicherheit“ (BBS) ist ein nachgewiesener Ansatz, um diese riskanten Verhaltensweisen zu reduzieren und sichere Verhaltensweisen zu verstärken.

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