Handelsverband Bayern

Tag des unterfränkischen Handels zeigt Chancen der Digitalisierung auf

Für den Einzelhandel ist die Digitalisierung Fluch und Segen zugleich. Bestehende Geschäftsmodelle geraten durch den digitalen Wandel zusehends ins Wanken, gleichzeitig eröffnen sich der Branche aber auch zahlreiche neue Möglichkeiten. Wie sich diese am sinnvollsten nutzen lassen, darum ging es beim Tag des unterfränkischen Handels in Würzburg, zu dem der Handelsverband Bayern eingeladen hatte.

„Der Handel wird immer schneller mit digitalen Innovationen konfrontiert und die Veränderungen werden immer rasanter“, fasste Ralf Ludewig, Vorsitzender des Bezirks Unterfranken im Handelsverband Bayern (HBE), die Situation der Branche zusammen. Viele Unternehmen seien verunsichert. Denn einerseits würden sie den Druck verspüren würden, etwas verändern zu müssen. Andererseits sei es jedoch immer schwieriger, den Überblick zu behalten. 

Doch trotz dieser Unsicherheit sollte der stationäre Handel unbedingt die Möglichkeiten der Digitalisierung für sich nutzen. Dieser Ansicht war auch Rainer Volland von der Beratungsgesellschaft Elaboratum. „Seien Sie präsent, wo auch ihre Kunden sind“, lautete der Rat des Digitalisierungsexperten. Und vor allem sollten Händler auch dort vertreten seien, wo ihre Kunden von morgen unterwegs sind. Wie beispielweise auf der Videoplattform Youtube oder dem sozialen Netzwerk Pinterest. „Dort sucht die junge Generation nach Informationen über Produkte“, betonte Volland. Eine Präsenz dort ließe sich für die Händler auch mit relativ wenig Aufwand realisieren: „Für ein Youtube-Video brauchen sie kein Studio-Equipment“. 

Sprachassistenten verändern die Customer Journey

Auf dem Radar behalten sollten Händler nach Einschätzung von Volland auch digitale Sprachassistenten wie Amazon Alexa, Apples Siri oder den Google Assistant. Denn diese würden die sogenannte Customer Journey im Onlinehandel massiv verändern. Ein Beispiel: Über den smarten Lautsprecher Echo von Amazon, in welchen Alexa integriert ist, kann per Sprachbefehl ein beliebiges Produkt bei der Handelsplattform bestellt werden. Für Kunden sei dies freilich bequem. „Wer als Händler aber nicht bei Amazon gelistet ist, der ist erst einmal raus aus dem Geschäft“, warnte Volland.

Der Treibstoff des digitalen Wandels sind Daten. Wer möglichst viele über seine Kunden weiß, kann aus diesen Informationen neue, kreative Geschäftsmodelle entwickeln. Mit der  Datenschutzgrundverordnung (DSVGO) sind die Anforderungen bei Handhabung von Kundendaten  allerdings erheblich verschärft worden. Worauf Händler bei der Umsetzung des Regelwerks besonders achten müssen, darüber sprach Uta Wandera, Verbandsjuristin beim HBE. So sei etwa auf jeden Fall zu beachten, dass zur Verarbeitung von Kundendaten eine freiwillige Einwilligung vorliegen müsse. Sehr wichtig sei zudem, dass die Datenschutzerklärung auf der Internetseite für jedermann sichtbar sei. Eine solche Erklärung müsse es auch beim stationären Handel geben. „Ein Aushang an der Ladentür wäre meiner Meinung nach eine geeignete Variante, um die Kunden zu informieren“, sagte Wandera.

Die bisherigen Erfahrungen des Verbandes mit der DSVGO sind indes nicht so schlimm wie befürchtet. „Eine große Abmahnwelle kam nicht, es wurden eher Kleinigkeiten abgemahnt“, berichtete Wandera. Von den Mitgliedsunternehmen des Handelsverbandes habe bis jetzt noch keines eine Abmahnung erhalten. Sorgen bereitete der Verbandsjuristin indes die Tatsache, dass die Umsetzung der DSGVO bei den Unternehmen grundsätzlich eher schleppend laufe.

"Digital Natives" wollen alles immer sofort

Mit der Digitalisierung wandelt sich nicht nur die Technologie, auch die Kunden und ihre Ansprüche verändern sich. So hat die heranwachsende Generation der „Digital Natives“ ganz andere Anforderungen als die Kundschaft im gehobenen Alter. Worauf sich Händler bei den digitalen Eingeborenen einstellen müssen, das wusste Ralph Berchtenbreiter von der Hochschule München. „Technologie, wie etwa Smartphones, sind für die ‚Digital Natives‘ ein integraler Bestandteil ihres Lebens“, so der Professor für digitales Marketing und Management. Dementsprechend finde ein wesentlicher Teil ihrer  Kommunikation über soziale Netzwerke statt. Das hat auch für den Einzelhandel folgen: „Die Markenbildung findet immer mehr dort statt“. Wer als Unternehmen nicht in den sozialen Netzwerken präsent sei, drohe daher den Kontakt zu dieser Zielgruppe zu verlieren.

Ein weiteres Merkmal der „Digital Natives“ sei der lockere Umgang mit dem Thema Datenschutz. „Die Jungen haben kein Problem damit, dass ihre Daten analysiert werden, solange sie etwas davon haben“, so der Hochschullehrer. Außerdem verarbeite diese Generation Informationen nur schnell und oberflächlich. Beim Marketing könne man sie also nicht über lange Texte ansprechen, sondern eher über Bilder. Auch fehle es oftmals an einer kritischen Bewertung von Informationen. Dies sei auch der Grund für den Erfolg zahlreicher „Influencer“ auf Youtube.

Beim Einkaufen sei für die „Digital Natives“ vor allem die Bequemlichkeit wichtig. Eine Trennung in On- und Offline und damit einhergehende Strukturbrüche würde diese Generation nicht akzeptieren. Und außerdem sehr wichtig: „Es muss immer alles sofort hier verfügbar sein“.

Der Tag des unterfränkischen Handels im Würzburger Hotel Melchior Park
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