Unternehmensbefragung des bayme vbm

Konjunktur in Unterfrankens Metall- und Elektroindustrie ist gut, aber über den Zenit

Die Konjunktur in der unterfränkischen Metall- und Elektroindustrie zeigt sich in guter Verfassung, aber der Zenit ist überschritten. So lautet das Fazit der jüngsten Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände (bayme vbm) unter ihren Mitgliedsunternehmen in der Region.

„Rund 87 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen das Inlandsgeschäft als gut, nur fünf Prozent waren unzufrieden“, sagte Martin Johannsmann, Vorstandsvorsitzender der bayme vbm-Region Main und Rhön, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Würzburg. Das Auslandsgeschäft sei von rund 73 Prozent der Unternehmen als positiv bewertet worden, nicht zufrieden waren nur knapp fünf Prozent der Befragten.

Während die Betriebe in der unterfränkischen Metall- und Elektrobranche mit der aktuellen Lage also durchaus zufrieden sind, sehen die Erwartungen für die Zukunft deutlich schlechter aus. „Nur noch 16 Prozent der befragten Unternehmen blicken optimistisch auf das weitere Inlandsgeschäft, zwölf Prozent sind pessimistisch“, so Johannsmann. Die überwiegende Mehrheit, nämlich 72 Prozent, rechnet indes mit einer gleichbleibenden Konjunktur. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Export-Erwartungen. Lediglich 16 Prozent haben sich bei der Befragung des Verbandes optimistisch hinsichtlich der Entwicklung ihres Auslandsgeschäfts geäußert. Hingegen befürchten rund 12 Prozent eine Eintrübung der Lage.

Weiter auf Expansionskurs

Trotz der negativen Erwartungen sind die Unternehmen aber weiter auf Expansionskurs. „Die inländischen Produktionspläne sind per Saldo aufwärts gerichtet, vor einem halben Jahr waren sie aber noch leicht expansiver“, erläuterte der Regionalvorsitzende des bayme vbm. Wie aus der Studie des Arbeitgeberverbandes hervorgeht, wollen 41 Prozent der Unternehmen in den kommenden Monaten ihre Produktion ausweiten. Bei der vorangegangenen Umfrage des Verbandes im Dezember 2017 wollten noch 56 Prozent der Teilnehmer ihren Ausstoß erhöhen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Investitionen: 38 Prozent der Unternehmen wollen hier zulegen, auch das sind deutlich weniger als noch im Dezember mit 48 Prozent.

Gut sieht es für die unterfränkischen Metall- und Elektrobranche hinsichtlich der Ertragslage aus. „Fast 37,5 Prozent der Unternehmen hoffen laut unserer Befragung im Jahr 2018 auf eine Nettoumsatzrendite von vier Prozent oder mehr“, führte Martin Johannsmann aus. Nur etwa 12,5 Prozent der Firmen würden mit einer Rendite von unter zwei Prozent rechnen. Und lediglich 8,3 Prozent der Befragten würden das Jahr voraussichtlich mit einem Verlust abschließen.

Zahl der Beschäftigten steigt

Weiter steigen soll auch die Zahl der Beschäftigten in der Branche. So gab rund die Hälfte der befragten Unternehmen an, in der zweiten Jahreshälfte zusätzliche Arbeitsplätze schaffen zu wollen. Elf Prozent der Betriebe rechnen mit einem Stellenabbau bis Jahresende. Insgesamt sind in Unterfranken aktuell rund 92.000 Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt.

Zunehmend Sorgen bereitet der Branche der Fachkräftemangel. Rund 29 Prozent der Betriebe in Unterfranken sehen ihre Produktions- und Geschäftstätigkeit durch fehlende Arbeitskräfte erheblich beeinträchtigt. Knapp 63 Prozent sehen dadurch eine Einschränkung im geringeren Ausmaß. „Wir sind an dem Punkt, wo der Fachkräftemangel weiteres Wachstum unmöglich macht“, warnte Michael Bischof, Geschäftsführer der bayme vbm-Geschäftsstelle Unterfranken. Bayernweit beklagen laut bayme vbe knapp vier von zehn Betrieben erhebliche Beeinträchtigungen durch fehlende Arbeitskräfte, rund 47 Prozent sehen ihren Betrieb zumindest geringfügig eingeschränkt. Die Folge sind unter anderem Produktionsverzögerungen bei mehr als de Hälfte aller befragten Firmen in ganz Bayern.

Der Fachkräftemangel ist aber nicht das einzige Risiko, welches die Branche beschäftigt. Kopfzerbrechen bereitet vielen der international tätigen Unternehmen auch das Thema Protektionismus. Denn rund 61 Prozent ihrer Umsätze erwirtschaftet die bayerische Metall- und Elektrobranche im Ausland. Der größte Auslandsmarkt ist die USA mit einem Anteil von 13,2 Prozent, gefolgt von China mit 10,2 Prozent. „Ein Handelskrieg wäre daher Gift für die Branche“, unterstrich Martin Johannsmann. Zölle und andere Handelsbeschränkungen sind seiner Meinung nach Maßnahmen aus der „handelspolitischen Mottenkiste“. Zwei Drittel der befragten Firmen im Freistaat sehen auch durch den Brexit zumindest eine leicht Beeinträchtigung ihrer Geschäftstätigkeit. Rund 61 Prozent sind zudem um die Stabilität der Eurozone besorgt.

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