Tag der offenen Tür

Aus- und Weiterbildung Hand in Hand zu Industrie 4.0

Welche Rolle spielt eine Fischschwanzflosse in der Wälzlagerproduktion? - Zahlreiche Besucher beim Tag der offenen Tür im SKF Ausbildungszentrum in Schweinfurt.

Wie sind die Herausforderungen der digitalen und vernetzten Gegenwart und Zukunft zu meistern? Wie bereitet ein Unternehmen sich und seine Mitarbeiter auf das Zukunftsthema Industrie 4.0 vor? Wie lassen sich Bedenken gegenüber dem künftigen Berufsumfeld auflösen? Einen Eindruck davon gewannen die interessierten Besucher beim Tag der offenen Tür im Ausbildungszentrum der SKF GmbH in Schweinfurt.

Harald Speck, neuer Arbeitsdirektor der SKF GmbH freute sich, dass auch diesmal wieder eine ganze Reihe externer und interner Gäste zur offiziellen Eröffnung gekommen waren, darunter stellvertretende Landrätin Christine Bender, Stellvertretende Bürgermeisterin Sorya Lippert oder auch vom SKF Konzernmanagement Bernd Stephan, Chef des Geschäftsbereichs Automotive und Aerospace.

Speck betonte in der angeregten Gesprächsrunde, dass die topaktuelle Ausbildung des Fachkräftenachwuchses die eine Seite ist. Mindestens ebenso wichtig ist es, „unsere berufserfahrenen Mitarbeiter durch gezielte Weiterbildungsangebote auf die sich verändernden Anforderungen vorzubereiten.“ Deshalb strebt er an, das SKF „Ausbildungszentrum“ zu einem „Lernzentrum“ auszubauen, wo sich beim Umgang mit der digitalen Welt jugendliche Unbekümmertheit mit dem praktischen Knowhow erfahrener Kollegen gegenseitig ergänzt. „Aus- und Weiterbildung müssen Hand in Hand gehen und die Zukunft gemeinsam gestalten“, lautet Specks Devise.

Nachwuchsmangel bei den Berufsschullehrern

Die Gäste erfuhren auch, dass die Zahl der Bewerber für die SKF Ausbildungsplätze seit Jahren gleichmäßig auf sehr hohem Niveau liegt. Allerdings wurde in der Diskussion auch darauf hingewiesen, dass der Wissensstand der Schulabgänger speziell im naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich sinkt. Hinzu kommt der Nachwuchsmangel bei den Berufsschullehrern. Wenn hier die Rahmenbedingungen geändert werden, könnten z.B. auch Quereinsteiger aus der industriellen Praxis zugelassen werden.  

Bernd Stephan unterstrich, dass sich die Anforderungen an die Mitarbeiter durch Automatisierung und Digitalisierung deutlich verändern werden. Und Betriebsratsvorsitzender Norbert Völkl bekräftigte, dass „der Wandel in Richtung Industrie 4.0 jeden betrifft und wir nur mit bestens qualifiziertem Nachwuchs die Herausforderungen meistern können. In gleichem Maß müssen aber auch 'ältere' Mitarbeiter durch interne Qualifizierungsmaßnahmen auf den Wandel vorbereitet werden“.

Der von Auszubildenden geführte Rundgang zeigte den Besuchern, dass Grundfertigkeiten der Metallbearbeitung wie Feilen, Löten, Schweißen ebenso wichtig sind wie das Verständnis für moderne Technologien, wie zum Beispiel der Bionik. So macht Ausbilder Thomas Rappelt im Pneumatikraum deutlich, wie Anregungen aus der Biologie in Technik umgesetzt werden können.

In den SKF Produktionsanlagen sind unzählige „Greiffinger“ eingebaut, druckluftbetriebene mechanische Teile aus Metall, die Werkstücke wie z.B. Wälzlagerrollen umsetzen und in Käfigen positionieren. Sie müssen exakt auf das jeweilige Werkstück eingestellt sein. Ist das nicht der Fall, können die Präzisionsteile beschädigt werden.

Ein ganz besonderes Mitbringsel

Der neue „adaptive Greiffinger“ aus Polyurethan beugt dem vor. Er ist von der Bewegung einer Fischschwanzflosse abgeleitet und ermöglicht ein sensibles Greifen von unterschiedlichen oder druckempfindlichen Werkstücken. Rappelt hat diese bionische Entwicklung just zu dem Zeitpunkt für seinen Pneumatikkurs entdeckt, als sich SKF-Ingenieure in der Rollenproduktion gerade mit dieser Thematik beschäftigten. Jetzt wird der bionische Greiffinger in der ausbildungseigenen computergesteuerten Roboteranlage eingesetzt und getestet, die vor einem Jahr beim Tag der offenen Tür offiziell in Betrieb genommen worden ist.

Als Mitbringsel vom Tag der offenen Tür haben sich die Verantwortlichen diesmal etwas ganz Besonderes ausgedacht: Eine Sonnenuhr, wie sie seit der Antike in Gebrauch ist. An fünf verschiedenen Stationen wurden die Einzelteile präzise gefertigt. Exakt zusammengesetzt und ausgerichtet zeigen sie nun modernen Menschen sommers wie winters die Zeit – jedenfalls wenn die Sonne scheint.

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